Seit der Wiedereröffnung vor einem Monat, läuft das Reichenbacher Freibad im Zwei-Schicht-Betrieb. Foto: /Roberto Bulgrin

Wer bei schönem Wetter ins Freibad im Grünen will, hat ab Freitag pro Schicht etwas länger Zeit. Das hat der Gemeinderat in Reichenbach beschlossen. Außerdem wird aufgrund von Vandalismus der Parkautomat am P+R-Parkplatz Bruckwasen abgebaut.

Reichenbach - Nichts für Warmduscher sind die Änderungen im Freibad im Grünen. Zwar werden die Schichten etwas ausgeweitet, aber warm duschen müssen die Besucher nach wie vor zu Hause. „Wir könnten aufgrund der Abstandsregeln höchstens zwei Duschen öffnen und dann würde sich davor ein Pulk von Leuten bilden“, sagte Bürgermeister Bernhard Richter. Dort müsse dann jemand den Abstand kontrollieren. Ärger sei quasi vorprogrammiert. „Es ist also besser, wenn wir die Duschen erst einmal zu lassen.“

Seit einem Monat hat das Schwimmbad nun schon unter Corona-Bedingungen geöffnet. „Wir waren die Ersten, alle haben uns mit Argusaugen beobachtet“, sagte Richter in der jüngsten Sitzung des Reichenbacher Gemeinderates. Der Schwimmbetrieb in zwei Schichten habe bisher super funktioniert. „Wir peilen jetzt schon die erste 10 000 bei der Besucherzahl an“, sagte er. „Die, die ins Bad kommen, sind dankbar, dass überhaupt geöffnet ist.“ Bei maximal 630 Menschen auf der Liegewiese, habe man immer genügend Platz. Und im Wasser habe sich das Abstandhalten nach und nach besser eingespielt.

Schwimmen bis 19.15 Uhr

Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Wochen hat sich die Verwaltung nun entschlossen, die Schwimm-Schichten wieder etwas auszuweiten. Die Gemeinderäte sprachen sich einstimmig dafür aus. Morgens ist ab Freitag eine halbe Stunde mehr Zeit, am Nachmittag kann eine Stunde länger geschwommen werden. Die Zeiten seit Freitag: 8.30 Uhr bis 13 Uhr und 14.30 bis 19.30 Uhr. Um 19.15 Uhr muss der Letzte aus dem Wasser sein. Eine weitere Änderung betrifft die Online-Buchung. Es ist jetzt nicht mehr möglich, sich eine halbe Stunde vor Ende einer Schwimm-Schicht für diese anzumelden. Hier hatte es wohl Unmutsäußerungen gegeben, weil Besucher sich aus Versehen angemeldet hatten.

Claudia Buchta (Grüne) begrüßte, dass die Öffnungszeiten etwas ausgeweitet werden. Bereits in ihrer Haushaltsrede hätte die Fraktion Anfang des Jahres eine längere Öffnung des Freibades gefordert. „Das waren noch ganz andere Voraussetzungen“, sagte sie. Gerade deshalb schätze sie es sehr, dass die Forderung nun unter Pandemie-Bedingungen etwas gebracht habe.

Parkster-App löst Automaten ab

Warum nachmittags eine und vormittags nur eine halbe Stunde zu den Schichten hinzugefügt werde, wollte Andreas Löffler (CDU) wissen. Richter begründete das mit der Zeit, die die Reinigung und Desinfektion zwischen den Schichten in Anspruch nimmt. Diese könne nicht verkürzt werden, darum könne man mit der frühen Schicht nicht in den Mittags-Block hineingehen. Und noch früher morgens sollten die Reiniger auch nicht anfangen müssen, fügte Kämmerer Wolfgang Steiger hinzu.

Doch nicht nur beim Schwimmen gibt es Änderungen. Für die Tiefgarage Zentrum und den Park-and-Ride-Parkplatz Bruckwasen gelten ab Montag, 20. Juli, neue Benutzungsordnungen. Hintergrund ist zum einen die kürzliche Einführung der Parkster-App in Reichenbach. Zum anderen geht es um den Vandalismus, der immer wieder am Parkautomaten an der Anlage Bruckwasen verübt wird. Zuletzt sei der Automat 2014 nach einer erheblichen Beschädigung komplett erneuert worden. Im Frühjahr sei dann der Münzeinwurf herausgerissen worden. Die Reparatur würde mindestens 1000 Euro kosten, so Richter. Grund genug, dem Gemeinderat einen Vorschlag zu unterbreiten: der Automat wird nicht erneuert, sondern verschwindet. Bezahlt wird dann in Zukunft nur noch über die Parkster-App. Bisher hätten ohnehin wenige Nutzer Tageskarten gelöst. Die meisten Parker haben Monats- oder Halbjahresausweise. Diese können auch weiterhin bei der Kämmerei ausgegeben werden.

Zielgruppen im Auge behalten

Anders verhält es sich bei der Tiefgarage Zentrum. Hier sollen vorerst auch in Zukunft Tickets am Parkautomaten gelöst werden können. Allerdings gibt es dort nur noch einen Automaten, nicht mehr zwei. Auch hier ist die Nutzung der Parkster-App möglich und empfohlen. Ist der Automat defekt, darf fortan nicht mehr mit Parkscheibe geparkt werden. In diesem Fall kann über die App ein Parkschein gelöst werden. Wer ohne Ticket parkt oder nur die Parkscheibe verwendet, zahlt in Zukunft 20 Euro.

Die Gemeinderäte taten sich mit den vorgeschlagenen Änderungen zunächst teilweise schwer. „Unerwartet lange“ habe zum Beispiel die SPD-Fraktion im Vorfeld darüber beraten, sagte Rudi Munz. Der Zug der Zeit gehe zur Nutzung von Apps und die Parkster-App sei auch für „Nicht-Technik-Freaks“ gut zu bewältigen. Aber: „Was ist mit denen, die kein Smartphone haben“, fragte Munz. Er wies darauf hin, dass man zwischen Kurzzeitparkplätzen wie an der Stuttgarter Straße oder der Hauptstraße und Tagesparkern wie an der Fils unterscheiden müsse. Bei den Kurzzeitparkplätzen solle man die Zweigleisigkeit – also die parallele Nutzung von Automat und App – so lange wie möglich beibehalten. Das sei so auch geplant, beschwichtigte Richter. Dabei gehe es um die unterschiedlichen Zielgruppen der Parkplätze. In der Hauptstraße parkten oft auch ältere Menschen auf dem Weg zum Arzt. Da könne man nicht davon ausgehen, dass diese ein Smartphone haben. Aber an der Straße gebe es auch keinen Vandalismus am Automaten. „Bei den Autofahrern, die ein Park-and-Ride-Ticket haben, ist die Versorgung mit Smartphones geschätzt bei 99 Prozent. Das eine Prozent sind Verweigerer“, sagte er. Man müsse sich fragen, ob das die ständigen hohen Reparaturkosten für einen Parkautomaten rechtfertige.

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