Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer schwört die Gemeinde auf harte Zeiten ein. Foto: Simon Granville

Die Kasse ist leer, die Gemeinde kämpft: Hemmingen darf zunächst bis März nur noch das Nötigste ausgeben. Die Bevölkerung muss sich auf schmerzhafte Einschnitte einstellen.

Nach der Großen Kreisstadt Ditzingen hat jetzt auch die Gemeinde Hemmingen eine Haushaltssperre verhängt. Laut dem Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) gilt sie zunächst bis März des kommenden Jahres, bis der neue Haushalt verabschiedet ist. Die Gemeinde darf so lange nur noch Geld für Dinge ausgeben, zu denen sie vertraglich oder rechtlich verpflichtet ist. „Es sieht echt düster aus. Alles Schöne wird eingedampft“, sagt der Rathauschef. Würde man kaufmännisch rechnen, „wären wir im nächsten Jahr insolvent, weil wir den laufenden Betrieb nicht mehr bewerkstelligen können“.

 

Schulden wachsen – 20 Millionen Rücklage sind aufgebraucht

Für 2026 ist ein Minus von elf bis zwölf Millionen Euro prognostiziert, für die Folgejahre ein Defizit von fünf bis sechs Millionen Euro. Dieses Jahr beträgt es wohl 6,7 Millionen Euro. Die Rücklage, die bis vor zwei Jahren noch bei 20 Millionen Euro lag, wird im Laufe des Jahres 2026 aufgebraucht sein. Schäfer sagt, nun müsse die Gemeinde mit der Kommunalaufsicht, dem Ludwigsburger Landratsamt, ins Gespräch gehen, um zu klären, wie sich der laufende Betrieb gewährleisten lässt. Denn dieser darf nicht über die Aufnahme von Krediten finanziert werden.

Höhere Gebühren und Steuern: Auf Bürger kommen harte Zeiten zu

Der Gemeinde machen hohe Ausgaben bei geringeren Einnahmen zu schaffen. Beispiel Gewerbesteuer, die sich mehr als halbiert hat: Flossen in den Jahren 2023 und 2024 etwas mehr als 13 beziehungsweise fast 14 Millionen Euro – „das beste Ergebnis, das wir jemals hatten“ – sind es dieses Jahr nur noch sechs Millionen. Auf der anderen Seite stehen beispielsweise Umlagen im zweistelligen Millionenbereich und elf Millionen Euro an Personalkosten.

Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich auf ungemütliche Zeiten einstellen: Die Gemeinde Hemmingen muss massiv sparen und wird zugleich Steuern und Gebühren erhöhen. Der Neujahrsempfang wird ausfallen, und wer die Bücherei nutzt, zahlt künftig zwölf Euro im Jahr – bisher ist das Angebot kostenfrei. Auch die Hebesätze für die Grundsteuer und die „spärlich nachgefragte“ Kitabetreuung zwischen 16 und 17 Uhr kommen auf den Prüfstand. Im Jugendhaus bleibt der Ausbildungsplatz vorerst unbesetzt. Es ist geplant, dass der Gemeinderat das Maßnahmenpaket im Dezember beschließt, in der Sitzung, in der der Bürgermeister den Haushalt einbringt.

In Ditzingen verschärft sich die finanzielle Situation weiter

Erste Einschnitte hatte der Gemeinderat bereits früher beschlossen: Die Kommune bezuschusst ab 2026 keine Kulturveranstaltungen mehr und fördert nur noch ein Viertel des Preises für den Hemminger Fahrschein. Der weihnachtliche Seniorennachmittag findet nun ohne Gutschein des Weltladens statt.

In Ditzingen gilt die Haushaltssperre weiterhin –mindestens bis zur Verabschiedung des Etats für das kommende Jahr. Der Gemeinderat wird den Etat noch vor der Weihnachtspause beschließen. Die im März zunächst für drei Monate ausgesprochene Haushaltssperre war bis Jahresende verlängert worden, als sich abzeichnete, dass sich die finanzielle Situation weiter verschärfen würde. Auch Ditzingen kann die laufenden Ausgaben 2026 nicht mehr durch Einnahmen decken.