Teilnehmer der Protestaktion „MJA Unkürzbar“ machen nach der Sommerpause wieder auf sich aufmerksam. Foto: Anna-Sophie Kächele

Am Donnerstag versammeln sich Jugendliche und die linke Szene, um für den Erhalt der mobilen Jugendarbeit zu demonstrieren. Ein Wortbeitrag von OB Matthias Knecht ist nicht erwünscht.

Am Donnerstagnachmittag hielten sich bei anhaltendem Regen nur diejenigen länger draußen auf, die mussten – oder lautstark auf etwas aufmerksam machen wollten. Auf dem Rathausplatz vor dem Eingang des Kulturzentrums hatten sich etwas mehr als 30 Menschen mit Bannern und einem kleinen Pavillon versammelt. „MJA Unkürzbar“, rief die Gruppe immer wieder. Zwei Jugendliche sprachen gemeinsam in ein Mikrofon. „Du hast bei der Mobilen Jugendarbeit alles, was du brauchst, und das soll dir genommen werden“, sagten sie.

 

Der Fortbestand der Mobilen Jugendarbeit in Ludwigsburg ist unsicher. Der Landkreis will das Angebot nicht länger bezahlen – die Stadt soll einspringen. Doch der fehlt es an Geld. Zusätzliche 250.000 Euro sind in der jetzigen finanziellen Lage kaum vorstellbar. Später an diesem Tag wurde das dritte Sparpaket innerhalb eines Jahres vom Gemeinderat beschlossen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jugendliche und die linke Szene für den Erhalt der Jugendarbeit demonstrieren. Dieses Mal nutzten sie ganz bewusst den Weg, direkt vor der Gemeinderatssitzung auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. „Wir wollen den Stadträten vor Augen führen, wer die Leute sind, die zur MJA kommen – das ist vielen nicht klar“, sagte Mika Schaaf, Sprecher der Kampagne. Für die meisten von ihnen gebe es in diesem System keinen Platz, sagte er vor den Teilnehmern. „Das ist nicht Schicksal, das ist gemacht von Politikern wie Merz und Knecht.“

Gemeinderat verhandelt im Herbst

Letzterer kam gemeinsam mit der Sozialbürgermeisterin Renate Schmetz kurz vor 17 Uhr vor dem Kulturzentrum an. Knecht wechselte ein paar Worte mit einer Teilnehmerin der Protestaktion und bot an, vor der Gruppe zu sprechen. Das wurde jedoch abgelehnt. Der OB habe ausreichend Möglichkeiten, sich zu diesem oder anderen Themen zu äußern – diese Bühne brauche er nicht auch noch, so Schaaf. „Die Stadt will und braucht die mobile Jugendarbeit weiterhin, aber in welcher Form, das wird im Sozialausschuss in Ruhe beraten“, sagte Knecht gegenüber der Presse.

Die Kürzungen am Projekt habe nicht die Stadt, sondern der Landkreis vorgenommen, so Schmetz. „Wir können das nicht eins zu eins übernehmen und müssen das Angebot anpassen.“ In den letzten Wochen haben die Stadtspitze, die Presse und die Stadträte mehrere offene Briefe von Jugendlichen erreicht, die schildern, wie die MJA sie vor Kriminalität, Perspektivlosigkeit und Einsamkeit bewahrt hat. Der Streit über die Fortführung des Angebots ist noch nicht vorbei.