Im Jägerhaus in Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) ist seit drei Jahren die Küche kalt. Die Kommune hat das Lokal gekauft und sucht nun einen Pächter – hat aber auch einen Plan B.
Die eine oder andere kleinere Problemstelle wie ein defektes WC müsste zunächst beseitigt werden. Davon abgesehen könnte im Jägerhaus in Mundelsheim nach inzwischen rund drei Jahren Pause aber ziemlich rasch der Ofen wieder angeschmissen werden. Tische, Theke, Stühle und Küche: am Grundgerüst hat sichtlich der Zahn der Zeit genagt, es scheint aber soweit alles intakt zu sein. „Man kann theoretisch anfangen“, sagt der Bürgermeister Boris Seitz. Praktisch ist es jedoch noch ungewiss, ob in dem Lokal gegenüber vom Rathaus die Lichter jemals wieder angehen. Denn dafür bräuchte die Gemeinde erst einen Pächter.
Aktuell ist das Lokal ausgeschrieben. Bis zum Freitag, 29. Mai, können Interessenten ihren Hut in den Ring werfen. „Wir haben schon Bewerber und sind optimistisch“, betont der Rathauschef. Nach Ablauf der Frist werde man sich mit den Aspiranten zusammensetzen und schauen, ob man handelseinig wird oder nicht.
Mehr als 40 Jahre lang hat das Konzept funktioniert
Klar ist im Grunde schon jetzt, dass die Kommune den potenziellen Pächtern keine lange Wunschliste erfüllen kann. „Wir werden hier vermutlich keine 500.000 Euro investieren“, stellt Seitz klar. Das Notwendigste werde die Gemeinde richten lassen, für mehr fehle aktuell das Geld. Bringe jemand die Gaststätte zum Brummen, könne man in zwei, drei Jahren neu verhandeln.
Das bedeutet aber auch, dass sich die neuen Betreiber mit einem durchaus rustikalen Charme anfreunden müssten. Allerdings müsse das kein Hinderungsgrund für eine florierende Gaststätte sein, betont der Bürgermeister. „Es hat vorher so auch funktioniert“, erklärt er und erinnert daran, dass das Lokal unter der Regie der früheren Besitzer mehr als 40 Jahre eine beliebte Anlaufstelle für viele Mundelsheimer gewesen sei.
„Das war ein Treffpunkt über die Generationen hinweg. Das Publikum war von 16 bis 80.“
Boris Seitz, Bürgermeister von Mundelsheim
In der Pizzeria sei man beispielsweise nach Fußball- und Handballspielen eingekehrt. „Das war ein Treffpunkt über die Generationen hinweg. Das Publikum war von 16 bis 80“, sagt Seitz. Das Jägerhaus sei vielleicht kein schickes Restaurant gewesen, man habe aber mit der Familie dort gut essen können. Die Betreiber hätten altershalber Schluss machen und sich auch von der Immobilie samt Wohnung über dem Lokal trennen wollen.
Und so kam es, dass die Gemeinde unter die Gaststätten-Eigentümer gegangen ist. Er als Bürgermeister und die Gemeinderäte hätten stets versichert, die Gastronomie unterstützen zu wollen, sagt Seitz. Vor 15 Jahren seien noch zehn Wirtschaften in Mundelsheim angesiedelt gewesen. Seitdem sei die Gastro-Landschaft immer weiter ausgedünnt. Diesem Trend habe man gegensteuern wollen. Mit dem Kauf des Gebäudes sollten den Worten gewissermaßen Taten folgen.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das finanzielle Risiko überschaubar war. Für 119.000 Euro habe man das Anwesen gekauft und dafür sogar einen Zuschuss von 60 Prozent im Rahmen der Ortskernsanierung kassiert, berichtet Seitz. 47.600 Euro habe man letztlich selbst aufbringen müssen. „Das war ein Argument, das es dem Gemeinderat leichter gemacht hat. Zünglein an der Waage war aber, dass wir uns direkt neben dem Gebäude in der Lange Straße 1 befinden“, erklärt Seitz.
Die Lage des Gebäudes spielt beim Kauf auch eine Rolle
Das von Seitz angesprochene Nachbarhaus ist ein imposantes Anwesen, das sich die Kommune vor einigen Jahren ebenfalls gesichert hatte. Da sich nun beide Grundstücke in ihrem Eigentum befinden, hat sie perspektivisch viel Beinfreiheit bei einer möglichen Neugestaltung des gesamten Areals. Zumal die ehemalige Pizzeria nicht unter Denkmalschutz steht, folglich auch abgerissen und komplett neu überplant werden könnte. „Das wäre der Plan B“, sagt Seitz.
Für die geschützte frühere Küferei in der Lange Gasse 1 schwebt der Gemeinde eine öffentliche Nutzung vor. Man suche gerade Büros, die erste Entwürfe präsentieren sollen, sagt Seitz. „Wir haben ganz viele Ideen. Aber das müssen wir konkretisieren“, erklärt er. Ein Traum sei beispielsweise, eine Art Markthalle mit Bäcker, Metzger und Co. zu entwickeln. Aber das sei unrealistisch. Andere Vorschläge reichten vom Thema Wohnen bis zu einem Rathausgebäude. Eine weitere Gastwirtschaft werde ebenfalls gewünscht. „Das ist auf jeden Fall ein wunderschönes Gebäude mit einem riesigen Gewölbekeller, in den man eine wunderbare Weinstube reinmachen könnte“, sagt Seitz.
Die Inschriftentafel steht unter Schutz
Und ergänzend wäre es eben möglich, die Fläche des Jägerhauses passend dazu zu bespielen – von dem lediglich die Inschriftentafel aus dem Jahr 1631 gesichert werden und erhalten bleiben müsste. Doch das ist nur ein Hintertürchen. Am liebsten würde die Gemeinde dort die Gaststätten-Tradition fortsetzen. Damit man bald wieder nach Fußball- oder Handballspielen auf einen Sieg anstoßen oder eine Niederlage in Gesellschaft besser verdauen kann.