Hommage an Susann Maier: Madeleine Linden (links) und Kirsten Büscher haben die Retrospektive zusammengestellt Foto:  

Mit einem Fest und einer Retrospektive erinnert die Himmelfahrtsgemeinde an die im Sommer verstorbene Kirchengemeinderätin, Kunstvereins-Aktivistin und eben auch Künstlerin Susann Maier.

Schönberg - Es war das zweite Gemeindefest der Schönberger Himmelfahrtskirche zum Erntedank, und es war – in Form einer Vernissage - die Hommage an die im Sommer verstorbene Kirchengemeinderätin, Kunstvereins-Aktivistin und eben auch Künstlerin Susann Maier. Dass die unermüdliche Organisatorin und Anregerin auch eine professionell ausgebildete Fotografin war, wussten nicht alle im Umfeld von Kunstkreis und Kirchengemeinde.

Kunstspaziergang auf das kommende Frühjahr aufgeschoben

Ursprünglich sollte das Gemeindefest wieder mit den Nachbarn von der Degerlocher Versöhnungskirche veranstaltet werden. Die gemeinsame Aktion dazu, ein Kunstspaziergang durch den Wald zwischen den beiden Kirchen, hatte sich nicht mehr rechtzeitig verwirklichen lassen. Angesichts des gestrigen Wetters wird es kein Schaden sein, wenn er nun auf das kommende Frühjahr aufgeschoben wird.

Ideen wie diese hatte Susi Maier zuhauf, und nicht erst seit sie 2008 die Initiative ergriff, um den auch altershalber eingeschlafenen Kunstkreis zum 50-Jahr-Jubiläum der Himmelfahrtskirche als Kunstverein Schönberg wieder auferstehen zu lassen. Das alte Kupferblech vom renovierten Dach der Kirche sollte Thema für die vielen örtlichen Künstler sein, um mit dem Verkaufserlös der Arbeiten einen Neustart zu wagen. Es wurde ein voller Erfolg.

Zweitägige Gruppenausstellung war der Höhepunkt

Seither gab es im Gemeindesaal wieder Ausstellungen, aber auch Lesungen mit Musik und Kunst sonntags beim Kulturcafé, Workshops von Schnecken-Tonkunst über Filzen bis hin zu japanischer Tuschemalerei mit Holde Wössner, dazu gemeinsame Fahrten zu Ausstellungen etwa zu Niki de Saint Phalle nach Schwäbisch Hall. Höhepunkte waren sicher das Event einer zweitägigen Gruppenausstellung in einem Abbruchhaus am Steinpilzweg und die nachfolgende Werkschau „Neuland“. Diese Kulturarbeit versucht nun vor allem Kirsten Büscher im Sinne von Susi Maier weiterzuführen.

Gemeinsam mit der Schönberger Medien-Künstlerin Madeleine Linden hat sie aus dem Nachlass von Susi Maier strenge frühe Fotoarbeiten in analogem Schwarzweiß und farbige Photoshop-Collagen, die im letzten Lebensjahr entstanden sind, zu einer Retrospektive zusammengestellt. Die frühen Arbeiten, darunter ihre Diplomarbeit „Beim Frühstück beobachtet“, zeigen den Humor der in Berlin ausgebildeten Fotografin ebenso wie ihren dokumentarischen Blick auf Lebenswelten oder ihr Gespür für reduziertes grafisches Ebenmaß und die schlichte Schönheit der Dinge. Licht- und Schattenspiel zweier Sektgläser versieht Susi Maier auf den zweiten Blick mit einer Pointe.

Künstlerische Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod

Die letzten Collage-Arbeiten der 1960 geborenen Fotografin haben die Kuratorinnen auch in ihren Elementen darzustellen versucht: Da ist eine zerbrechende Kugel aus einer Weitwinkel-Stadtansicht, in deren Riss sich einmal feurig leuchtende Szenen eines Fests finden, entstanden wohl auf dem Abi-Ball der Tochter, ein anderes Mal eine Strandszene. Die berstende Kugel schwebt über einem Meer der Ruhe, einem stillen Küstenbild. Eine sich in der Ferne verlierende Allee, Augen, eine Uhr, ein Selbstbild als Fotografierende, wieder Wasser und Wolken, die Krakelzeichnung einer Nachdenklichen und viele andere Symbole mehr stehen für Susi Maiers künstlerische Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod.

Diese viel mehr berührenden als bedrückenden Bilder strahlen bei aller Angst und Trauer auch Zuversicht, Hoffnung und Dankbarkeit aus. Insofern passte das auch zum gleichzeitigen Erntedank, den die Gemeinde mit einem mitgebrachten Potluck-Büfett rund um einen großen Topf herbstlicher Kürbissuppe feierte.

Die Fotografien als Hommage an Susi Maier und ihr Wirken in der Gemeinde sollen bis zum Beginn des kommenden Jahres im Saal unter der Himmelfahrtskirche zu sehen sein.

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