Das Gebäude in der Karlstraße ist verwaist – schwer vorstellbar, dass hier demnächst der Schulbetrieb aufgenommen wird. Foto: Bäßler

In Ulm scheitern zum zweiten Mal Gymnasiumspläne von Gülen-Unterstützern. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Stadt Ulm das ungern einem intransparenten Verein überlassen mag – nun sollte sie auch verstärkt eigene Konzepte entwickeln, kommentiert unser Ulm-Korrespondent Rüdiger Bäßler.

Ulm - Auch 2016 wird es nichts mit einem türkischen Privatgymnasium in Ulm. Eine sogenannte Bildungsinitiative Blautal hat behördliche Zweifel über die Einhaltung der Fächerstandards nicht rechtzeitig ausräumen können. Mit dieser Stagnation auf der Fachebene erledigt sich zumindest für dieses Jahr eine politisch-ideologische Debatte über die nächste Gülen-Schule in Baden-Württemberg, denn dass das Gymnasium Teil des bundesdeutschen Gülen-Netzwerkes gewesen wäre, steht kaum in Zweifel. Der Verein selbst hat ja eingeräumt, dass „einige Träger der Schule“ dem Prediger und Erdogan-Gegenspieler „als Privatperson“ nahestünden.

Bleibt das altruistisch klingende Versprechen der gescheiterten Initiatoren, ihnen gelänge es besser als dem staatlichen Schulsystem, Kinder türkischer Einwanderer durch Einzelförderung zum Abitur zu führen. Alle Bildungsberichte machen diese Schlagseite, dieses veritable Integrationshemmnis sichtbar. Es zu beseitigen hieße wirklich, in der Schule stärker auf Kinder aus Migrantenfamilien einzugehen. Völlig in Ordnung, wenn die Stadt Ulm das ungern einem intransparenten Verein überlassen mag. Nun sollte sie auch verstärkt eigene Konzepte entwickeln. Die Einführung des Türkischen als Fremdsprache an zumindest einem Gymnasium könnte so ein Verständigungsweg sein.

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