Gentechnisch veränderter Maiskolben auf einem Versuchsfeld in Forchheim Foto: dpa

Die Gegner im EU-Ministerrat konnten sich nicht durchsetzen: Genmais könnte auch bald in Europa angebaut werden.

Was ist die Maissorte 1507?
Bei 1507 handelt es sich um eine gentechnisch veränderte Maissorte, die so aussieht ein normaler Maiskolben. Das US-Unternehmen Pioneer hat die Pflanze im Labor allerdings so verändert, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent ist und ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler produziert. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation FAO vernichtet diese Mottenraupe rund vier Prozent der weltweiten Maisernte pro Jahr. 1507 könnte als Tierfutter genutzt und in Biogas-Anlagen verwendet werden.  
Welche Auswirkungen hätte der Anbau dieser Maissorte?
Der Hersteller lobt sein Produkt als wichtige Hilfe für Landwirte und Nutzer. Kritiker wie der Naturschutzbund Deutschland oder Greenpeace sehen eine andere Gefahr. Sie verweisen darauf, dass die Resistenz gegen Glufosinat zu einem vermehrten Einsatz dieses Unkrautbekämpfungsmittels führen dürfte, obwohl dieses Pestizid nach dem Willen der EU-Kommission 2017 vom Markt genommen werden muss. Umstritten ist auch die Frage, ob andere Lebewesen wie Schmetterlinge oder Motten gefährdet sein könnten.  
Ist „Genmais“ für den Menschen gefährlich?
Es gibt bisher keine Hinweise in dieser Richtung. Die Maissorte wurde von der EU als Lebens- und Futtermittel ja auch längst genehmigt – jetzt geht es lediglich um den Anbau. Sollte „1507“ für die Herstellung von Nahrungsmitteln genutzt werden, muss die Verpackung einen entsprechenden Hinweis enthalten. Allerdings sollten die Verbraucher wissen: Belastungen von bis zu 0,9 Prozent gelten als geringe Spuren, die möglicherweise unabsichtlich zustande kamen und deshalb auch nicht kennzeichnungspflichtig sind.  
Werden in der Bundesrepublik andere gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut?
In Deutschland gibt es nach dem Anbau-Stopp für die Kartoffel „Amflora“ keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die EU hat lediglich MON 810 der Firma Monsanto genehmigt, eine Maissorte, die ebenfalls im Labor verändert wurde. Hauptanbaugebiete sind Spanien, Portugal, Rumänien und die Slowakei.  
Die EU-Kommission will offenbar Regionen und Bundesländern die Möglichkeit geben, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, um den Anbau von 1507 zu verbieten oder zu erlauben. Was ist von diesem Schritt zu halten?

Eine solche Ausstiegsklausel haben die Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern bereits eingefordert. Doch sie ist nach Auskunft von EU-Juristen nicht so einfach in die Verordnung zu integrieren. Kritiker weisen daraufhin, dass Insel-Lösungen immer das Problem der gegenseitigen Kontamination mit sich bringen. Kurz: Wenn eine Region die gentechnisch veränderte Maissorte anbaut, ein Nachbar-Land aber nicht, besteht die Gefahr von Verunreinigungen der normalen Maisernte.   

Wie reagiert die Politik?
Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will den Genmais 1507 von deutschen Feldern fernhalten. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte, sie sei als Umweltministerin gegen die Zulassung von Genmais. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte ein nationales Anbauverbot. (ded)
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