Das Interesse an Fernwärme ist in Deizisau groß. Foto: dpa/Marijan Murat

Eine Umfrage in Deizisau belegt ein großes Interesse an Fernwärme. Ein Pilotprojekt soll es in der Jahnstraße und im Grabenackerweg geben. Doch der Ausbau des Netzes ist schon vor vielen Jahren ins Stocken geraten.

Schon heute werden in Deizisau etwa 30 Prozent aller Gebäude von der EnBW mit Fernwärme versorgt. Doch der Ausbau des Netzes ist schon vor vielen Jahren ins Stocken geraten. Noch vor acht Monaten signalisierte die EnBW, aus Kostengründen kein Interesse an einem weiteren Ausbau haben zu wollen. Jetzt hat der Energieversorger nicht zuletzt auf Drängen der Gemeinde ein Pilotprojekt gestartet. Nach eigenen Angaben will die EnBW im Rahmen dieses Projekts für die Jahnstraße und den Grabenackerweg Konzepte entwickeln, „wie eine großflächige Erschließung zukünftig erfolgen könnte“, wie Christopher Engelmann, der Pressesprecher der EnBW, auf Nachfrage bestätigte. In diesen Straßenzügen biete sich eine lokale Verdichtungsmöglichkeit durch die Verbindung zweier Leitungsenden des bestehenden Fernwärmenetzes an.

 

2500 Hauseigentümer wurden angeschrieben

Hintergrund des Sinneswandels ist eine Umfrage der Gemeinde unter allen Haus- und Wohnungseigentümern, die Bürgermeister Thomas Matrohs nach der Veranstaltung in der Gemeindehalle gestartet hatte. Von den 2500 Angeschriebenen hatten sich 45 Prozent an der Umfrage beteiligt mit dem Ergebnis, dass das Interesse an einem Fernwärmeanschluss groß ist. 23 Prozent hatte „großes Interesse“ signalisiert und 16,2 Prozent, dass sie „vielleicht Interesse“ daran haben. Besonders groß war das Interesse bei den Anliegern der Jahnstraße. Dort hatten 51 Haus- und Wohnungseigentümer gesagt, sie ließen sich unter Umständen an das Fernwärmenetz anschließen.

Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs begrüßt das wiedererwachte Interesse am Ausbau des Fernwärmenetzes. „Nach einer langen Phase des Stillstands investiert die EnBW nun wieder in die Fernwärme“, sagte er während der jüngsten Sitzung des Deizisauer Gemeinderats, als er die Räte über die Pläne des Energieversorgers informierte. Was ein Anschluss konkret kosten wird, darüber konnte das Unternehmen noch keine Angaben machen. „Durch die Verlegung im Konvoi, das heißt durch den Bau der Fernwärmeversorgungsleitung und die Erschließung der Gebäude mit Fernwärme in einer Maßnahme, sollen Kostensynergien gehoben werden“, sagt Engelmann. Zudem könnten durch die Bündelung mit der bereits von der Gemeinde geplanten Straßensanierung zwei Baumaßnahmen in einer Baustelle zusammengefasst werden. „Ob diese Ergebnisse danach auf andere Gebiete in Deizisau oder andere Kommunen übertragbar sind und welche Anpassungen gegebenenfalls vorgenommen werden müssen, das wird sich in der Auswertung des Pilotprojektes zeigen.“

Erste Gebäudes sollen in der Heizperiode 2025/26 beliefert werden

Laut Engelmann wird ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Umsetzung des Pilotprojekts sein, wie viele der Gebäudeeigentümer sich am Ende vertraglich für einen Anschluss entscheiden. Erste Gebäude sollen bereits in der Heizperiode 2025/26 mit Wärme beliefert werden.

„Grundsätzlich gilt dabei natürlich, dass eine höhere Anschlussdichte die spezifischen Bau- und Anschlusskosten senkt“, so der EnBW-Sprecher Engelmann. Die konkrete Umsetzung des Pilotprojekts erfolge in enger Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung – als nächstes sei eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Bürger für Anfang Juni geplant.