Kaum war Baubürgermeister Frank Otte (rechts) verabschiedet, gab’s Streit im Gemeinderat um die Wiederbesetzung der Stelle. Foto: Norbert J. Leven

Nach der Verabschiedung von Bürgermeister Frank Otte gibt es Streit um die Wiederbesetzung. Die FDP/LE-Bürger-Fraktion stimmt gegen die Ausschreibung.

Leinfelden-Echterdingen - Während im Foyer der Echterdinger Zehntscheuer die Abschiedsfeier für den Ersten Baubürgermeister Frank Otte noch angedauert hat, sorgte die FDP-/LE-Bürger-Fraktion bei einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung eine Etage höher im Bürgersaal dafür, dass die Laune von Oberbürgermeister Roland Klenk immer weiter in den Keller ging.

Doch der Reihe nach: Bei der Verabschiedung von Bürgermeister Frank Otte, der vom nächsten Montag an als Stadtbaurat in Osnabrück arbeiten wird, gab es am Dienstag keine Misstöne, sondern neben launigen Worten vom OB, von Stadtrat Eberhard Wächter und Werner Kaiser für die Belegschaft im Technischen Rathaus vor allem Lob und Anerkennung. In fast sieben Jahren in Leinfelden-Echterdingen habe Otte Spuren hinterlassen, „die seine Handschrift erkennen lassen“, sagte Klenk. Stellvertretend nannte der OB unter anderem das Echterdinger Carré: „Das hilft Echterdingen und der ganzen Stadt.“

Zum Abschied eine Pudelmütze

Nicht nur Anspielungen auf Ottes norddeutsche Herkunft sorgten für zahlreiche Lacher im schwäbisch dominierten Publikum, auch die Abschiedsgeschenke. Der OB übergab einen Faller-Bausatz, aus dem der Architekt Otte in stiller Stunde die Mäulesmühle im Kleinformat nachbauen kann. Und die von der Belegschaft überreichte handgestrickte Pudelmütze in den L.-E.-Stadtfarben gelb und blau unterzog Otte gleich einem Funktionstest.

In der Sondersitzung des Gemeinderats, anberaumt, um die Regularien für die Wiederbesetzung der Bürgermeisterstelle festzulegen, war dann allerdings Schluss mit lustig. „Wir nehmen uns die Chance, die Organisation der Verwaltungsspitze neu auszurichten“, sagte Wolfgang Haug. Er begründete die Ablehnung der FDP-/LE-Bürger auch mit einem Hinweis auf „Vorgänge, die die Effizienz beeinträchtigt haben“. „Es stört uns, dass wir einfach so weitermachen wie bisher“, schob Fraktionskollege Jürgen Kemmner nach. Und Judith Skudelny präzisierte, an was sich die Fraktion störe: „Wir haben keine Analyse betrieben, woher der Sand im Getriebe kommt“.

Ironische Anmerkung

Die Wahrnehmung der FDP-/LE-Bürger wurde jedoch von keiner anderen Fraktion geteilt. „Im Gemeinderat hat es auch schon oft geknirscht, aber deshalb hat noch niemand die Abschaffung des Gemeinderats gefordert“, sagte SPD-Fraktionschef Erich Klauser genervt. Ingrid Grischtschenko reagierte mit einer ironischen Anmerkung: Sie werde sich nur dann an der Debatte beteiligen, wenn Haug seine Bedenken erneut mit der Forderung nach dem Bau eines zentralen Rathauses verbinde.

Hans Huber, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, blieb ernst, wollte aber nicht tiefer in die Diskussion einsteigen: „Wir sollten es bei zwei Beigeordneten belassen.“ Der gleichen Meinung war Harry Sandlaß (CDU). Er holte aber zu einer Begründung aus und verwies auf schlechte Erfahrungen, die man vor rund 20 Jahren gemacht habe: „Außer Schwierigkeiten haben wir uns mit dem Verzicht auf die Dezernatsleitung durch einen Beigeordneten nichts eingehandelt.“

„Strukturfragen nur vorgeschoben“

OB Klenk, der sich zunächst „nicht an der Diskussion beteiligen“ wollte, war dann aber offenbar so stark über die FDP-/LE-Bürger verärgert, dass er mit deutlichen Worten zurückkeilte: „Sie tun so, als würde die Stadtverwaltung seit Jahren schlecht arbeiten“. Es gebe „klare Argumente, warum wir einen dritten Bürgermeister brauchen“, sagte Klenk. Die Strukturfragen seien seiner Ansicht nach „nur vorgeschoben“. Haugs Fraktion habe auch sehr spät reagiert: „Seit Februar ist bekannt, dass Herr Otte wechseln wird und Sie haben die ganze Zeit keinen Antrag zu Stande gebracht“, kritisierte Klenk – ein vernichtendes Zeugnis für das Urgestein der Liberalen und seine Fraktion.

Auf eine weitere Aufarbeitung verzichteten die Stadträte schließlich und beschlossen bei vier Gegenstimmen der FDP-/LE-Bürger die Ausschreibung der Beigeordnetenstelle noch in dieser Woche. Die Kosten dafür liegen bei rund 15 000 Euro. Die Wahl des oder der neuen Beigeordneten soll am 8. Oktober erfolgen. Das Vorschlagsrecht haben die Freien Wähler.

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