Andreas Bauer (47) aus Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) musste eine Krebsdiagnose und andere Rückschläge einstecken. Nun verfolgt er einen ambitionierten Plan.
Die vergangenen Jahre waren für Andreas Bauer nicht leicht. Erst erhielt er die Diagnose Krebs, dann folgten weitere Rückschläge. Doch der 47-Jährige aus Kornwestheim lässt sich davon nicht unterkriegen. Er verfolgt nun einen ambitionierten Plan: Er will mit seinem Hund Rocky in einem Camper reisen, Geld auf Festivals verdienen und sich im Ausland für den Tierschutz engagieren.
Die Pechsträhne begann vor einigen Jahren. Damals hatte sich Bauer nach 20 Jahren im Angestelltenverhältnis gerade selbstständig gemacht. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Koch und einer weiteren zum Groß- und Einzelhandelskaufmann in der Tasche entschied er sich, ein Restaurant mit amerikanischen Gerichten in Stuttgart zu eröffnen. „Das Konzept hat funktioniert“, sagt er. Die Gäste blieben nicht aus. Doch das Schicksal meinte es nicht gut. Noch in demselben Jahr wurde er mit einer überraschenden Diagnose konfrontiert: Hodenkrebs.
Krankheit bringt ihn in finanzielle Probleme
Sein Tumor galt als gut heilbar. Aber die Chemotherapie, die Krankenhausaufenthalte und Arzttermine ließen es nicht mehr zu, das Restaurant weiterzuführen. Schweren Herzens musste er aufgeben. Damals fingen seine finanziellen Probleme an. „Die Krankheit hat ein Loch gerissen“, sagt er.
Dreieinhalb Jahre lang konnte er keiner geregelten Arbeit nachgehen. Nach seiner Genesung wollte Andreas Bauer wieder neuen Fuß fassen. Er fand einen Job im Stromvertrieb. Wieder sah es eine Weile gut aus. „Dann kam Corona“, sagt er. Während der Pandemie musste sein Arbeitgeber die Firma auflösen. Erneut stand der Kornwestheimer ohne festes Einkommen da.
Zwangskündigung wird zum Weckruf
Obwohl er seither immer wieder Aufträge auf Baustellen und im Gartenbau angenommen hat, summieren sich seine Schulden mittlerweile auf etwas mehr als 20.000 Euro. Wegen der finanziellen Schwierigkeiten hat der 47-Jährige im vergangenen Jahr seine Wohnung verloren. Seitdem kommt er bei Freunden und Bekannten unter.
Mittlerweile kann er sich seinen früheren Alltag mit festem Wohnsitz allerdings nicht mehr vorstellen. Die Zwangskündigung sei zwar ein Schock, aber zugleich für ihn ein Weckruf gewesen, sagt er. Denn plötzlich begann Andreas Bauer, sich zu fragen, was in seinem Leben noch möglich wäre. In seinem Kopf wurde ein Wunsch immer konkreter: mit einem Camper von Ort zu Ort ziehen.
„Ich bin schon immer gerne gereist“, sagt der 47-Jährige. Vor seiner Krankheit war er mit Freunden in Tschechien unterwegs. „Damals habe ich meine Liebe zu diesem Land entdeckt“, erklärt er. Die Landschaft gefalle ihm gut. Dort habe er seit dieser Zeit einige Kontakte. Zudem könne man dort recht günstig leben, meint er. Daher soll ihn seine Tour dorthin führen.
Seinen Unterhalt will er von Frühjahr bis Herbst damit verdienen, auf Festivals zu arbeiten. Große Ansprüche habe er nicht. „Ich brauche nicht viel“, sagt er. Außerhalb der Saison, in den kühleren Monaten, möchte Andreas Bauer ehrenamtlich in Tierheimen helfen, sich um Streuner kümmern und den Tierschutz unterstützen.
Begleiten wird ihn sein 13 Jahre alter Chihuahua Rocky. Der Hund wurde als junges Tier aus schlechter Haltung gerettet. Seine frühere Besitzerin musste ihn wegen eines Umzugs abgeben. Zufällig kam der Hund somit vor zwei Jahren zu Andreas Bauer. Für den 47-Jährigen ist sein tierischer Begleiter zu einem treuen Gefährten in schwierigen Zeiten geworden. „Er hat mir neue Kraft gegeben“, betont er.
In den vergangenen Wochen und Monaten hat Andreas Bauer sein Vorhaben bereits etwas vorbereitet. Er hat etwas Geld beiseitegelegt und Material für den Ausbau des Campers gesammelt. Ein Freund stellt ihm seine Werkstatt für den Umbau und die Vorbereitungen zur Verfügung. Doch an einer Sache scheitert die Umsetzung bisher: Das Fahrzeug selbst fehlt noch.
Es gibt keinen Plan B
Rund 10.000 Euro benötigt der 47-Jährige für einen gebrauchten Mercedes-Sprinter. Eine Summe, die Andreas Bauer nicht hat. Daher läuft derzeit ein Crowdfunding, eine Sammelaktion über die digitale Plattform Gofundme. Sobald er unterwegs ist, möchte er seine Unterstützer mit Fotos und Videos auf dem Laufenden halten. Auch für Sachspenden und hilfreiche Tipps wäre er dankbar, betont der Kornwestheimer. Er ist per E-Mail unter der Adresse a.bauer.stg@icloud.com zu erreichen.
Eigentlich wollte er bereits Anfang Mai mit dem Camper auf Achse sein. Die Festivalsaison startet nämlich in wenigen Wochen. Das wird knapp, räumt er ein. Sollte nicht genügend Geld zusammenkommen, will Bauer zunächst mit dem Zug reisen. Auf Dauer wird das mit Hund und Gepäck aber bestimmt anstrengend, schätzt er. An seinem Traum von einem Camper will er daher unbedingt festhalten. Einen Plan B gebe es nicht: „Ich meine es ernst.“