Alles ist politisch, auch das Essen. Gerade wenn ein Ministerpräsident an einem Big Mac mümmelt.
Essen ist politisch. Dieser prägnante Satz ist immer wahr, in diesen aufgeladenen Zeiten vor der Wahl besonders. Markus Söder, der gerne im Internet seiner Vorliebe für Würste frönt, war nun neulich bei dem Burgerbrater mit dem großen, güldenen M und erklärt in einem Video auf Instagram, wie er den doppelten Burger am liebsten isst. Spoiler: Er beißt in das große Teil nicht einfach hinein, sondern nimmt ihn auseinander, sodass er zwei Hälften hat. So weit, so belanglos.
Manchen mag Söders Auftritt an ein Video von Donald Trump aus dem vergangenen Jahr erinnert haben, als der sich in Wahlkampfzeiten an der Fritteuse verausgabte – bei eben selbiger Burgerbraterkette.
Spitzenkoch Christian Bau, der nicht nur drei Sterne in seinem Restaurant Victor’s Fine Dining in Perl-Nenning kochen kann, sondern auch pointierte Kolumnen schreibt, hat sich über Söders Video echauffiert. Er ist entsetzt, dass sich ein Politiker in einer Franchisekette filmen lässt.
Warum macht ein Ministerpräsident Werbung für einen Großkonzern?
Dabei hat es gar nichts mit dem Burgergenuss an sich, nichts mit so genannten Guilty Pleasures zu tun, also heimlichen Vergnügen, die auch jeder Spitzenkoch einmal hat. Manche stehen auf Weingummis, andere machen sich etwas Marillenmarmelade und frischen Pfeffer auf den Fleischsalat.
Was Markus Söders Video ja nun aber zeigt, ist, dass er sich für einen Branchenriesen vor den Burger stellt. Bau fragt sich: „Warum muss der bayerische Ministerpräsident, der einem Land mit großer kulinarischer Tradition vorsteht (das mit München und Nürnberg zudem über zwei der spannendsten Gastronomie-Hochburgen Deutschlands verfügt), so peinlich für einen internationalen Großkonzern mit einem faden und weltweit gleichförmigen Speisenangebot Werbung machen?“
Auch im Imbiss-Segment – und ja, auch bei den Burgerbrätern – ist viel Qualität zu finden
Dass sich die deutschen Politiker nicht offiziell in den gehobenen Etablissements zeigen wie ihre französischen Kollegen, ist bekannt. Doch auch viel niederschwelliger könnte man Zeichen setzen. Auch im Imbiss-Segment – und ja, auch bei den Burgerbrätern – ist viel Qualität zu finden. Es gibt lokale Wirtschaften, die Burger aus Bio-Patties machen, die Dönerfladenbrote mit den frischesten Zutaten füllen, die gehaltvolle Ramenbrühen verkaufen. Zugleich zeigt die Imbisslandschaft, wie vielfältig die Kulinarik des Landes ist. Worüber man unbedingt sprechen sollte, ist die Preissteigerung bei Lebensmitteln und auch über gesunde, frische Mahlzeiten in Kitas, Schulen oder Seniorenwohnheimen. Schwer verdauliche Kost eben.