Die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung diktieren sich die Stimmenzahlen. Foto: Ulrich Stolte

Weniger grün, weniger weiblich, mehr bürgerlich: Im Herrenberger Gemeinderat gibt es eine neue Mehrheit. Die Freien Wähler legen zu, die CDU gewinnt aber mehr. Die Grünen verlieren, feiern aber trotzdem.

Die Freien Wähler sind mit neun Sitzen jetzt die stärkste Fraktion im Herrenberger Gemeinderat geworden. Doch der heimliche Wahlsieger ist die CDU. Sie konnte ihr Ergebnis gegenüber dem Jahr 2019 auf drei Sitze verbessern und hat jetzt acht Mandatsträger im Gemeinderat versammelt. Die Grünen verlieren zwei Sitze und haben sechs, die SPD hat einen Sitz verloren und hält vier Sitze inne. Stimmenkönig ist Thomas Deines von den Freien Wählern mit 9975 Stimmen.

 

Die Freien Wähler verzeichnen das zweitbeste Ergebnis in ihrer Geschichte und stellten zur Feier Bierbänke in die Tübinger Straße: „Wir hatten eine super Truppe“, sagte Thomas Deines, „der Wahlkampf hat echt Spaß gemacht“. Er begründet den Wahlerfolg mit der klaren Haltung für die Renovierung des Fruchtkastens, für die Windkraft und für Herrenberg-Süd.

Die Grünen feiern trotzdem

Im Klosterhof versammelten sich die Grünen: „Wir feiern, weil wir trotz des großen Gegenwinds, den wir überall bekommen, noch ein gutes Ergebnis erzielten“, sagte die Fraktionsvorsitzende Heike Voelker. Bodo Philipsen, Chef der SPD im Rat, wurde deutlicher: „Das Ergebnis ist brutal, und wir haben es nicht verdient. Es ist frustrierend, dass der schlechte Europawahlkampf der SPD unser Ergebnis beeinflusst hat.“

Dabei hatte es sich schon in der Europawahl und der Regionalversammlung angekündigt, dass die Trends diesmal etwas anders ausfallen würden als bei der Wahl 2019. Damals war der Gemeinderat grüner und weiblicher geworden: Jetzt ist er weniger grün, weniger weiblich und mehr bürgerlich: Nur noch elf Frauen sind in den Rat gekommen, bisher waren es 13. Die Stadträte von Freien Wählern, CDU und FDP stellen mit insgesamt 19 Stadträten die Mehrheit im Herrenberger Rat mit seinen 32 Sitzen.

Kurzzeitig sah es so aus, als würde auch die Liste Perspektive einen Sitz im Herrenberger Rat erringen. Die Liste will den Migranten in der Stadt eine Stimme geben und ihre Anliegen sichtbar machen. Ihre zentralen Forderungen sind mehr Jugendräume, mehr Parkplätze und mehr Kita-Plätze, berichtet Ismail Yavuzcan von der Perspektive.

Eine große Zählgemeinschaft im Rathaus

Um das Votum vom Wahlsonntag zu ermitteln, haben sich in Herrenberg alle städtischen Ämter in eine einzige Zählgemeinschaft verwandelt. Sogar die Presseabteilung wurde ins Homeoffice geschickt, damit Platz war, um die Urnen für den Kreistag, den Gemeinderat und die Ortschaftsräte auszuleeren und die Stimmen zu zählen. Die Kopierer liefen im Dauerbetrieb, aus den Zimmern hörte man die Mitarbeiter leise Zahlenkolonnen aufsagen und mit Blättern rascheln.

Nur wenige Stunden Schlaf war der Wahlbeauftragen Miriam Köllner vergönnt. Nachdem sie am Wahlsonntag um 23.30 Uhr ins Bett gekommen war, musste sie am Montag um 6.30 Uhr wieder vor ihrem Computer im alten Herrenberger Oberamt sitzen und die Wahlergebnisse prüfen. Fragt man sie und die Ordnungsamtsleiterin Sandra Böhme nach besonderen Ereignissen, dann sagen sie einhellig: „Die Technik hat funktioniert.“ Damit konnten sie und die 335 Wahlhelfer das Votum der rund 25 000 Wahlberechtigten ermitteln.

Am Freitag wird’s amtlich

Das Ende der Zählung wurde gegen 18 Uhr erwartet, doch schon gegen 17 Uhr waren 38 von 39 Bezirken ausgezählt. Um 17.09 Uhr dann tönte Jubel durch die Zimmer „Gemeinderat ist fertig!“. Am Donnerstag wird dann der Wahlausschuss zusammentreten, und am Freitag wird das Ergebnis dann amtlich.

Gemeinderat Herrenberg

Wahlberechtigte: 25 098

Wahlbeteiligung:
 64,4 Prozent

Stimmverteilung:
 FW 26,3 %, CDU 23,9 %, Grüne 18,7 %, SPD 13,9 %, Frauenliste 8,6 %, FDP 5,9 %

Sitzverteilung
 (in Klammern Sitze von 2019): FW 9 (8), CDU 8 (5), Grüne 6 (8),SPD 4 (5), Frauenliste 3 (3), FDP 2 (2).

Gewählt wurden: FW: Thomas Deines, Achim Gack,Rainer Kegreiß, Claudia Däuble, Ina Bühler, Andreas Feil, Wolfgang Graf-Götz, Martina Harmsen, Klaus Büchner CDU: Markus Speer, Albrecht Stickel, Dieter Haarer, Ludwig Epple, Tobias Pfander, Roland Maier, Stefan Brenner,Gabriele Hüttenberger Grüne: Heike Voelker, Alfred Steinki, Fynn Rubehn, Lea Wehe, Moritz Schuker, Songülü Karaçali SPD: Bodo Philipsen, Stefan Halanke, Sarah Holczer, Petra Menzel Frauenliste: Maria Pauline Rist-Nowak, Eva Schäfer-Weber, Sabrina Kohler FDP: Wilhelm Bührer, Siegfried Dierberger