Zur Generation Z gehören die ab 1990 Geborenen. Sie wird auch „Generation Youtube“ genannt. Foto: dpa

Immer mehr junge Berufstätige leiden laut dem neuen Gesundheitsreport der Barmer GEK unter Volkskrankheiten. Bei den nach 1990 Geborenen sieht es besser aus – die Generation Z achtet verstärkt auf die eigene Gesundheit. Was sonst macht diese Generation aus?

Stuttgart - Sie ernähren sich gesund, sie schlafen länger, sie trennen Arbeits- und Privatleben: Für manchen könnten die Vertreter der Generation Z durchaus ein Vorbild sein. Das fällt positiv an der Generation Z auf:

Gesundheitsbewusst: Die Vertreter der Generation Z haben ein durchaus positives Verhältnis zur eigenen Gesundheit. Einer Erhebung der Universität des Saarlands zufolge interessieren sich 63 Prozent der Zler für eine gesunde Ernährung, 57 Prozent fürs Selber-Kochen und 66 Prozent für ein generell umweltbewusstes Verhalten. Der Konsum von Alkohol (17 Prozent) und Zigaretten (12 Prozent) spielt keine große Rolle für diese Generation. Die Zler sind lieber aktiv: 82 Prozent der Mädchen und 90 Prozent der Jungen treiben regelmäßig Sport. Aber auch der Schlaf kommt bei dieser Generation nicht zu kurz. Mit durchschnittlich 7,26 Stunden während der Woche und 8,38 Stunden am Wochenende schlafen die Zler mehr als andere Generationen. 53 Prozent halten sogar regelmäßig einen Mittagsschlaf.

Stressresistent: Die Zler gehen anders mit ihrer Zeit um als die Vertreter der Generation Y. Sie wollen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit effektiver nutzen, um so Stress zu reduzieren. Das zeigt sich etwa beim Smartphone-Gebrauch: 91 Prozent greifen zwar täglich mit dem Smartphone auf das Internet zu; trotzdem sind Zler nur bis zu zwei Stunden pro Tag (81 Prozent) in sozialen Netzwerken aktiv. 55 Prozent greifen sogar nur bis zu einer Stunde darauf zu. „Für die Generation Z haben Informationstechnologien und soziale Medien einen funktionalen Wert, der sich auf wenige Grundaspekte beschränkt“, sagt Christian Scholz, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität des Saarlands. Ständig erreichbar zu sein – das stresst die Zler; vor allem, wenn der Chef sich meldet.

Inspirierend: Die Generation Z zeigt wenig Interesse daran, etwas am gesamtgesellschaftlichen Leben zu verändern. Doch ihr eigennütziges Handeln könnte langfristig gesehen sogar mehr bewirken als die Demonstrationen der 68er-Bewegung, sagt Scholz: „Hinter dem Handeln dieser Generation steckt zwar kein gesellschaftspolitischer Entwurf. Doch die auf das Individuum und sein direktes Umfeld ausgerichtete Lebensweise ähnelt einer Graswurzelbewegung. Und diese fängt in der Tat jetzt schon an, langfristig Dinge zu verändern.“ Ein Beispiel: Die Zler kochen gerne selbst. Eine Marktlücke, die mit sogenannten Kochboxen gefüllt wurde. Die Boxen kann man bequem zu sich nach Hause bestellen. Sie enthalten ein Rezept und sämtliche dazugehörigen Zutaten.

Leistungsbereit: Die Vertreter der Generation Z wollen nicht länger im betrieblichen Hamsterrad laufen. „Deshalb trennen sie klar zwischen Arbeitswelt und Privatleben – gehen aber in beidem völlig auf“, sagt Scholz. Der Wirtschaftswissenschaftler hält das für positiv: „Es ist ja nicht erwiesen, dass man produktiver ist, wenn man täglich 16 statt acht Stunden arbeitet. Und es ist auch nicht zwingend förderlich für die Kreativität am Montag, wenn man das ganze Wochenende durcharbeitet.“ Die Generation Z sei aber keine „Null-Bock-Generation“, sagt Scholz. „Die Zler sind leistungsbereit– aber nur dann, wenn es der Job tatsächlich erlaubt, der eigenen Leidenschaft – zumindest etwas – nachzugehen.“ Ihre Leidenschaft zum Beruf machen – das würden am liebsten 82 Prozent der Generation Z.

