Corrado Celebre möchte deutschen Kaffeetrinkern italienische Leidenschaft vermitteln. Foto: Patricia Sigerist

In einer Serie stellen wir Menschen vor, die für besondere Produkte aus der Region stehen. Corrado Celebre bietet in seiner kleinen Firmengruppe inzwischen ein Komplettpaket zum Kaffeegenuss an.

Fellbach - Kaffee wird in Deutschland in größeren Mengen getrunken als Mineralwasser oder Bier. Überwiegend kommt er aus einer Filtermaschine. Das ist Corrado Celebre bewusst. „Wenn jemand unterwegs dringend einen Kaffee will, ist das eine andere Situation“, zeigt er Verständnis auch für denjenigen, der einen Becher „to go“ ordert. Doch der Fellbacher ist überzeugt davon, dass ein Kaffee mehr ist als „ein Wachmacher oder Pausenfüller“. Er will „Genussmomente zelebrieren“ und zeigen, dass viel mehr in einer Kaffeebohne steckt.

Es gebe den Kaffee gewöhnlich zum Frühstück oder in einer Pause

Celebre ist in Fellbach geboren, aufgewachsen und verwurzelt. Er ist zugleich das „Kind von zwei Nationen“, Aufenthalte bei der Familie in Sizilien prägen. Fast hätte der 36-Jährige die gleiche Laufbahn „beim Daimler“ einschlagen wie sein Opa und sein Vater. Aber gleich nach der Ausbildung zum Mechatroniker verließ er den Autobauer und verfolgt seither seine „Leidenschaft für Genuss“. Die entdeckte er in Tassen: „Deutschland hat eine große Kaffeetradition“, erklärt er, „aber vieles ist aus der Routine raus.“ Es gebe den Kaffee gewöhnlich zum Frühstück oder in einer Pause. „Kaffee verbindet Menschen, man gönnt sich eine Auszeit“, beschreibt er die italienische Herangehensweise. Schon als Kind liebte er es, seine Mutter zu beobachten, wie sie mit dem Mokkakännchen hantierte, wenn es in der Küche duftete, Besuch kam und miteinander gesprochen wurde. „Kaffee ist in Italien das Mittel zum Zweck, um zur Ruhe zu kommen.“

Drei bis vier Tonnen werden im Jahr unter seinem Namen in Fellbach zu Spezialitäten veredelt

Celebre wohnt nahe an Weinbergen, und wie beim Wein beginnt für ihn die Kaffeequalität beim Anbau. Er ließ sich zum Coffeologen ausbilden, bereiste Anbauländer, persönliche Kontakte zu Kaffeebauern wuchsen. Inzwischen importiert er ausgewählte Bohnen aus der Dominikanischen Republik, aus Mexiko, Brasilien und Panama, teils auch aus Indien. Wie beim gehobenen Wein achtet er bei der Auswahl auf sortenreine Bohnen. Schon sein Einkaufspreis liegt oftmals über dem, was fertiger Kaffee in deutschen Läden kostet. Drei bis vier Tonnen werden im Jahr unter seinem Namen in Fellbach zu Spezialitäten veredelt. Weitere 70 bis 80 Tonnen verarbeitet eine Vertragsrösterei für große Kunden, die er von ausgewählten Genossenschaften bezieht. Auch das ist immer noch ein Bruchteil von dem, was bei großen Röstereien über die Bänder läuft.

„100 Prozent“ nennt Corrado Celebre seine eigene Linie, weil er keine Kompromisse machen will. So sollen die Bauern ihre Mitarbeiter fair entlohnen können, Nachhaltigkeit ist ihm wichtig. Mit unterschiedlichen Röstungen bietet er seine Produkte in der Heimat an. In Fellbach etwa im Edeka-Markt Hansen.

