Der Künstler Dieter Groß (links) und der Architekt Michael Steinwachs Foto: Alexandra Kratz

Der Künstler Dieter Groß hat einen Kreuzweg für seine Heimatgemeinde Christus König in Vaihingen gestaltet. Die 15 Stationen erzählen vom Leid und der Heilung Jesu. Groß hat seinen Kreuzweg mit den Worten „Ecce Homo – welch ein Mensch“ überschrieben.

Vaihingen - Dieter Groß hat schon mehrere Kreuzwege geschaffen, unter anderem in der Sankt-Augustinus-Kirche in Stuttgart-Neugereut und in der Kirche Sankt Michael in Tübingen. Und dennoch ist dieser Passionszyklus etwas Besonderes für den Künstler und emeritierten Professor. Denn die Bilder hängen in der Kirche seiner Heimatgemeinde, in Christus König an der Fanny-Leicht-Straße in Vaihingen. Eineinhalb Jahre lang hat Groß an den Werken gearbeitet. Oft sei das auch eine innere Belastung für ihn gewesen. „Ein Kreuzweg ist ein ernstes Thema, das einen nicht mehr los lässt. Das ist kein Spaziergang“, sagt der Künstler.

Für Pfarrer Stefan Ruf bildet der Kreuzweg den Abschluss der Kirchenrenovierung. Vor rund drei Jahren war das umgestaltete und modernisierte Gotteshaus wieder eröffnet worden. Damals waren die Wände kahl. Ganz bewusst habe man fast alle Kunstgegenstände entfernt. „Vorher war der Raum überfrachtet. Wir wollten noch einmal neu anfangen“, sagt Ruf.

In der alten Kirche hatte es auch einen großen Kreuzweg gegeben. „Doch es war ein gebrochener und von zwei unterschiedlichen Künstlern gestalteter Passionszyklus“, sagt Stefan Ruf. Deshalb habe man sich dazu entschieden, einen neuen Kreuzweg gestalten zu lassen. Mit „man“ meint Ruf die gesamte Gemeinde. Denn es sei wichtig gewesen, jeden einzelnen mitzunehmen. Es habe einen regelrechten „Kreuzwegfindungsprozess“ gegeben, sagt Ruf.

Der alte Kreuzweg ist nicht vergessen

Der alte Kreuzweg ist aber nicht vergessen. Die Bilder wurden sorgfältig verpackt und eingelagert. Geplant ist, einzelne Stationen an geeigneten Stellen wieder ins Bewusstsein zu rücken. Zuvor müssen die Werke aber restauriert werden. „Wir gehen mit diesem Thema sehr sensibel um“, verspricht Ruf. Er verweist aber auch darauf, das der Zeitgeist heute ein anderer sei, und dem habe man mit einem neuen Passionszyklus Rechnung tragen wollen.

Der Kirchengemeinderat berief eine Kunstkommission ein, die sich verschiedene Kreuzwege anschaute. „Wir wollten das Richtige finden“, sagt der Architekt Michael Steinwachs, der für die Renovierung der Kirche verantwortlich zeichnet und die Kommission mit leitete. Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht. Und doch sei man am Ende zu dem Ergebnis gekommen, dass „wir um das Richtige zu finden, nicht in die Ferne schweifen müssen“, sagt Ruf. So bekam Groß, ein Mitglied der Gemeinde, den Auftrag. Er hat bereits die „Feuerzungen“ gestaltet, ein Kunstwerk aus Acrylglas, das über dem Taufbecken in der Christus-König-Kirche hängt.

„Die Gemeinde hat mir viel Freiheit gelassen. Ich hätte den gesamten Raum bespielen können“, sagt Groß. Doch bewusst habe er sich dafür entschieden, nur die Nordwand zu gestalten. Für Groß ist das der „maßgeschneiderte Platz“. Denn so beginnt der Kreuzweg im Westen, der das Irdische symbolisiert. Der Zyklus endet im Osten, jener Himmelsrichtung, die sich auch in dem christlichen Hochfest „Ostern“ wiederfindet und die für die Wiedergeburt Christi steht. Zudem zeigt Groß ausschließlich Szenen, die in der Bibel beschrieben sind.

Lesbare Bilder

Für den Künstler stand dabei im Vordergrund, dass die Bilder lesbar sind. Das bedeute aber nicht, dass der Betrachter immer gleich alles erfasse. Im Gegenteil, der Künstler selbst empfiehlt stets: „Versteht nicht alles so schnell.“ So hat Groß in vielen seiner Bilder kleine Details eingebaut, welche auf die heutige Zeit verweisen – und sie kritisieren. So zeigt beispielsweise die elfte Station, wie Jesus am Kreuz hingerichtet wird. Im Hintergrund ist ein Mann zu erkennen, der sich wegdreht und mit dem Handy telefoniert.

Groß hat die 15 Stationen seines Kreuzwegs mit Acrylfarben auf grundierte Holzfaserplatten gemalt. Flankiert wird das Gemalte von buntem Plexiglas. In den mal roten, mal blauen, mal gelben Streifen spiegele sich der Betrachter in unterschiedlichen Stimmungen wider, wodurch noch einmal eine andere Ebene der Auseinandersetzung mit dem Leidensweg Christi entstehe, sagt Pfarrer Ruf.

Ihm ist es wichtig, dass der neue Kreuzweg die Gemeindemitglieder und die Besucher der Kirche anspricht. „Es geht nicht darum, ob es gefällt oder nicht. Es geht um andere Kategorien, um die Botschaft, die dahintersteckt“, sagt Ruf. Der Passionszyklus soll einen Prozess beim Betrachter auslösen. So könne jeder einzelne den „Weg aus der Nacht zum Licht“ nachvollziehen.

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