Im Süden von Oberaichen könnten auf einer Fläche von 2042 Hektar weitere neue Wohnungen gebaut werden. Aufgrund des Naturschutz wird das aber keine einfache Nummer.
Die Stadt wächst, Wohnraum ist knapp. Derzeit entstünden in Leinfelden-Echterdingen rund 600 neue Wohnungen, verdeutlichte der Planungsamtsleiter Philipp Schwarz jüngst im Technischen Ausschuss. Im Süden des Ortsteils Oberaichen, im Gebiet Bergäcker, könnten auf einer Fläche von 20 000 Quadratmeter weitere neue Wohnungen gebaut werden.
Wie das Gebiet einmal genau aussehen könnte, das soll mit einer städtebaulichen Mehrfachbeauftragung geklärt werden. Drei bis fünf Büros möchte das Rathaus dafür beauftragen. „Kleine, kompakte Wettbewerbe bringen die besten Ergebnisse“, ist sich Schwarz sicher. Eine Jury aus Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, der Stadtverwaltung und externen Fachleuten soll im ersten Quartal des kommenden Jahres einen Siegerentwurf küren, der dann als Grundlage für die weitere Bauleitplanung dient. Einstimmig stellte sich der Technische Ausschuss vorberatend für den Gemeinderat hinter die Pläne.
Geschütze Bäume stehen Bauvorhaben entgegen
Für das Gebiet sprechen mehrere Gründe. Einerseits ist die S-Bahn zwar nicht in unmittelbarer Nähe, aber doch noch fußläufig erreichbar. Andererseits bietet die Ortsrandlage viel Ruhe für die zukünftigen Bewohner, was in Leinfelden-Echterdingen bekanntermaßen vielerorts nicht so ist. „Es ist einer der ruhigsten Orte der Stadt“, meinte Schwarz.
Der vorhandene Streuobstbestand ist zwar vom Landesnaturschutzgesetz geschützt. Die Bebauung des Gebiets müsse deshalb gesondert beantragt werden, sagte Schwarz. Ausnahmen zum Landesnaturschutzgesetz seien aber grundsätzlich möglich. In diesem Fall müsse eben abgewogen werden, was wichtiger sei: neue Wohnungen oder Bäume?
Kitaplätze seien dort schon jetzt knapp, heißt es
Allerdings habe die Untere Naturschutzbehörde bereits signalisiert, dass eine Umwandlungsgenehmigung dort nur schwer möglich wird. Der Ausgang der Ausnahmebeantragung ist also offen. Das Streuobst im Westen des Gebiets ist auch der Grund, weshalb die Fläche in zwei Bauabschnitte aufgeteilt wird. Die beiden Bauabschnitte müssen getrennt voneinander verwirklicht werden können.
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung mahnten verschiedene Stadträte an, die Folgen der geplanten weiteren Aufsiedelung nicht aus den Augen zu verlieren. „In Oberaichen wird das heiß diskutiert“, berichtete die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch. So seien die dortigen Kinderbetreuungsplätze schon heute knapp. Womöglich müsse perspektivisch mit im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet über eine neue Kinderbetreuungseinrichtung nachgedacht werden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser gab zu bedenken, dass die Aufnahmefähigkeit der kleinen Zugangsstraßen in das Gebiet im Auge behalten werden müsse.
Viel Zeit ist nicht mehr
Wichtig ist der Stadtverwaltung, dass sich die Menschen die neuen Häuser und Wohnungen auch leisten können. Angedacht ist ein Quadratmeterpreis von 3200 Euro. Doch bereits jetzt zweifelt Schwarz daran, dass dieser Preis zu halten sein wird. „Das ist schwer zu erreichen, ich bin gespannt, was am Ende dabei herauskommt“, sagte er. Um die Kosten gering zu halten, könnten die Häuser seriell gebaut werden.
Wie geht es zeitlich weiter? Das Bebauungsplanverfahren wurde schon 2022 eingeleitet. Die Zeit drängt also, weil mit einigen Grundstückseigentümern, die ihre Flächen der Stadt verkauft haben, Rückkaufoptionen vereinbart worden waren. Damit diese Optionen nicht genutzt werden können, muss das Bebauungsplanverfahren bis 2026 abgeschlossen werden.