Ein Konsortium wollte mehrere Gemeinden im Kreis Ludwigsburg mit schnellem Internet versorgen. Bis heute wurden aber keine Anschlüsse verlegt. Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung.
Der Zweckverband Kreisbreitband Ludwigsburg hat zuletzt jubiliert. Die Ziele für den Glasfaserausbau seien sogar übertroffen worden, hieß es in einer Meldung vom Dezember. Mehr als 60 Prozent der Haushalte im Landkreis seien mittlerweile ans ultraschnelle Netz angeschlossen. Die Zielmarke fürs Jahr 2025 hatte eigentlich bei 50 Prozent gelegen. Kein Wort wird in dem Bericht allerdings darüber verloren, dass es insbesondere in vier Kommunen im Landkreis in puncto Ausbau gewaltig knirscht: in Marbach-Rielingshausen, Erdmannhausen, Löchgau und Freudental.
Ursprünglich hatte die Deutsche Giga Access (DGA) in den Ortschaften den Internet-Turbo zünden wollen. In Rielingshausen waren sogar schon die Bagger zum Spatenstich angerückt. Es wurden aber nur ein paar Meter gegraben, ehe sich die Bautrupps Knall auf Fall wieder verabschiedeten. Die vier Kommunen stiegen in der Folge aus den Verträgen mit der DGA aus.
Anschließend zog die GVG Glasfaser, die mit der DGA in puncto Vermarktung bei dem Projekt kooperiert hatte, mit der UGG einen neuen Hoffnungsträger an Land. Bei der UGG handelt es sich um ein Konsortium aus zwei Konzernen von Weltrang: der Allianz und der Telefonica. Voraussichtlich werde der Ausbau unter der Regie der UGG im Frühjahr 2025 starten, hieß es im Herbst 2024.
Kommunen hängen in der Luft
Mehr als ein Jahr später hat sich aber immer noch nichts getan. Die Euphorie um den neuen Partner ist längst verflogen und einer Mischung aus Enttäuschung und Verärgerung gewichen. „Das Thema ist aus unserer Sicht sehr unbefriedigend“, konstatierte der Marbacher Bürgermeister Jan Trost unlängst im Gemeinderat. Man hänge in der Luft. „Wir sind davon ausgegangen, dass da relativ schnell Klarheit herrscht, ob die Firma UGG ausbaut. Aktueller Sachstand ist aber, dass es unklar ist, ob die UGG 2026 in Rielingshausen ausbaut.“
Allzu lange wird die UGG die betroffenen Kommunen aber wohl nicht mehr zappeln lassen. „Mit einem endgültigen Stand der Ausbauplanungen und einer Entscheidung der Geschäftsführung rechnet UGG nun fest im ersten Quartal 2026“, erklärt Pressesprecher Jens Lauser. Unter anderem die aktuelle Lage am Tiefbau- und Glasfasermarkt ließen im Moment „leider noch keine finale Entscheidung zu, welche Projekte, aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen, wann im Jahr 2026 umgesetzt werden können.“ Die Vorvermarktungsquote spiele bei den Überlegungen indes keine Rolle, betont Lauser.
Genau das wäre ein Pfund gewesen, mit dem zum Beispiel Rielingshausen nach Ansicht des Marbacher Bürgermeisters hätte wuchern können. Die Vorvermarktungsquote habe im Stadtteil bei über 60 Prozent gelegen, was ein sehr guter Wert sei, hatte Jan Trost im Gemeinderat erklärt.
Das Problem ist, dass auch die Telekom nicht in die Bresche springen wird. Der Telekommunikationskonzern habe signalisiert, das Ausbautempo reduzieren zu wollen, sagte Trost. Löchgau, Freudental, Erdmannhausen und Rielingshausen würden also „sicher nicht ersatzweise von der Telekom ausgebaut werden können“.
Kein Anrecht auf Ausbau
Es gebe mit der UGG auch keine Verträge zur Umsetzung, auf die man pochen könnte, ergänzt der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler. „Wir haben da keine Handhabe“, sagt er.
Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung. Kohler würde sich wünschen, dass das Pendel bei der UGG am Ende in Richtung eines Ausbaus ausschlägt oder sich die GVG in der Lage fühlt, das Ruder zu übernehmen. „Wir wären auf jeden Fall froh, wenn es jemand machen würde“, sagt er. Denn als kleine Gemeinde mit vergleichsweise wenig potenziellen Abnehmern stehe man im freien Markt nicht ganz oben auf der To-do-Liste der einschlägigen Unternehmen.