Lieber weniger, aber bewusster genießen, ist seine Devise

Ein Kilogramm Kaffeebohnen für zehn Euro könne nicht allzu viel taugen, meint Celebre, 2,19 Euro betrage allein schon die Röststeuer. Seine Tipps für den Kauf: „Auf Langzeitröstung achten, bei niedrigen Temperaturen entwickeln sich die Aromen besser, und es wird bekömmlicher.“ 15 bis 20 Minuten dauere das, eine Industrieröstung sei nach zwei bis drei Minuten durch. Kein Pulver nehmen („Kaffee altert nach dem Mahlen“) und nicht im Kühlschrank aufbewahren. „Kaffee nimmt wie ein Schwamm Gerüche und Feuchtigkeit auf.“ Stattdessen dunkel, kühl und trocken lagern, am besten vakuumverpackt. „Eher eine kleine Packung kaufen“, rät Celebre zudem, denn mit jedem Öffnen leide die Qualität. Lieber weniger, aber bewusster genießen, ist seine Devise. Und ohne Zucker in der Tasse. Der nehme zwar Bitterstoffe, verfälsche aber das Aroma. Apropos Tasse: Wie beim Weinglas beeinflusst die Form das Geschmackserlebnis, wie Celebre vermittelt, indem er einen zweiten Cappuccino in einer anderen Tasse serviert. In diesem Fall mundet es trotz gleicher Zubereitung schokoladiger.

Wie in Italien soll die Tasse Kaffee, Espresso oder Cappuccino vor den Augen der Kunden handgebrüht werden

Corrado Celebre spricht voller Leidenschaft, davon können sich auch Fernsehzuschauer ein Bild machen. In einem Verkaufskanal präsentiert er unter anderem Kaffeevollautomaten. Deutschland sei ein guter Markt für Vollautomaten, sagt der Fellbacher. „Man holt sich hier gerne das Gefühl des Cafés nach Hause.“ Italiener wiederum tickten anders. Wer den Geschmack aus der Kaffeebar wolle, gehe eben dorthin – auch, um die Begegnung mit anderen zu haben. Es überrascht nicht, dass Celebre nach längerer Vorplanung nun mit einem Café seines Namens am Start ist. An diesem Freitag soll die Eröffnung sein, an zentraler Lage in der Stuttgarter Schulstraße.

Corrado Celebre mit seinem Mitarbeiter im neuen Café in der Stuttgarter Schulstraße. Foto: Sigerist
Rund 30 Sitzplätze hat es, eine lange Bar, neben dem eigenen Kaffee werden auch italienische Delikatessen angeboten. Wie in Italien soll die Tasse Kaffee, Espresso oder Cappuccino vor den Augen der Kunden handgebrüht werden, Gespräche mit dem Barista sind ausdrücklich erwünscht. Wer wenig Zeit hat, bekommt den Kaffee aber auch zum Mitnehmen – in biologisch abbaubarem Einwegbecher. Im Franchise-Konzept sollen, wenn alles klappt, weitere Kaffeebars folgen.

Die nächste Generation wird, wie er, mit dem Duft von Kaffee groß werden

Corrado Celebre bietet in seiner kleinen Firmengruppe inzwischen ein Komplettpaket zum Kaffeegenuss an. Im Fellbacher Eventraum etwa Workshops zum Barista, für Laien wie für Profis aus der Gastronomie. „Kaffee ist viel mehr als nur auf den Knopf drücken.“ Der flexibel nutzbare Raum ist stylish und hell, die Möbel hat Corrado Celebre selbst designt. Auch eine kleine Rösttrommel ist hier immer wieder im Einsatz.