Die Mankos der Generation Z

Oberflächlich: Schlank, fit, makellos: Das Schönheitsideal, das in Filmen, im Fernsehen und in Magazinen propagiert wird, geht an der Generation Z nicht spurlos vorüber. „Zwei Drittel der Mädchen schauen sich Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ an“, sagt Christian Scholz, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität des Saarlands. Das könne zu Problemen führen. „Wir haben die Tagebucheinträge von Vertreterinnen der Generation Z ausgewertet“, sagt Scholz. „Nach solchen Sendungen schreiben sie nicht selten Sätze wie: Kann ich jemals so schön werden? Oder: Stimmt der Abstand zwischen meinen Oberschenkeln?“ Viele beurteilen den eigenen Körper negativ. Sie zählen bei jedem Essen Kalorien, probieren zahlreiche Diäten aus, entwickeln im Extremfall sogar Essstörungen.

Unflexibel: Ab in die große Welt? Gerne, aber nur vorübergehend. Lange im Ausland arbeiten wollen die wenigsten. Auch sonst zeigen sie sich im Berufsleben eher unflexibel: 71 Prozent sind gegen die Arbeit im Großraumbüro. Permanentes Pendeln lehnen sie ab. Und wenn der potenzielle Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch stolz auf „Vertrauensarbeitszeit“ hinweist, hören die Zler den „Zwang zur Selbstausbeutung“. Nur 15 Prozent wollen flexible Arbeitszeiten. Zu einem Work-Life-Blending, dem Eindringen des Berufs in den Privatbereich, sind die Jüngeren nicht bereit. „Diese Einstellung ist zwar irritierend, aber langfristig für Mitarbeiter und Unternehmen nicht verkehrt“, sagt Scholz.

Unbeteiligt: „Die Generation Z konzentriert sich voll und ganz auf sich selbst“, sagt Scholz. Auf die Straße gehen und demonstrieren? Dafür sind die Zler zu unpolitisch. „Das, was die Generation Z von der Welt erwartet, mag man etwas herablassend mit ‚Pippi-Langstrumpf-Welt‘ umschreiben“, sagt Scholz. „Das kleine Haus, die Sicherheit, die Struktur, die Freunde, die Beschaulichkeit.“ Das Wort „wohlfühlen“ spiele für die Zler eine große Rolle: Wohlfühlen wollen sie sich nicht nur im engeren Umkreis, sondern auch in ihrem Arbeitsleben. Einen sozialpolitischen Auftrag, der Verbesserungen auch für andere soziale Schichten vorsieht, sieht die Generation Z für sich nicht. Die Zler haben Finanz-, Wirtschafts-, Europa- und Klimakrisen erlebt. Sie geben sich keinen gesellschaftspolitischen Illusionen hin.

Bequem: Überanstrengen wollen sich die Zler nicht in ihrem Berufsleben: Gerade einmal zwei Prozent suchen den Leistungsdruck. Ebenfalls nur zwei Prozent erklären sich dazu bereit, regelmäßig Überstunden abzuleisten. Auch übermäßigen Höhenflügen erteilen die Zler eine Absage: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) würde gerne in einem Anstellungsverhältnis arbeiten. Deutlich weniger (39 Prozent) sehen sich selbst künftig als Manager oder Führungskraft. Nur für elf Prozent ist es sehr wichtig, im Sinne eines sozialen Aufstiegs mehr zu erreichen als ihre Eltern. Nach Rampenlicht streben gerade einmal vier Prozent. Einen höheren Stellenwert nimmt für die Zler das Private ein: Für 76 Prozent spielt die Gründung einer Familie eine große Rolle, 82 Prozent wollen Beruf und Familie kombinieren.

Von den Babyboomern zur Generation Z

Die Generation Z

Eine neue Generation grenzt sich – bewusst oder unbewusst – von der vorherigen ab. Auf der Suche nach einem passenden Oberbegriff entwickelten sich einst die Babyboomer, aktuell strebt die Generation Z auf den Arbeitsmarkt. Das Z steht dabei nicht für ein Wort, sondern ist die Fortführung der „Gen Y“. Diese Art der Namensgebung geht auf den Roman „Generation X“ von Douglas Coupland
zurück.

Babyboomer: geboren Anfang der 1950er bis Mitte der 60er Jahre, erste Nachkriegsgeneration, geprägt vom Wirtschaftswunder.

Generation X: geboren zwischen 1965 und 1980, auch als „Generation Golf“ bezeichnet, geprägt von Wirtschaftskrise und aufkommender Scheidungsrate.

Generation Y: geboren zwischen 1980 und 1990, auch „Gen Y“ genannt, geprägt von Internetboom und Globalisierung.

Generation Z: geboren ab Anfang der 90er Jahre, auch „Generation Youtube“ genannt, geprägt von der Digitalisierung.

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