Im Rathaus debattieren künftig dieselben fünf Fraktionen wie bisher. Foto: Simon Granville

In Remseck sind Linus Trinkner (16) und Johanna Gebbert (17) in den Gemeinderat gewählt worden. Die Grünen verlieren zwei Sitze an die FW und die CDU.

Nach vielen Jahren haben in Remseck zwei Gemeinderatsfraktionen wieder eine gemeinsame Mehrheit. Die Freien Wähler und die CDU kommen zusammen auf knapp 55  Prozent. Ob das die Entscheidungen verändern wird, ist aber fraglich: Die FW-Räte votieren oft nicht einheitlich. Beide Fraktionen sind die Wahlgewinner – sie holen je einen zusätzlichen Sitz. Von den 26  besetzen die FW künftig acht, die CDU sechs.

 

„Wir freuen uns sehr und haben das einer starken Liste zu verdanken“, sagt Isabel Eisterhues, FW-Fraktionsvorsitzende. In ihren Reihen hatte man zwar gehofft, einen weiteren Platz zu ergattern. „Wir hatten aber erst 2019 unser stärkstes Ergebnis eingefahren. Deshalb sind wir umso mehr erfreut darüber, dass wir dieses noch steigern konnten.“ Von 26,2 ging es auf 30,2  Prozent.

Zum Erfolg trägt neben Stimmenkönig Jens Kadenbach (7718 Stimmen) Steve Lappe-Steiner bei. Der Selbstständige im Bereich Gartenbau holt auf Anhieb mehr als 5000 Stimmen, das drittbeste Ergebnis in der Fraktion. Auch Adrian Wibel ist neu, ebenso Franziska Plessing. Ihr Vater Rainer Plessing war nicht mehr angetreten. Die Wiederwahl verpasste Thomas Buhl. „Das ist schade. Er ist Haushaltsprofi, da geht viel Expertise verloren“, sagt Eisterhues.

FDP und SPD können ihre Sitzanzahl halten

Nachdem man vor fünf Jahren wegen der „Inkompetenz der Bundes-CDU“ gelitten hatte, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Steffen Kirsch, ist er diesmal „insgesamt sehr zufrieden“. Weil die Bundes-CDU besser arbeite und man als Fraktion in den vergangenen fünf Jahren gute Arbeit geleistet habe. „Wir sind jetzt wieder in einem Bereich, in dem wir uns auch selbst sehen“, sagt Kirsch. 24,5  Prozent stimmten für die Christdemokraten, vor fünf Jahren waren es 18,4.

Nach 15 Jahren als jüngster CDU-Stadtrat wird Kirsch vom 34-jährigen Lehrer Paul Eißele abgelöst. Ebenso neu ist mit Gerhard Leitenberger (66) der Vorsitzende des TSV  Neckargröningen. Karin Gebauer-Pavokovic scheidet aus, sie war vor zwei Jahren nachgerückt. Kirsch bedauert „dies sehr“. Derweil freut er sich darüber, dass viele Mitstreiter wiedergewählt wurden. „Wir haben über die Fraktionsgrenzen hinweg gut zusammengearbeitet und geschlossen Flagge gezeigt, auch gegenüber der Stadtverwaltung. Ich hoffe, es geht so weiter.“

Traditionell stark schneidet in Remseck die FDP ab, die ihre vier Sitze verteidigt, obwohl die Bundespartei abschmiert. „Sensationell“, sagt der Fraktionsvorsitzende Gustav Bohnert beim ersten Blick aufs Ergebnis. Unter diesen Umständen, „ohne Rückenwind der Bundes-FDP“, sei er zufrieden „und stolz auf uns als Liste“. Ziel sei gewesen, die vier Sitze zu halten, wofür man einen intensiven Wahlkampf mit 30  Veranstaltungen gefahren hatte. Neue Stadträtin ist Erika Schellmann, die seit 15 Jahren dem Kreistag angehört und erstmals für den Gemeinderat kandidierte, da sie bislang für die Stadt gearbeitet hatte. „Sie ist Erzieherin und Sozialexpertin“, sagt Bohnert erfreut. Wiedergewählt wurde Armando Mora Estrada, der vor fünf Jahren mit 20 Lenzen jüngstes Ratsmitglied der Stadtgeschichte war. Reiner Münster scheidet hingegen aus. „Da geht Kompetenz im Bereich Handwerk und Klimatechnik verloren“, bedauert Gustav Bohnert dies.

Die zwei Sitze, die die Freien Wähler und die CDU gewinnen, gehen den Grünen verloren. Sie sind nur noch zu viert. Wie im bundesweiten Trend geht es von 22,7 auf 16,9 Prozent runter. „Wir sind natürlich enttäuscht“, sagt der Fraktionsvorsitzende Karl Burgmaier. Aufgrund des Europawahl-Ergebnisses war es für ihn aber keine Überraschung. „In Remseck wählten viele AfD. Dass die im Gemeinderat nicht die Grünen wählen, war klar.“ Einen Achtungserfolg landete Kathrin Stumm mit auf Anhieb 4700 Stimmen. Neu ist die erst 17-jährige Abiturientin Johanna Gebbert. Keine Stadträte mehr sind Manfred Kuch und Harald Röhrig, die nachgerückt waren. Jennifer Kuch und der parteilose frühere Grünen-Stadtrat Patrick Wagner traten nicht mehr an.

Linus Trinkner ist neues jüngstes Ratsmitglied

Wie FDP und Grüne erhält die SPD vier Sitze. Sie verteidigte diese trotz der schwierigen Lage auf Bundesebene und obwohl die Fraktionsvorsitzende Angelika Feurer und Achim Dürr nicht mehr antraten. Dafür schaffen Judith Raupp und der Schülersprecher des Lise-Meitner-Gymnasiums, Linus Trinkner, den Einzug. Er ist mit 16 Jahren das jüngste Ratsmitglied der Stadtgeschichte.

Die Gewählten

FW: Jens Kadenbach, Isabel Eisterhues, Steve Lappe-Steiner, Thomas Leutenecker, Adrian Wibel, Franziska Plessing, Peter Großmann, Marc Allmendinger. CDU: Steffen Kirsch, Nikolaus Wachter, Petra Mugele, Thomas Schulz, Paul Eißele, Gerhard Leitenberger. Grüne: Kathrin Stumm, Karl Burgmaier, Stefan Lempp, Johanna Gebbert. FDP: Armando Mora Estrada, Gustav Bohnert, Kai Buschmann, Erika Schellmann. SPD: Colin Sauerzapf, Judith Raupp, Kurt Goldmann, Linus Trinkner.