Der Entwurf der neuen Moschee wirkt wie aus einem Märchen. Foto: privat

Das Konzept für eine neue Moschee steht. Aber das Gotteshaus bleibt umstritten – auch nach einer gut besuchten Bürgerinformation. Nicht nur beim 25 Meter hohen Minarett gehen die Meinungen auseinander.

Kornwestheim - Sedat Yilbirt ist Experte für den Neubau islamischer Gotteshäuser. Er hat Moscheen und dazugehörige Kulturzentren in mehreren deutschen Kommunen konzipiert. Bei einer Bürgerinformation im Kornwestheimer Rathausfoyer hat er die Aufgabe, rund 150 Kommunalpolitikern und Besuchern den geplanten Neubau der Türkisch-Islamischen Ayasofya-Gemeinde an der Sigelstraße nahe Stammheim näherzubringen.

Seit Jahren planen die Kornwestheimer Moslems den Neubau, und er ist aus ihrer Sicht auch bitter nötig. Die aktuelle, fast zwei Jahrzehnte alte Moschee an der Sigelstraße versprüht den Charme einer Werkhalle und ist teuer im Unterhalt. Unumstritten ist der Neubau nicht, auch Kommunalpolitiker stellten in der Vergangenheit Fragen wegen der Vereinszugehörigkeit zur Türkisch-Islamischen Union Ditib, die wegen ihrer Nähe zum türkischen Staat in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten war. Davon unbeirrt wirft Sedat Yilbirt Grundrisse und Grafiken per Beamer an die Leinwand, sie zeigen die Funktionalität des Gebäudes und das architektonische Konzept. Einige Blicke aus dem Publikum lassen Skepsis erkennen.

Vier Stockwerke mit Kulturzentrum

Das Minarett, 25 Meter soll es hoch sein, sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus einem Märchenturm Marke „Unendliche Geschichte“ und einer sich öffnenden Blüte. Die großen Fenster am Gebetsraum wirken sakral, auf der acht Meter breiten Kuppel prangt in den Illustrationen ein Halbmond. Das an die Moschee angeschlossene Kulturzentrum wirkt nüchterner, aber hell. Durch ein Glasdach fließt Licht ins Foyer.

Vier Stockwerke sollen Moschee und Kulturzentrum haben. Neben Gebetsräumen für Frauen und Männer finden sich Veranstaltungssäle, Büros, Unterrichtsräume, Lager und Küche, außerdem Waschungsräume und Teestube. Die wichtigste Regel für Besuche in der künftigen Moschee nennt Sedat Yilbirt zum Schluss: „Schuhe ausziehen.“

Auch baurechtliche Probleme haben das Vorhaben erschwert – ein Stück Eisenbahngelände musste zunächst entwidmet werden. Das Bebauungsplanverfahren lag zwischenzeitlich auf Eis. Nun aber soll es soweit sein: Der Gemeinderat will das Bebauungsplanverfahren zum Abschluss bringen. Ein Bauantrag des Vereins sei bereits in der Stadtverwaltung eingegangen, berichtet der Baubürgermeister Daniel Güthler. Schon im kommenden Jahr könnte die neue Moschee stehen, so der Gemeinderat den Bebauungsplan verabschiedet. Das wird er frühestens im Juli tun. Die Meinungen bei den Räten sind unterschiedlich. CDU-Stadträte etwa lehnen nicht die Moschee, aber den Turm ab, weil er polarisiere. Die SPD hat laut dem Fraktionsvorsitzenden Hans-Michael Gritz mit dem Turm keine Probleme. Die Fraktion Grüne/Linke dringt auf einen möglichst schnellen Beschluss über den Bebauungsplan. Das Minarett will deren Fraktionsvorsitzender Ralph Rohfleisch nicht in Frage stellen. „Eine Kirche mit Kirchturm hat doch auch eine ganz andere Ausstrahlung als ein Gemeindehaus“, sagt er.

Gastarbeiter bei Kreidler und Bahn

Recep Aydin vom Türkisch-Islamischen Verein bemüht sich in seinem Vortrag aufzeigen, dass sich seine Gemeinde gut in die Kornwestheimer Stadtgesellschaft integriere. Er berichtet, wie vor 60 Jahren die ersten türkischen Gastarbeiter auch nach Kornwestheim kamen, „bei Kreidler und der Bahn arbeiteten“ und hier eine neue Heimat fanden. „Jetzt sind wir in der zweiten und dritten Generation hier.“ Jugendarbeit werde groß geschrieben, ebenso wie die Zusammenarbeit mit den städtischen Institutionen und Rettungsdiensten. Auch bei Festen wie den Kornwestheimer Tagen und der Ausländischen Nacht bringe sich der Kulturverein ein.

Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck spricht unterstützende Worte und sagt, wie selbstverständlich es sei, dass in der Stadt Menschen aus unterschiedlichen Religionen lebten und sich austauschten. Was klar werden soll: Die Moschee sei zwar ein Neubau, aber nicht neu – es gibt ja bereits eine an der Sigelstraße. Nüchtern-technisch erklärt der Baubürgermeister Daniel Güthler, die Moschee sei in einem „gewerblich-industriellen Umfeld“ gelegen und werde vom Rest der Stadt aus kaum zu sehen sein.

Trotz der umfassenden Schilderungen blieben für die Besucher Fragen offen. So ging es etwa um die Finanzierung der Moschee. Es schwang die Sorge mit, dass die neue Ayasofya-Moschee aus dem Ausland mitfinanziert wird. Dem sei nicht so, versicherte Recep Aydin vom Türkisch-Islamischen Kulturverein. Schon jetzt hätten die Vereinsmitglieder mehr als eine Million Euro für die Moschee gespendet – und das, obgleich es noch keinen Spatenstich gegeben habe. Dem Verein gehörten 780 Familien an, er hoffe darauf, so Aydin, dass die Mitgliederzahl auf über 1000 steige, wenn die Moschee einmal stehe.

Vorerst keine Predigt in deutscher Sprache

Die Mitgliedschaft des Kornwestheimer Vereins im islamischen Dachverband Ditib war einer Reihe von Fragestellern ein Dorn im Auge. Warum tritt der Verein nicht aus? Weil es unter den Mitgliedern dafür keine Mehrheit gebe, antwortete Aydin. Und wie könne der Verein verhindern, dass die Ideologie des türkischen Präsidenten Erdogan über Ditib in Kornwestheim verbreitet wird? In der Moschee, so Aydin, gehe es nicht um Politik.

Einige der Fragesteller wollten wissen, warum in der Moschee nicht in deutscher Sprache gepredigt werde. Weil in Deutschland keine Imame ausgebildet würden, sagte Aydin und ergänzte: Noch nicht. Sobald es Deutsch sprechende Prediger gebe, werde der Kornwestheimer Verein einer der ersten sein, der einen solchen Imam anstelle. Noch aber sei man auf in der Türkei ausgebildete Prediger angewiesen.

Eine Muslima, die sich seit vielen Jahren für das christlich-muslimische Frauenfrühstück in der Stadt engagiert, zeigte sich enttäuscht über den Hass, der den Vereinsmitgliedern aus einer Reihe von Fragen entgegenschlug. „Ich habe mir Kornwestheim ganz anders vorgestellt“, sagte sie. Sie erwarte von den Kritikern Vertrauen, dass der Verein einschreite, wenn in der Moschee irgendetwas falsch laufe.

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