Ein Verbotsschild bei den Folienhäusern erinnert potenzielle Tomaten-Diebe daran, dass ihr Handeln eine Straftat darstellt. Foto: Otto-H. Häusser

Der Gemüsehof Hörz in Filderstadt Bonlanden beklagt einen Schwund bei seinen Tomaten. Der materielle Verlust ist nicht das, was am meisten schmerzt.

Bonlanden - Weniger Tomaten als üblich gab es in den vergangenen Wochen auf dem Bio-Gemüsehof Hörz in Bonlanden zu ernten. „Unsere Mitarbeiter haben vor allem auf den ersten zehn Metern vom Feldweg aus kaum was mitgebracht“, sagt Inhaberin Beate Hörz und ergänzt: „Die Stöcke dort sind überhaupt nicht krank oder beschädigt. Daher liegt es leider auf der Hand, dass sich Passanten unerlaubt bedient haben.“ Hörz stellte ein Verbotsschild auf und erstattete Anzeige gegen Unbekannt – woraufhin die Polizei zusagte, am frühen Morgen sowie in den späten Abendstunden vermehrt Streife zu fahren.

Hunderte Kilogramm Tomaten gestohlen

Keine Option ist es dagegen laut Hörz, die Folienhäuser, in denen die Tomaten auf dem Gemüsehof wachsen, abzuschließen. „Da wird es im Sommer schnell 60 bis 70 Grad warm, diese Kulturen brauchen aber auch Kühle.“ Das Gelände zu umzäunen, komme ebenfalls nicht infrage: „Das wäre sehr aufwendig und würde uns in der täglichen Erntearbeit mit unseren Fahrzeugen stark behindern“, sagt Hörz, die in diesem Jahr von einem Verlust im dreistelligen Kilogramm-Bereich durch die Tomaten-Diebe ausgeht. „Das hat mit Mundraub rein gar nichts mehr zu tun, das ist Diebstahl.“

Mehr noch als der finanziell-materielle Schaden schmerze aber der Vertrauensbruch. „Es ist einfach nur kränkend, dass manche Menschen die Offenheit hier ausnutzen und sich einfach bedienen.“ Der Gemüsehof Hörz stehe für Transparenz und Offenheit, indem er die Herkunft der Ware nachvollziehbar mache: „Man kann hier der Tomate beim Wachsen zusehen und sie dann zehn Meter nebenan kaufen.“ Dieser Vertrauensvorschuss werde von den Dieben mit Füßen getreten.

Treuer Kundenstamm

Auf eine Sache legt Hörz jedoch besonderen Wert: Es sei nur ein kleiner Prozentsatz, der die Wertschätzung für diese regionale Produktionsweise vermissen lasse. Dem gegenüber stünden etliche treue Käufer: Auf rund 500 Personen pro Woche schätzt Beate Hörz die Zahl der Kunden, die auf dem Gemüsehof in Bonlanden und am Stand auf dem Wochenmarkt in Plattenhardt einkaufen. Rund 1000 weitere Kunden beliefere man mit Gemüse. „Da erfahren wir im täglichen Austausch viel Anerkennung und Dankbarkeit“, sagt Hörz.

Und ein bisschen abgenommen habe der Tomaten-Schwund seit dem Aufstellen des Warnschildes vor einigen Wochen auch: „Uns fehlt jetzt nicht mehr diese große Menge an Tomaten wie noch im Juli.“ Womöglich sei die eine oder andere Person in sich gegangen, vermutet Beate Hörz: „Das wäre ein gutes Signal für die Zukunft.“

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