Das Ringen um die Zukunft Glemstalschule geht weiter. Foto: factum/Granville

Der Wunsch nach einer gymnasialen Oberstufe an der Glemstalschule, einer Gemeinschaftsschule, ist längst zum Politikum geworden. Eine Analyse.

Hemmingen/Schwieberdingen - Die Glemstalschule in Schwieberdingen wäre die einzige Gemeinschaftsschule mit einer gymnasialen Oberstufe im Landkreis, die einzige in der Region Stuttgart, und nach Konstanz und Tübingen die dritte im Land. Der Schulträger, die im Verwaltungsverband zusammengeschlossenen Gemeinden Schwieberdingen und Hemmingen, könnte sich also mit einem Leuchtturmprojekt schmücken. Doch die Reaktionen auf den Wunsch nach einem Ausbau sind verhalten bis ablehnend. Die Gründe sind vielfältig.

CDU, Freie Wähler und FDP im Hemminger Gemeinderat führen vor allem die Kosten als Grund ihrer Ablehnung an. Die anstehende Modernisierung der Glemstalschule würde noch teurer als die berechneten 28 bis 30 Millionen Euro, argumentieren sie: Für die Oberstufe bräuchte man zusätzliche Räume.

Doch was sind Mehrkosten in Höhe von zwei bis drei Millionen für bauliche Änderungen bei diesem ohnehin schon gigantischen Projekt? Diese Argumentation der Hemminger SPD treibt ihren Ratskollegen von der CDU regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht. Man solle das Geld nicht mit vollen Händen ausgeben, wenn man es nicht habe. Die Sozialdemokraten halten den Grund für vorgeschoben, denn die CDU habe die Gemeinschaftsschule in Wirklichkeit nie gewollt.

Stellvertreterstreit im Strohgäu

Spätestens an dieser Stelle wird die Auseinandersetzung, wie sie in Schwieberdingen und vor allem Hemmingen geführt wird, zu einem Stellvertreterstreit. Eigentlich müsste diese Diskussion tatsächlich auf Landesebene geführt werden.

Nachdem die grün-rote Landesregierung die Gemeinschaftsschule 2012 einführte, fühlen sich etliche Schulträger alleingelassen. Etwa bei der Inklusion, um nur ein Beispiel zu nennen. Von der Lehrerversorgung ganz zu schweigen. Im Sommer erst hat die Bildungsgewerkschaft GEW von der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mehr Unterstützung für die Gemeinschaftsschulen eingefordert. Schließlich habe keine weiterführende Schule vergleichbar anspruchsvolle Aufgaben von Inklusion bis Begabtenförderung zu bewältigen. Was das im Schulalltag bedeutet, führt die Leiterin der Glemstalschule, Sandra Vöhringer aus. Ihre Schule war zunächst eine Realschule ehe sie zur Gemeinschaftsschule wurde. Nun sind an ihrer Schule auch jene Kinder, die früher zu den schwächsten Hauptschülern gezählt wurden. Vor allem um ihnen eine Perspektive zu bieten, strebe sie eine Kooperation mit den Berufsschulen auf dem Ludwigsburger Römerhügel an, sagt Vöhringer. „Die Kooperation ist eine wichtige Ergänzung, keine Alternative.“

Sie stellt sich damit gegen den Hemminger Bürgermeister Thomas Schäfer. Er ist Christdemokrat, ebenso wie sein Schwieberdinger Amtskollege Nico Lauxmann. Schäfer hält die gymnasiale Oberstufe der Glemstalschule für lässlich. Nicht so der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat, Wolfgang Stehmer, ein ehemaliger Landespolitiker. Schäfer verweist auf die beruflichen Gymnasien, etwa in Ludwigsburg. Zudem zweifelt er den großen Bedarf an, den Vöhringer und ihr Elternbeirat anführen. Aber selbst wenn er gegeben wäre: Das Angebot auf dem Römerhügel sei vielfältiger als es in einer gymnasialen Oberstufe sein könnte.

60 Schüler sind die Voraussetzung

Dass die ministerielle Voraussetzung für eine gymnasiale Oberstufe erfüllt werden kann, steht für die Elternbeiratsvorsitzenden der Glemstalschule außer Frage. 60 Schüler müssen es sein. Das, so Michaela Nowraty, werde auf jeden Fall erreicht. Sie stützt sich auf entsprechende Aussagen der Schulleitung. Nowraty hält die gymnasiale Oberstufe für unerlässlich. „Die Idee der Gemeinschaftsschule sieht zwingend die Sekundarstufe zwei vor, sodass an einem Standort alle drei Abschlüsse gemacht werden können.“ Zumal Gemeinschaftsschüler in den beruflichen Gymnasien immer in Konkurrenz zu den Realschülern stünden. Dass sie dort aufgenommen würden, sei nicht gesichert. Bleibt den Gemeinschaftsschülern bisher noch der Wechsel auf ein allgemeinbildendes Gymnasium. Im G 8 bedeutet dies automatisch die Wiederholung der zehnten Klasse.

Auch im Kreis Ludwigsburg müsse es gymnasiale Oberstufen geben, fordert Nowraty. Selbst in Ludwigsburg gibt es sie nicht – laut der Verwaltung vor allem aus Kapazitätsgründen. Sie habe daher „eine regionale Klärung“ initiiert. Ausgang offen.

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