Das Einkaufscenter Gerber feiert Einjähriges. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Gerber-Händler blicken mit Spannung dem zweiten Jahr entgegen. Kerstin Sänger vom gleichnamigen Fotohaus in der Tübinger Straße glaubt jedoch an die Trendwende im Center.

Stuttgart - Die Tübinger Straße und das Gerberviertel putzen sich raus. Luftballons schweben über der Straße, Bühnen werden aufgebaut. Es sind Vorboten einer Party: Das Einkaufscenter Gerber wird in dieser Woche ein Jahr alt, das Quartier feiert an diesem Freitag und Samstag in der Tübinger-, Sophien- sowie Christophstraße das Gerberviertelfest. Das Einkaufscenter hat daher bis 22 Uhr geöffnet.

Richtig Grund zum Feiern haben allerdings nur die Einzelhändler rund ums Gerber. „Wir haben gewonnen, seit das Gerber eröffnet hat“, Kerstin Sänger vom gleichnamigen Fotoladen in der Tübinger Straße. Die Passantenfrequenz habe sich seither deutlich erhöht. Genaue Zahlen hat die Fotokauffrau jedoch nicht. Aber das Gefühl und die Erfahrung sagen ihr: „Vor allem an den Wochenenden ist inzwischen so viel Betrieb wie früher nur im Weihnachtsgeschäft.“

Neuer Quartiersmanager fürs Gerberviertel

Kerstin Sänger glaubt jedoch, dass das Potenzial des Gerberviertels und des Einkaufscenters längst nicht ausgereizt ist. Daher hat sie mit den anderen Mitgliedern des Gerberviertelvereins den neuen Quartiers-Manager Hannes Wolf engagiert. Vom 1. Oktober an soll er laut Sänger „für Sauberkeit und für eine bessere Beleuchtung sorgen sowie sich um die Parksituation kümmern“. Kurzum: Der neue Mann soll die Rahmenbedingungen für noch bessere Geschäfte schaffen. Denn Kerstin Sängers Motto lautet: „Wir sind Unternehmer, keine Unterlasser.“

Das gilt auch für den großen Nachbarn. Dort haben die Manager und Investoren des Einkaufscenters aus dem ersten Jahr ihre Lehren gezogen. Selbstkritisch schallt es aus dem Center: „Mit Vorschusslorbeeren bedacht, zeigte sich bald, dass die Handelsflächen nicht pauschal im Stil eines klassischen Einkaufscenter funktionieren.“ Weiter räumen sie, dass trotz der Nähe zur Königstraße und zum Gerberviertel die Kunden das Center nicht wie gewünscht angenommen haben: „So richtig wollte der Funke bislang nicht überspringen.“

Gerber spielt wichtige Rolle als Nahversorger

Was das bedeutet, wird bei einem Bummel über die drei Etagen der Mall ersichtlich. Das Untergeschoss (Zugang über die Tübinger Straße) brummt. Dort locken eine kleine Fressmeile, ein Drogeriemarkt, ein Discounter und ein Lebensmittelladen die Kunden. Inzwischen scheint dieses Angebot eine wichtige Rolle als Nahversorger für die Anwohner zu spielen.

Doch in den beiden oberen Geschossen des Gerbers befinden sich die Problemzonen. Hierauf will das Management zwar mittelfristig durch einen Wechsel der Mieter reagieren, mit mehr Grünpflanzen und die Unterstützung von Hannes Steim (Macher des Fluxus in der Calwer Passage) reagieren, aber nicht alle Gerber-Mieter überzeugt das neue Konzept. Ein Verkäufer eines Textileinzelhändler, der von Anfang an dabei ist, sagt: „Ich habe keine Hoffnung, dass die Geschäfte hier rasant anziehen. Nur ein paar Grünpflanzen aufzustellen wird nicht reichen.“ Widerspruch erhält er von einer Verkäuferin für Herrenmode: „Bei uns läuft es nicht schlecht. Natürlich hoffe ich, dass durch die neuen Maßnahmen die Geschäfte noch besser laufen.“

Alle Wohnungen im Gerber sind vermietet

Im Gegensatz zum Handel meldet das Gerber bei der Vermietung der Wohn- und Büroflächen positive Nachrichten. Im Bürobereich liegt der Vermietungsstand derzeit bei 55 Prozent. Bis Jahresende soll die 70-Prozent-Marke erreicht sein. Die Wohnungen im Gerber sind dagegen alle vermietet. Nur zwei der vier Stadtvillen mit jeweils 200 m² Fläche sind noch zu haben.

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