Ruhe und Sorgfalt sind Pflicht beim Auszählen. Foto: Langner

Viele neue Gesichter und ein konservatives Übergewicht zeichnen den neuen Gemeinderat aus. Die Christdemokraten sichern sich acht von 21 Sitzen. Auch die Freien Wähler können Punkten. Grüne und SPD werden dagegen abgestraft.

Kurz vor 18 Uhr am Montagabend sind in Aidlingen noch immer erst sechs von acht Bezirken ausgezählt. Laut Hauptamtsleiter Timo Koch fehlen zu diesem Zeitpunkt noch die Stimmen aus Deufringen und die Briefwahl. „Da fällt der Anteil sehr hoch aus“, kommentiert Koch die rund 30 Prozent aller Wahlberechtigten, die ihre Stimme nicht vor Ort an der Wahlurne abgegeben haben. Überhaupt lag die Wahlbeteiligung mit 70,62 Prozent noch einmal fast drei Prozentpunkte über dem Wert der Wahlen von 2019. „Das hat sich am Sonntag abgezeichnet, da war hier die Hölle los“, berichtet Ordnungsamtsleiter Felix Kübler von einer langen Nacht im Rathaus.

 

In Aidlingen gibt es derzeit offenbar einige Themen, die die Bürger umtreiben – darunter die Unterbringung von Geflüchteten und hohe Abwassergebühren. Die mutmaßliche Wählerunzufriedenheit bekommen am meisten die Grünen zu spüren. Diese hatten vor fünf Jahren mit 22,75 Prozent der Stimmen und fünf Sitzen ein Spitzenergebnis erzielt.

Gegen 18 Uhr hofft Elke Anders, die Sprecherin des Aidlinger Grünen-Ortsvereins, zwar noch, dass vielleicht doch noch vier Sitze für ihre Fraktion herausspringen. Als gegen 19 Uhr das vorläufige Endergebnis vorliegt, ist aber klar, dass mit 15,55 Prozent der Stimmen neben ihr lediglich Siegmund Zweigart und und der Neuzugang Michael Kelz die Grünen-Fraktion stellen werden – und das, obwohl mit Ausgleichsmandaten die Sitzzahl von 18 auf 21 Sitze aufgestockt wurde. „Das tut echt weh“, sagt Elke Anders. Sie meint, dass die Grünen im Ort selbst eigentlich wohlgelitten seien. „Ich glaube, dass wir für die Bundespolitik abgestraft werden“, mutmaßt sie deshalb. Und dann sei da natürlich noch das Flüchtlingsthema im Ort.

Wo es Verlierer gibt, da gibt es auch Gewinner. In erster Linie ist dies die CDU, die mit 38,3 Prozent der Stimmen so stark ist wie seit 2014 nicht mehr. Stimmenkönig ist – wie zuletzt bei jeder Wahl in Aidlingen – Thomas Rott. Den Fraktionschef, stellvertretenden Bürgermeister und Kreisrat wählten 4097 Wahlberechtigte in den Aidlinger Gemeinderat. „Wir haben einfach eine relativ starke Liste mit vielen Namen, die im Ort bekannt sind und in die die Leute Vertrauen haben“, interpretiert er das Ergebnis, mit dem es die CDU auf acht Sitze und damit auf einen mehr als bisher bringt. Neu dabei sind Malte Schaub, Katja Feiner und Rotts Tochter Lisa.

Sehr zufrieden zeigt sich auch Gisela Grammerstorff: „Ich freue mich besonders über die vielen neuen Gesichter“, sagt die Ortsvereinchefin der Freien Wähler, nachdem klar ist, dass mit Anja Pfann, Timo Breitling und Hans Jekel drei neue Mitglieder zu der nun fünfköpfigen Fraktion um Jutta Kühnle und Ralf Beicht dazukommen.

Die SPD-Liste war mit nur vier Personen schwach besetzt. Achim Haustein ist künftig als Sozialdemokrat allein im Ratssaal. Die Freien stellen künftig mit Janik Breitling ein zusätzliches Mitglied, bei der FDP bleibt Daniel Schmidt einziger Vertreter seiner Partei im Gremium, allerdings bildet er seit 2019 mit den Freien eine Fraktionsgemeinschaft.

Auf den neuen Rat kommen schon bald einige Umbrüche und Herausforderungen zu. Zum einen steht im Herbst die Wahl einer neuen Rathausspitze an – Bürgermeister Ekkehard Fauth tritt nicht mehr an. Zum anderen scheint sich zumindest in Teilen der Bevölkerung Unmut zu regen. Darauf deuten jedenfalls eine laut Hauptamtsleiter Koch in mindestens zwei Wahlzetteln beigelegte Schmähschrift inklusive „Kotz-Emoji“ hin.

Darin ätzt ein anonymer Personenkreis über die „unfähige Abzockergemeinde“, die ihre Bürger bei Abwasser und Grundsteuern ausnehme und ihr Geld für „Kindergärten und illegale Eindringlinge“ verpulvere. Die restliche Nachricht klingt wie eine Drohung: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“

Gemeinderat Aidlingen

Wahlberechtigte: 7234

Wahlbeteiligung:
 66,26 Prozent

Stimmverteilung:
 CDU 38,30 %, FW 21,57 %, Grüne 15,55 %, Die Freien 12,65 %, FDP 6,31 %, SPD 5,61 %.

Sitzverteilung
 (in Klammern Sitze von 2019): CDU 8 (7), FW 5 (6), Grüne 3 (5), Die Freien 3 (2), FDP 1 (1), SPD 1 (2).

Gewählt wurden: CDU:
Thomas Rott, Malte Schaub, Edgar Benz, Lisa Rott, Christian Walz, Andreas Bauer, Rainer Rentschler, Katja Feiner FW:
Hans Jekel, Jutta Kühnle, Anja Pfann, Timo Breitling, Ralf Beicht Grüne:
Siegmund Zweigart, Elke Anders, Michael Kelz Die Freien:
Matthias Harr, Eberhard Breitling, Jannik Breitling FDP:
Daniel Schmidt SPD:
Achim Haustein