Die Auszähler standen vor allem angesichts der vielen Briefwähler unter Druck. Foto: Julian Rettig

Der Auszählmarathon in den 31 Kommunen des Rems-Murr-Kreises ist beendet. Was beim Blick auf die Ergebnisse aufgefallen ist.

Für Hermann Beutel war die Wartezeit nach der Wahl kein Problem: Schon am späteren Montagnachmittag konnte sich der CDU-Fraktionschef im Schorndorfer Gemeinderat sicher sein, auch im neuen Gremium mit Sitz und Stimme vertreten zu sein. Nach der Auszählung von 31 der insgesamt 37 Wahlbezirke hatte der Landwirt aus dem Ortsteil Schornbach schon mehr als 9000 Stimmen auf seinem persönlichen Konto – und wegen des deutlichen Vorsprungs nicht nur den Platz im Stadtparlament, sondern auch den inoffiziellen Titel des Stimmenkönigs sicher.

Geduldsprobe in Schorndorf Für zahlreiche andere Kandidatinnen und Kandidaten in der Daimlerstadt allerdings wurde der Tag nach der Wahl zu einer Geduldsprobe. Ob es gereicht hat mit dem erhofften Sprung in den Gemeinderat war für wackelnde Bewerber über Stunden hinweg nicht klar. Am frühen Abend um 17.53 Uhr waren gerade mal 31 von 37 Wahlbezirken ausgezählt. Dieser Stand hielt sich bis am Dienstag in der Früh. Erst um 9.30 Uhr war das Schorndorfer Wahlergebnis komplett – und fällt bei der Sitzverteilung durchaus noch ein wenig anders aus als die zuerst ins Netz gestellte Variante.

Später Zugewinn für die SPD Während die Schorndorfer AfD noch einen Sitz verloren hat und im neu gewählten Gremium auf vier statt auf fünf Vertreter kommt, kann sich die SPD über einen späten Zugewinn freuen: Sie kommt nach der Auszählung aller Wahlzettel auf sieben Sitze – und hält exakt den Stand der Kommunalwahl vor fünf Jahren. Ansonsten dürfen FDP-FW und die Grünen jeweils fünf Stadträte stellen, für die neue Liste „Bürgerstimme Schorndorf (BSS) zieht Matthias Nothdurft als Einzelstadtrat ins Gremium ein.

Es hakt im Briefwahlbezirk Weshalb es bei der Auszählung zu sechs Nachzüglern kam, liegt für die Schorndorfer Stadtverwaltung auf der Hand. Bei den verspäteten Wahllokalen handelt es sich laut Rathaussprecher Dominique Wehrle samt und sonders um Briefwahlbezirke – und da gab es wegen der umfangreichen Resonanz auf das Angebot besonders viel zu zählen. „Wir hatten aber auch von vornherein erst am Dienstagvormittag mit einem Ergebnis gerechnet“, stellt Wehrle klar. Vor fünf Jahren hatte es wegen hoher Wahlbeteiligung und vieler Rechenfehler sogar bis Mittwoch gedauert, bis das Resultat der Wahl feststand. So gesehen können sich die Kandidaten nach der Zitterpartie um den Einzug ins Gremium glücklich schätzen. Und Hermann Beutel ist Stimmenkönig geblieben.

Neue Vielfalt in Kernen In Kernen ist der FDP-Landesparlamentarier Jochen Haußmann auf Anhieb Stimmenkönig der Gemeinderatswahl geworden. Mit 5510 Stimmen liegt er gut 1100 Voten vor den heißesten Verfolgern Andreas Wersch und Helmut Heissenberger (beide CDU) und holte fast 30 Prozent der Stimmen, die für die FDP abgegeben wurden. Seine erstmals eigenständig angetretene FDP-Liste eroberte mit 12,8 Prozent der Stimmen drei der 22 Sitze. Auch sonst wird das Gremium in Kernen künftig deutlich bunter. Mit je einem Vertreter sind das von den Parteifreien Bürgern abgespaltene Bündnis Zukunft gestalten (BZG), die PFB und die neu gegründete OLK (Offene Liste Kernen) dabei. Wahlsieger CDU hat sechs Sitze, UFW vier und die OGL wie die FDP drei Mandate.

Geringe Wahlbeteiligung in Murrhardt Die Wahlbeteiligung in Murrhardt war mit 55,2 Prozent auffallend gering – ein neuer Gemeinderat hat sich aus den 5788 gültigen Wahlzetteln freilich trotzdem ergeben: CDU/FWV (34,8 Prozent) und die Unabhängige Liste (33,6) haben jeweils sechs Sitze, die Liste MDAL/Die Grünen behalten mit 19,4 Prozent vier Mandate. Die SPD muss bei 12,2 Prozent einen Sitz an die UL abgeben und hat künftig nur noch zwei.

Ein weiterer Pirat entert den Rat In Welzheim hat die Freie Wählervereinigung mit 27,2 Prozent zwar wieder sechs Sitze, ebenso die CDU (25,5), die sich um ein Mandat verbesserte. Die Welzheimer Besonderheit ist allerdings eine ganz andere. Pirat Phillip Köngeter ist Stimmenkönig und hat mit 5382 Stimmen den meisten Zuspruch der Wähler erhalten. Mit ihm entern noch zwei weitere Piraten bei einem Ergebnis von 12,8 Prozent den Gemeinderat, einer mehr als zuvor. Das Welzheimer Bürgerforum (23,5) muss einen Sitz abgeben und hat nur noch fünf, die SPD (11,0) verliert einen Sitz und hat künftig noch zwei.

Fast absolute Mehrheit für Freie Bürger In Korb haben die Freien Bürger (FB) im neuen Gemeinderat die Hälfte aller Sitze inne. Sie haben ihren Stimmenanteil um fast zehn Punkte auf nunmehr 39,1 Prozent gesteigert. Sie stellen mit Ronald Petermann und seinen gut 5200 Stimmen zudem den Stimmenkönig. Auch die CDU hat einen Sitz dazu gewonnen und stellt jetzt sechs der 18 Korber Gemeinderäte. Zwei Sitze bleiben für die Grünen, die um gut acht Prozentpunkte abrutschten. Mit einstelligem Ergebnis reicht es für die SPD nur für ein Mandat.