Handverlesenes für den Gaumen: Die Genussmesse „Speis & Trank“ hat am Wochenende einige tausend Besucher nach Fellbach gelockt.
Ein bisschen erstaunt war Luz Victoria Aguirre schon, als sie in Deutschland zum ersten Mal Schokolade aß. Denn in ihrem Heimatland Ecuador schmeckt die komplett anders: „Die Schokolade hier ist für mich keine richtige, denn sie besteht vorwiegend aus Zucker.“ Mittlerweile hat Luz Victoria Aguirre, die vor 25 Jahren zum Studieren ins Ländle kam und der Liebe wegen geblieben ist, eine Lösung für das Problem gefunden.
Sie hat einfach eine kleine Schokoladenmanufaktur gegründet. Unter dem Namen Abemon produziert sie in Calw Gourmet-Schokolade mit Kakao aus Ecuador, der von kleinen Kooperativen angebaut wird.
Weingüter ziehen auf der Genussmesse viele Besucher an
Eine Auswahl davon hat sie am Wochenende an ihrem Stand auf der Genussmesse „Speis & Trank“ in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) dabei. Der Kakaoanteil geht von 55 bis 92 Prozent. Die Lage des Anbaugebiets und die Umgebung prägten das Aroma der Kakaobohnen, erklärt die Schokoladen-Macherin: „Kakao hat ein Terroir.“ Kakaobohnen und Weintrauben haben also etwas gemeinsam – und so muss Luz Victoria Aguirre zumindest bei weinaffinen Besuchern nicht all zu viel erklären. Von der Sorte sind am Wochenende etliche in der Alten Kelter in Fellbach unterwegs und legen eine Pause am Stand der Weinmanufaktur Stuttgart und des Weinguts Beyer ein.
Luca Salvatore, der Veranstalter der Messe, rechnet mit rund 5500 Besuchern am Wochenende. „Es ist ja tolles Messewetter“, sagt er mit Blick hinaus ins trübe Grau. Vor acht Jahren haben er und seine Frau Elena Strauß die „Speis & Trank“ aus der Taufe gehoben – als herbstliches Pendant zu der Frühjahrsmesse „Tisch & Tafel“, die es da schon zwei Jahre gab. „Die Aussteller wollten eine zweite Messe“. erzählt Luca Salvatore, dessen Familie eigentlich im Messebau tätig ist. Sein Schwiegervater Manfred Strauß hat den Auf- und Abbau des Stuttgarter Weindorfs von 1978 an verantwortet. Die „Speis & Trank“ ist Luca Salvatore und seiner Frau ein Anliegen: „Wir sind selbst Genussmenschen.“
„Weltpremiere“ auf der „Speis & Trank“
Auch am Stand von Feinkost Sirin ist die ganze Familie am Wirbeln. „Meine Eltern haben 1993 angefangen, auf Wochenmärkte zu gehen“, erzählt Emir Sirin. Das ist auch noch heute der Fall, weitere Standbeine sind ein Restaurant in Bad Säckingen und ein Onlineshop. In der Alten Kelter fährt Familie Sirin mediterrane Spezialitäten in Hülle und Fülle auf: von Schwiegermuttercreme, einem aromatischen Dip aus Feta, Tomaten und Gewürzen, über süße Pistaziencreme aus eigener Herstellung – „70 Prozent Pistazienanteil, kein Palmöl, keine Farbstoffe“ – und türkischen Honig bis zu Maulbeersirup, der gemischt mit Sprudel eine Alternative zum Apfelschorle ist.
Ein Stückchen weiter steht Martina Maier mit drei Freundinnen und testet ein Getränk, das Tim Angermeyer und Daniela Marquardt aus Stuttgart erfunden haben. „Das ist eine Weltpremiere“, sagt Tim Angermeyer, der eigentlich aus Köln kommt, aber offensichtlich begeisterter Wahl-Schwabe ist. Wie sonst könnte man auf den Gedanken kommen, das Traditionsgebäck Wibele in Form eines Sahnelikörs mit Wibele-Aroma herzustellen? Vom Getränk mit 17 Prozent Alkoholgehalt haben die Erfinder bei einer professionellen Destillerie 1500 Flaschen geordert. Die müssen sie nun verkaufen. „Wenn der Likör angenommen wird, werden wir auch eine vegane und eine alkoholfreie Version anbieten“, sagt Tim Angermeyer.
Knalle: Popcorn für den Feinkosthandel
Während der Wibele-Likör erst noch eine Fangemeinde aufbauen muss, wechselt die Ware am Stand von Michel Beck zügig den Besitzer. Popcorn bringen wohl die wenigsten spontan mit Feinkost in Verbindung – doch genau darauf läuft es bei der „Popkornditorei“ Knalle hinaus. „Wir konzentrieren uns auf Feinkostläden und machen einen Bogen um Supermärkte“, sagt Beck. Bei einem Preis von knapp fünf Euro pro 100-Gramm-Tüte könne man mit den Produkten im Supermarkt nicht konkurrieren. Die Genussmesse in Fellbach aber sei der richtige Ort, um „richtig gutes Popcorn“ zu präsentieren. Gepoppt werde es in Berlin aus einer besonders gut geeigneten, bruchsicheren Sorte.
„Wir rühren jedes Karamell selbst an“, sagt Beck. Das diene dann als Träger für diverse Geschmackssorten, die durchaus ein bisschen durchgeknallt sein dürfen. Zu den Standardsorten gehören „Trüffel Fleur de Sel“, „Tonkabohne Kokos“ oder die „Zimtschnecke“, hinzu kommen saisonale Geschmacksrichtungen wie „Lebkuchen“. Michel Becks Lieblingssorte ist eine sommerliche: Earl Grey-Limette. In limitierter Auflage ist die Sorte „Extrakaramell Chipotle Chili Zitrone“ erhältlich. Kreiert hat sie der Sternekoch Tim Raue. Popcorn und Feinkost passen eben doch zusammen.