Am Stil des Schreibens von Theaterhaus-Chef Schretzmeier gibt es Kritik. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Insolvenzwarnung des Theaterhauses in Form eines Brandbriefes war deutlich. Der Stil sorgt im Gemeinderat für Unverständnis.

Stuttgart - Mehrere Fraktionen haben am Mittwoch im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates den Stil eines Brandbriefes zur finanziellen Schieflage desTheaterhauseskritisiert. Der Theaterhaus-Vereinsvorsitzende Joachim Bark und Geschäftsführer Werner Schretzmeier hatten die Fraktionen informiert, dass dem Kulturtempel auf dem Pragsattel 600 000 Euro fehlten, und Stadt und Land um einen entsprechenden Zuschuss gebeten. Ansonsten drohe die Insolvenz.

Die Schwierigkeiten, so Jürgen Sauer (CDU), „hätten auch im Beirat besprochen werden können“. Im Brief war die Absage eines Sponsors kritisiert worden. Diese „schrille Begleitmusik“ sei ein „Schlag in die Magengrube der Sponsoren“, sagte Sauer. „Ein Unternehmen öffentlich derart anzugehen ist unter aller Kanone“, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Die Stadt könne Sponsoren nicht einfach ersetzen. Der Absprung von Sponsoren sei ein „übliches Risiko“, sagte Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke-plus), der aber die Bereitschaft zur finanziellen Hilfe genauso unterstrich wie Andreas Winter von den Grünen. „Wir waren geschockt über den Brief und darüber, dass die Stadt drei Wochen zuvor schon ein Schreiben des Theaterhauses hatte, aber nicht reagiert hat“, sagte SPD-Fraktionsvize Hans H. Pfeifer. Den Stil des Schreibens nannte Pfeifer „taktisch außerordentlich unklug“. Die SPD hatte den Brief zum Thema des Ausschusses gemacht. Man bedauere, dass das Theaterhaus selbst keinen einzigen Einsparvorschlag gemacht habe, so Pfeifer.

Dem Eindruck, die Stadtverwaltung habe nicht reagiert, trat Kulturbürgermeister Fabian Mayer entgegen. Drei Tage nach dem Eingang des Briefes habe man um Unterlagen zur Finanzsituation gebeten und erfahren, dass es diese noch nicht gebe. Um eine Entscheidungsgrundlage zu haben, hätten Stadt und Land den vorläufigen Jahresabschluss 2018 und den Liquiditätsstatus angefordert, so Mayer. Im April sollen die Zahlen vorliegen. Mayer: „Erst dann können wir die Schieflage und den Finanzbedarf bewerten.“

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