Ein Überblick über die Ergebnisse: Bei den Gemeinderatswahlen im Kreis Böblingen müssen vor allem die Grünen Mandate abgeben, die CDU gewinnt. Die AfD sitzt nun in fünf Lokalparlamenten.
Was sich bei der Europawahl angedeutet hat, setzte sich bei der Gemeinderatswahl im Kreis Böblingen tendenziell fort. Das bürgerlich-konservative Lager erstarkt, die Grünen können das hohe Niveau der vorherigen Wahl nicht halten, die AfD kommt auf.
In Böblingen holten sich die Rechtspopulisten der „Alternative für Deutschland“ sogar vier Sitze. Dabei sind die neu gewählten AfD-Stadträte bislang kaum in Erscheinung getreten – auch nicht beim Thema Windkraft, das die Stadtgesellschaft zuletzt polarisiert hat. Die „Bürger für Böblingen“ hatten hier eine klare Windpark-Antihaltung an den Tag gelegt und haben nun drei Mandate. Auch in Schönaich, Renningen und Leonberg sitzen nun AfD-Vertreter im Gremium, in Sindelfingen neuerdings drei anstatt bislang einem. Nur in Herrenberg erwies sich die Ein-Mann-Liste als personell zu schwach, um einen Sitz zu bekommen.
„Bündnis für Vielfalt“ jetzt mit Sitz in Sindelfingen
In Sindelfingen war das neue „Bündnis für Vielfalt“ mit fast ausschließlich türkischstämmigen Kandidatinnen und Kandidaten angetreten und hat nun ein Mandat ergattert. Fast wäre das auch der „Perspektive“-Liste in Herrenberg geglückt. Dafür behielt die Frauenliste dort ihre drei Sitze und bleibt eine stabile Kraft im Gemeinderat.
Die Grünen mussten an den meisten Orten Federn lassen – wobei die Ergebnisse vor fünf Jahren auch überdurchschnittlich hoch gewesen waren. In der Regel gab die Ökopartei nun einen Sitz an die Freien Wähler oder die CDU ab, so zum Beispiel in Gärtringen, Ehningen oder Holzgerlingen. Auf der anderen Seite traten die Grünen erstmals in Nufringen an, schafften den Einzug und stibitzten wiederum den Bürgerlichen die Sitze.
SPD kann sich in wenigen Gemeinden behaupten
Auch die Sozialdemokraten müssen kämpfen. Bei der Europawahl kam die SPD im Kreis Böblingen auf gerade einmal 11,6 Prozent – ein unterirdisches Ergebnis. Auch bei der Gemeinderatswahl hatten die SPD-Kandidaten mancherorts nichts zu lachen. In Aidlingen, Gärtringen oder Grafenau reichte es nur für ein einstelliges Ergebnis. In Weil im Schönbuch war wegen Überalterung und mangels Kandidaten nicht einmal eine SPD-Liste zustande gekommen. Andernorts haben die Sozialdemokraten vor Ort noch Gewicht und können sich behaupten – zum Beispiel in Schönaich mit 19,6 Prozent und vier Sitzen. In Böblingen behält die SPD ihre fünf Mandate. Und in Ehningen können sich die Sozialdemokraten sogar über einen prozentualen Zuwachs freuen – nicht zuletzt dank des Mercedes-Betriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali, der als bekanntes Gesicht sicher für etwas Schub gesorgt hat.
Beim Auszählen war Hildrizhausen am Montag besonders schnell – um 11.50 stand das Ergebnis der Kreistagswahl fest, um 13.45 Uhr das der Gemeinderatswahl. Kein Wunder, treten doch in der 3600-Einwohner-Gemeinde nur zwei Listen an: Diesmal mussten die Freien Wähler (jetzt noch sieben Sitze) der CDU (jetzt fünf) einen Sitz abgeben. Noch einfacher haben es sich die Deckenpfronner gemacht. Aus den beiden parteiunabhängigen Listen wurde diesmal einfach eine: Prompt holte „Gemeinsam für Deckenpfronn“ 99,9 Prozent der Stimmen.