Celebre sprüht voller Ideen, seine Freude ist ansteckend. Er ist viel auf Achse, in sozialen Netzwerken präsent – und Familienmensch. Vor Kurzem kam das dritte Kind auf die Welt. Die nächste Generation wird, wie er, mit dem Duft von Kaffee groß werden. Er selbst trinkt übrigens überwiegend Espresso. Oder klassischen Kaffee, schwarz. Der kommt bei ihm lauwarm in die Tasse. „Bei 35 bis 45 Grad kann man die Aromen am besten wahrnehmen“, sagt er. Eben zu „100 Prozent“. Beim Design seines Kaffeegeschirrs beweist der 36-Jährige auch Humor: Ist die Tasse leer, wird am Boden eine Botschaft lesbar: „100 Prozent – leer.“

Rezeptidee

Volker Aldinger setzt in Aldingers Restaurant in der Fellbacher Schmerstraße auf gehobene, aber bodenständige Küche. Er führt den Familienbetrieb mit seiner Frau seit 28 Jahren.

Kaffee spielt bei Volker Aldinger eine kleine, aber feine Rolle – als Getränk nach dem Essen oder verarbeitet als Dessert. Ein Klassiker im Angebot von Aldingers Restaurant in der Fellbacher Schmerstraße ist Cappuccino-Eisparfait. Das bekommt der Gast stilecht kredenzt – in einer Cappuccino-Tasse, oben drauf mit Sahnehaube. „Das ist von der Menge her nicht so viel“, beschreibt der Chef einen Grund, weshalb dieser Nachtisch bei seinen Gästen so beliebt ist. „Wir hatten das mal von der Karte genommen und ersetzt, aber wegen der großen Nachfrage ist es wieder dabei.“ Mit Kaffee verfeinert Aldinger auch mal eine Vanillesoße, die dann zum Beispiel ein Schokoküchle mit flüssigem Kern umspielt.

Volker Aldinger ist Koch mit Leib und Seele und kann genüsslich von der Zubereitung erzählen

Apropos Spiel: Lässt er ganze Bohnen in Sahne aufkochen und ziehen, bekommt er Kaffeearoma ins weiße Eisparfait, aber nicht die dunkle Farbe. Volker Aldinger ist Koch mit Leib und Seele und kann genüsslich von der Zubereitung erzählen. Das gemütliche Restaurant ist seit 90 Jahren in Familienbesitz.

Volker Aldinger Foto: Roland Böckeler
Sein Großvater, ein Wengerter, baute zunächst noch Wein im Gewölbekeller aus. Der dient inzwischen als Weinlager. Mit rund 40 Sitzplätzen bleibt das Ambiente familiär. Die kleinen Räume mit viel Holz strahlen Wärme aus, die Historie des Restaurants ist bei behutsamen Renovierungen erhalten geblieben. An sommerlichen Tagen können bis zu 20 Gäste auch auf einer Terrasse speisen. Der 52-jährige Aldinger hat nie ernsthaft in Erwägung gezogen, einen anderen Beruf zu ergreifen. „Ich half schon als Schüler hier mit“, sagt er.

Auch Spezialitäten wie Hummer oder Innereien („dafür kommen viele Gäste extra“) bereitet Aldinger gerne zu

Sein Vater, gelernter Schreiner, hatte erst später auf Koch umgesattelt. Ein Umweg, den sich Volker Aldinger sparte. Er ließ sich am früheren Alt-Württemberg in der Schwabenlandhalle ausbilden, war im Waiblinger Bürgerzentrum aktiv und in der Nürtinger Ulrichshöhe, damals eine Sterne-Gastronomie. Ein Stern reizt den Küchenmeister für sein Restaurant nicht. „Hochwertig, gut und frisch“ solle es sein, mehr nicht. „Reell, bodenständig und nicht verspielt“, beschreibt er sein Angebot. Zusammen mit seiner Frau Susanne, eine gelernte Hotelfachfrau, führt er Aldingers Restaurant seit 28 Jahren. Auf den Teller kommen viele saisonale Gerichte. Den Wildwochen schließen sich bald Gänsegerichte an. Auch Spezialitäten wie Hummer oder Innereien („dafür kommen viele Gäste extra“) bereitet Aldinger gerne zu – stets in Portionen zum satt werden. Kein Wunder, dass zum Nachtisch ein Parfait in der Cappuccino-Tasse genügt.

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