Meist machen die Senioren den ersten Schritt. Foto: Susanne Müller-Baji

Im Luise-Schleppe-Haus in Stammheim wird mit verschiedenen Angeboten das Verständnis zwischen Jung und Alt gefördert.

Stammheim - Auf den Tellern das Frühstück, an den Tischen die ganz Jungen und die Alten: Was früher, als noch drei und vier Generationen unter einem Dach lebten, eine ganz alltägliche Mahlzeit gewesen wäre, ist heutzutage etwas Besonderes. Das monatliche gemeinsame Frühstück im Luise-Schleppe-Haus mit seinen bis zu 90 Teilnehmern hat sogar internationalen Vorbildcharakter. Was vor vier Jahren als Versuch begann, ist längst etabliert unter den Senioren des Pflegeheims und den Kindern der im selben Gebäude untergebrachten Kindertagesstätte.

Am vergangenen Donnerstag ging es vielleicht noch ein bisschen bunter zu als sonst: Es gab ein Geburtstagskind zu feiern, die Tische waren mit Papphütchen geschmückt, und Clown Alexander Korytko, im normalen Leben Betreuungskraft und Pflegehelfer, hatte seinen Auftritt mit Vuvuzela und Gummitretern. „Was ist denn das?“ machte da die zweijährige Lea zwischen zwei Bissen große Augen. Im Grunde war es ein kleiner Vorgeschmack auf den Fasching, den Kita und Pflegeheim ebenfalls in einigen Punkten gemeinsam feiern.

Generationenübergreifende Angebote

Mit seinen generationenübergreifenden Angeboten haben die Stammheimer Einrichtungen Vorbildfunktion: Regelmäßig führe er Besucher durch das Haus, die sich Impulse für ihre eigene Betreuungsarbeit erhoffen, erzählt Pflegeheimleiter Rüdiger Wilhelm. Gerade seien Vertreter der Stuttgarter Partnerstädte zu Gast gewesen: „Aus sechs Ländern, darunter die USA und Russland.“ Ein Bild von der Arbeit im Generationenzentrum machten sich beim jüngsten Frühstück auch Bezirksvorsteherin Susanne Korge und die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Maag.

Kita-Leiter Gerd Steinemann erhofft sich davon Hilfe bei der Finanzierung eines Sonnenschutzes für die Terrasse. Beim Bau des Luise-Schleppe-Hauses habe man aus finanziellen Gründen darauf verzichtet, sagt er. Dadurch sei die Außenfläche im Sommer aber kaum nutzbar. Zwar habe er versucht, den Konzern mit der schwarzen Brause, mit dem man ohnehin einen Liefervertrag hatte, als Sponsoren zu gewinnen. „Aber es ist leider so, dass jede Kneipe kostenlos mit Sonnenschirmen bestückt wird, nur bei uns war nichts zu machen.“ Den Vertrag hat er nun gekündigt.

Jung und Alt gehen vorsichtig miteinander um

Indessen sind zwischen Marmeladenbrötchen und Apfelschnitzen erste zaghafte Annäherungen zu beobachten. Jung und Alt gehen vorsichtig miteinander um, meist machen die Senioren den ersten Schritt. So idyllisch das wirkt, solche generationenübergreifenden Aktionen sind betreuungsintensiv, sagt Steinemann. Grundsätzlich gelte: Wer nicht will, muss nicht mitfrühstücken. Nicht immer passt das Kindergewusele zur Befindlichkeit der Senioren, und manches, was die Kleinen beobachten, sei ihnen etwas unheimlich, erzählt Wilhelm: „Da kommen Fragen auf: Was hat der da für ein Beutel mit gelber Flüssigkeit hängen? Oder: Warum spricht der so komisch?“ Dann müsse man kindgerechte Antworten finden und das Gesehene aufarbeiten.

Neben dem Generationenfrühstück haben sich weitere Angebote bewährt, wie das gemeinsame Malen von Kita-Kindern und dementen Menschen. Neu ist die Bücherstunde, bei dem in Zusammenarbeit mit der Stammheimer Bücherei Kinderbuchklassiker vorgestellt werden. Für die Alten wird das zur nostalgischen Reise in eigene Kindertage, für die Kleinen ist es eine spannende Neuentdeckung. „Wir beobachten, dass sich die ganz Alten und die ganz Jungen wieder ähnlich werden“, sagt Gerd Steinemann. So traurig das ist, bei der richtigen Betreuung ist es auch tröstlich.

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