Anders als in der Moschee ist im islamischen Religionsunterricht Deutsch die Unterrichtssprache. Foto: factum/Bach

An zwei Göppinger Schulen gibt es vom kommenden Schuljahr an islamische Religionslehre. Nur die CDU tut sich schwer mit der Einführung des Faches. Aber was haben die Kreuzzüge damit zu tun?

Göppingen - Die Bodenfeld-Grundschule und die Hermann-Hesse-Realschule in Göppingen werden vom kommenden Schuljahr an islamischen Religionsunterricht anbieten. Der Gemeinderat hat dem entsprechenden Antrag der Schulen jetzt mit großer Mehrheit zugestimmt. Lediglich die CDU tat sich schwer mit dem neuen Unterrichtsfach, das die eigene Landespartei, als sie vor acht Jahren noch selbst an der Macht war, als zehnjährigen Modellversuch eingeführt hat. Nach dem Willen der grün-roten Landesregierung soll er nach 2018 als ordentliches Lehrfach weiter geführt werden.

Fragen aus der CDU

Der CDU-Fraktionschef Felix Gerber stellte eine Menge Fragen in den Raum: Tragen die Lehrerinnen Kopftuch? Werden sie von Kindern aus konservativen Elternhäusern überhaupt respektiert, wenn sie keines tragen? Wie kann die innerislamische Kluft zwischen Sunniten und Schiiten überwunden werden?

Gökcen Tamer-Uzun, die an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg islamische Religionslehrer ausbildet, erklärte, der islamische Religionsunterricht sei auch eine Chance für den innerislamischen Dialog. Viele Muslime erlebten die Einführung als Wertschätzung. Vor allem aber könne er eine Brücke sein zwischen den Parallelwelten, in denen sich viele Schüler bewegten: der staatlichen Schule und einer oft konservativen Moscheegemeinde.

Nein wegen Kreuzzügen

Kopfschütteln erntete der CDU-Stadtrat Wolfgang Mayer. „Das ist ja alles schön und gut“, sagte er. Allerdings habe er vor 30 Jahren dienstlich einen straffälligen Mann in die Türkei zurückbegleiten müssen, der ihm erklärt habe, dass die Moslems den Christen die Kreuzzüge nie vergeben würden. Deshalb könne er dem Antrag der Schulen nicht zustimmen. „Ich verstehe nicht, wie man sein Abstimmungsverhalten von einem einzigen Menschen abhängig machen kann, der einem vor 30 Jahren etwas über Kreuzzüge erzählt, die 800 Jahre zurückliegen“, sagte der Grünen-Stadtrat Alex Maier. Sogar ein Teil der CDU-Fraktion hatte mit Mayers Wortmeldung Probleme. Klaus Fischer, Franziska Spießhofer und Volker Allmendinger stimmten für den Islamunterricht. Weitere vier Räte enthielten sich.

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