Noch herrschen Baumaschinen, im Frühjahr ist die Eröffnung geplant. Foto: Patricia Sigerist

An der Stuttgarter Straße erweitert die Familie Welz ihren Gemüseanbaubetrieb. Dabei setzen sie vor allem auf möglichst hohe Transparenz für ihre Kunden.

Fellbach - Manche Fellbacher erwarteten einen neuen Parkplatz, eine neue Straße oder gar die Arena für ein Open-Air-Festival. Dass der erste Spatenstich zum neuen Betriebsgebäude des Fellbacher Gemüsespezialisten Welz fast mit dem Baubeginn des gegenüber an der Stuttgarter Straße entstehenden U-Turns zusammenfiel, vermehrte die Verwirrung mancher Bürger. Außerdem erledigte mit der Firma Uetz ausgerechnet ein Straßenbauunternehmen die ersten Aufträge. „Da gab es durchaus Verwechslungen“, sagt Dominic Welz, der gerne Auskunft über die tatsächlichen Pläne der Familie gibt.

Der Bau eines hochmodernen Gewächshauses

Im Mitteltrakt entsteht ein Hofladen mit direktem Blick ins Gewächshaus. Foto: Patricia Sigerist
Seit der gelernte Gärtner und diplomierte Gartenbauingenieur vor acht Jahren in die Direktvermarktung eingestiegen ist, hat sich dieses – neben dem Großhandel – zweite Standbein des Unternehmens gut entwickelt. Angefangen beim Verkaufsstand in Tomatenform und später in der Markthalle, wo der 32-Jährige ehrenamtlicher Geschäftsführer ist, „haben wir relativ schnell gesehen, dass die Menschen an regional produzierten Lebensmitteln großes Interesse haben“. Nun soll die Direktvermarktung erweitert, aber auch baulich vom Großhandel getrennt werden. Dazu investiert die Familie Welz am westlichen Stadtrand von Fellbach auf 3500 Quadratmetern immerhin einen einstelligen Millionenbetrag. Mit 2300 Quadratmetern nimmt ein nach den neuesten Erkenntnissen gebautes Gewächshaus den größten Raum ein. Mit einer Firsthöhe von 6,40 Meter haben die Tomatenpflanzen nicht nur genügend Luftraum, um in optimalem Klima zu wachsen. Ihre Früchte wandern etwas nach oben, und die bis zu 40 rumänischen Saisonkräfte müssen den Rücken nicht mehr so krumm machen wie bisher. In dem doppelt verglasten, wärmegedämmten und mit einer Regenwassernutzung versehenen Treibhaus verlängert sich zudem die Wachstumsperiode der kaliumreichen Früchte.

Die Arbeitskräfte wohnen bisher in Häusern der Familie Welz

1200 Quadratmeter sind für die Verwaltung, eine Laderampe, den zum Waschen und Verpacken des Fruchtgemüses dienenden Marktrichtraum sowie ein Demonstrations-Gewächshaus vorgesehen. Letzteres könnte beispielsweise Seminaren Raum bieten. Überragt wird der Neubau von einem separaten, etwa zehn Meter hohen Verkaufsturm, in dem ein kleinerer Marktstand sein Domizil finden wird. Der Turm soll aber auch als markanter Blickfang dienen. Im neuen Hofladen bietet die Familie Welz nicht nur ihre eigenen Tomaten, Gurken, Paprika, Salate, Grünspargel und Beeren an. „Der Kunde will nicht wegen fünf Bananen zum nächsten Markt fahren“, sagt Dominic Welz zur geplanten Sortimentsabrundung. Eine Absage erteilt er dem Gerücht, eine zusätzliche Wohnbebauung sei vorgesehen. Lediglich einige Unterkünfte für Saisonkräfte könnten später noch hinzukommen. Sie wohnen bisher in dem von der Familie Welz erworbenen und renovierten Nachbargebäude, in dem früher ein Gebrauchtwagenhändler residierte.

Die Kunden sollen sehen können, wie gearbeitet wird

In dem neuen Glashaus will das Brüderpaar eine moderne Form transparenter Lebensmittelerzeugung etablieren. „Wir wollen, dass der Kunde jeden Tag in die Produktion sieht“, sagt Dominic Welz. Vom Hofladen bietet sich deswegen nicht nur bei einzelnen Schauterminen, sondern dauerhaft der direkte Blick ins Gewächshaus und auf die dort jahreszeitlich gestaffelt anfallenden Arbeiten. Mehr noch: Sogar das Selberpflücken von Tomaten ist vorgesehen. Trotz aller Neuerungen wachsen bei dem in vierter Generation aktiven Familienbetrieb die bis zu acht Meter langen Nachtschattengewächse noch in Fellbacher Erde und nicht in mit Nährlösung getränkter Steinwolle. Für den 1928 von Richard und Emilie Häfner an der Stuttgarter Straße gegründeten Betrieb ist es nach Jahren der Konzentration auf den Großhandel ein Stück weit die Rückkehr zu den Ursprüngen. „Der Opa hatte einen Stand auf dem StuttgarterWochenmarkt“, sagt Dominic Welz, der mit einer Einweihung im Frühjahr 2017 plant.

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