Martin Haar, Redakteur bei den den Stuttgarter Nachrichten Foto: Thomas Krämer

Der letzte Pressestammtisch hat sich mit der neuen Einkaufwelt in Stuttgart beschäftigt. Martin Haar von den Stuttgarter Nachrichten sprach über die Veränderungen durch die neuen Zentren Gerber und Milaneo.

Möhringen/Echterdingen - Auf eine Postkarte wird man das Milaneo sicherlich niemals drucken. So hässlich wie das ist.“ Das sagte ein Zuhörer beim letzten Pressestammtisch des Stadtseniorenrates und der Filder-Zeitung in der Echterdinger Zehntscheuer. Zu Gast war Martin Haar, Lokalredakteur bei den Stuttgarter Nachrichten. Sein Thema: Milaneo, Gerber und viel mehr. Wo kommen die Kunden für Stuttgarts neue Einkaufsparadiese her?

Nicht nur Nachteile durch die neuen Großen

Der Referent machte anhand von Zahlen deutlich, wie sich die Einkaufswelt in der Landeshauptstadt nach der Eröffnung der beiden Zentren verändert hat. Die Verkaufsfläche in der Innenstadt habe sich dadurch um 90 000 Quadratmeter auf insgesamt 450 000 Quadratmeter vergrößert. Das entspreche einem Zuwachs von 25 Prozent. „Das kann eigentlich nicht ohne Auswirkungen auf die kleinen, von den Eigentümern geführten Geschäfte bleiben“, sagte Haar. Der Redakteur machte aber auch deutlich, dass die Zentren nicht nur Nachteile brächten. Der extrem hohe Quadratmeter-Mietpreis in der Innenstadt könne durch die etwas moderateren Preise in den Zentren womöglich sinken. „Ob dies so kommt, ist ungewiss.“ Stuttgart habe eine enorme Sogwirkung auch auf die Konsumenten in der Region. Das Gerber und das Milaneo schielten auf rund 2,9 Millionen Menschen in und im Umfeld der Landeshauptstadt. Was die Attraktivität als Einkaufsstadt betreffe, liege Stuttgart deutschlandweit auf Rang vier.

„Bis heute fragen sich kritische Geister: Wie konnte der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und sein Gemeinderat diesen Projekten zustimmen?“, sagte Haar. Der aktuelle OB Fritz Kuhn mache dagegen aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich hätte diese Zentren nie bauen lassen.“

Für die Zukunft braucht es eine gemeinsame Strategie

Doch nach den Worten des Referenten ist dies teilweise eine rückwärtsgewandte Diskussion. Die Zentren seien nun einmal da. Die Frage sei eher, wie die negativen Auswirkungen auf den innerstädtischen Einzelhandel verringert werden können. Noch in dieser Woche würden sich die Inhaber der eigentümergeführten Geschäfte treffen, um eine gemeinsame Strategie gegen ein mögliches Ladensterben zu erarbeiten.

Aber ob sich die beiden Zentren nachhaltig durchsetzen können, kann die Kommunalpolitik nach heutigem Stand nur noch bedingt beeinflussen. Und auch die Konkurrenz im Einzelhandel wird sich der Entwicklung stellen müssen.

„Letztlich aber geben Sie selbst die Antwort auf diese Frage“, sagte Martin Haar den Zuhörern in der Zehntscheuer. „Ihr Konsumverhalten wird zeigen, wohin die Reise geht.“

Der nächste Pressestammtisch in der Echterdinger Zehntscheuer, Maiergasse 8, findet am Dienstag, 11. November, 10 Uhr, statt. Die Referentin ist Barbara Thurner-Fromm, stellvertretende Politikchefin bei der Stuttgarter Zeitung. Ihr Thema: 25 Jahre nach dem Mauerfall – Ist jetzt endlich zusammen gewachsen, was zusammen gehört?

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