Auf dem rechten Gleis geht es künftig in den Pfaffensteigtunnel. Foto: Christian Milankovic

Die Arbeiten an dem elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnel können beginnen. Die Liste Engagierter Bürger hat einen Fragenkatalog an die Stadt gesendet. Welche Fragen gibt es?

Spätestens jetzt ist es amtlich: Der Pfaffensteigtunnel darf gebaut werden. Das Eisenbahnbundesamt hat dazu jetzt den Planungsfeststellungsbeschluss erlassen, das ist de facto die Baugenehmigung für den elf Kilometer langen Tunnel. Wenn der Plan eingehalten wird, dann beginnen die ersten Arbeiten dazu bereits jetzt im Februar. Bis 2032 soll der Tunnel fertiggestellt sein.

 

Dazu stellen sich jetzt aber auch die Fragen der Bewohner dringlicher denn je: Wo werden Baustellen eingerichtet? Wie wird der Schutt abtransportiert? Was geschieht mit dem Haus, in dem ich lebe, wenn darunter gebohrt wird irgendwo zwischen 30 und 60 Meter Tiefe?

Die Erde aus den Probebohrungen wird noch weiter untersucht. Foto: Fritzsche

Fragen wie diese und noch einige mehr hat Sabine Onayli, Stadträtin der Liste engagierter Bürger/DiB, auf einer Liste zusammengetragen und an die Stadtverwaltung weitergereicht.

Da heißt es etwa einleitend: „Es gab keine öffentliche Erörterung der Einwände und Stellungnahmen. Was passiert mit diesen, die ja unter anderem auch unsere Stadt abgegeben hat?“ Oder: „Wie sind wir eingebunden in die anstehenden Baumaßnahmen? Welche Belastungen kommen auf die Stadt zu?“. Onayli plädiert auch dafür, Vertreter der Deutschen Bahn einzuladen, um ihre „Planungen und die dazugehörige Vorgehensweise im Rahmen einer öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats darzulegen.“

In dem Fragenkatalog wird es aber auch konkret: „Welche Auswirkungen des Baus sind auf städtische und private Gebäude sowie auf die Infrastruktur theoretisch zu befürchten und wie sichern wir uns als Stadt im Falle von Schaden ab? Wie können wir unsere Bürger in dieser Sache unterstützen?“

Quellendes Gestein kann den Tunnelbau erschweren

Onayli erinnert dabei auch an das Kalkgestein Anhydrit, das nach größeren Erdbewegungen nach Kontakt mit Wasser eine gewaltige Quellkraft entwickelt. Ganz offensichtlich ist das etwa beim Engelberg-Autobahntunnel, der seit seiner Eröffnung quasi eine Dauer-Baustelle ist wegen Anhydrit. Onayli: „Es soll ja auch unter unserem Stadtgebiet Anhydrit geben, aber wohl unterhalb der geplanten Baumaßnahmen. Da frage ich die Verwaltung: Ist das richtig? Was weiß die Stadt über mögliches Anhydrit im Boden unserer Markung?“

Onayli glaubt, dass in der Theorie vieles sehr gut klingt, in der praktischen Umsetzung aber große Probleme bereiten kann. „Die Stadt sollte eben möglichst gut auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, die Bürger sollten möglichst umfassend informiert sein.“

Die Informationsbedürfnisse der Bürger

Nun ist das, was in dieser Planungsfeststellung steht, nicht grundsätzlich neu. 2024 wurde dies beim Eisenbahnbundesamt ausgelegt, auch heute noch kann dies online aufgerufen werden. Da gibt es sehr viele Informationen auf knapp 160 Seiten, die ins Detail gehen. Aber sie sind nicht grundsätzlich auf die Informationsbedürfnisse einzelner Bürger und ihrer Sorgen hin zugeschnitten. Die Bohrungen zu Stuttgart 21 etwa haben gezeigt, dass hier zwar nicht komplette Straßenzüge eingestürzt sind, aber einzelne Häuser hat es schon getroffen.

Die Bahn soll informieren

Deshalb hätte Onayli auch gerne die Bahn als Ansprechpartner vor Ort. Dazu stellt der Projektsprecher der Bahn fest: „Teil des Planfeststellungsverfahrens war die frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. In diesem Rahmen haben wir in den zuständigen Gremien der Anrainerkommunen des Pfaffensteigtunnels das Projekt bereits vorgestellt und Fragen beantwortet.“ Doch dabei soll es nicht bleiben: „Auch während der Bauphase stehen wir den Anrainerkommunen des Pfaffensteigtunnels selbstverständlich für ihre Fragen und Anliegen zur Verfügung.“ Für konkrete Anfragen von Anwohnerinnen und Anwohnern zu Bautätigkeiten in deren näherem Umfeld soll die Stelle einer Bau-Info eingerichtet werden.