Die Ideen der Bürgerinnen und Bürger wurden gesammelt und diskutiert. Foto: Tim Kirstein

Die Nachnutzung der beiden Feuerwehrareale in Baltmannsweiler ist eines der zentralen Projekte der Gemeinde. In einer Auftaktveranstaltung konnten nun die Bürger erste Vorschläge für die Standorte einbringen und diskutieren.

Als „wichtigen Meilenstein in unserer Gemeindeentwicklung“ beschrieb Baltmannsweilers Bürgermeister Simon Schmid das Vorhaben vor den Teilnehmern der Veranstaltung im örtlichen Kulturzentrum. Der Bau des neuen Gebäudes für Feuerwehr und DRK ermöglicht es, dass an den bisherigen Standorten in Baltmannsweiler und Hohengehren Platz für Wohnraum geschaffen werden kann. Es gehe nun darum, die Nachnutzung richtig und vor allem gemeinsam umzusetzen, sagt Schmid.

 

Als Grundlage für das Projekt dienen die Leitlinien für Bürgerbeteiligung, die in den Jahren 2021 und 2022 erarbeitet wurden, erklärte Vera Köhler vom Stadtberatungsbüro Fries aus Ostfildern. Sie und ihre Kolleginnen begleiten das Projekt und den Beteiligungsprozess. Ermöglicht wird diese umfangreiche Planung unter Einbeziehung der Bürger durch Fördergelder des Landes. Als eine von fünf Kommunen im Land erhielt Baltmannsweiler den Zuschlag im Programm „Wohnraumoffensive Baden-Württemberg – Lücken nutzen“. Mit insgesamt etwa 394 000 Euro fördert das Land den Planungsprozess.

Es sei elementar, dass die Gemeinschaft darüber spreche, welchen Weg sie gehen will, erklärte die Staatssekretärin und Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr. Das Vorgehen in Baltmannsweiler werde genau dokumentiert, um anderen Gemeinden in Zukunft die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen. Es gehe darum, Grenzen auszuloten und herauszufinden, wie Bürger sinnvoll und transparent in den Prozess einbezogen werden können, sagte Lindlohr. Ziel des Projekts ist es, gemeinwohlorientierten Wohnraum zu schaffen. Dieser Begriff stehe für sicheren, angemessenen und bezahlbaren Wohnraum, der durch das Engagement der Bürger geprägt werde, erklärt Axel Burkhardt, der Wohnraumbeauftragte der Stadt Tübingen. In der Universitätsstadt hat man bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gemacht. „Nehmen Sie diesen Prozess ernst. Sie sind die Experten für das Gemeinwohl“, sagt Burkhardt.

Städtebauliche Herausforderung

Bei der Betrachtung der Areale müssen auf die Bedürfnisse der Einwohner abgestimmte Lösungen gefunden werden, erklärt Schmid. Außerdem ist auch die Ausgangslage entscheidend. Das knapp 2000 Quadratmeter große Areal in Hohengehren, zu dem auch das ehemalige Rathaus und ein weiteres Grundstück gehören, werde beispielsweise durch die Zufahrt einer Tiefgarage geteilt. Zudem wird das alte Rathaus bislang von der Freiwilligen Feuerwehr, der Gemeinde, der VHS, der Sozialstation und einer Apotheke genutzt. Im Juli werde es einen Termin geben, um das weitere Vorgehen mit den bisherigen Nutzern zu besprechen, sagt Schmid.

Das Grundstück in Baltmannsweiler ist mit etwa 430 Quadratmetern um einiges kleiner, jedoch befindet es sich in unmittelbarer Nähe zur Aegidiuskirche. Dies sei eine städtebauliche Herausforderung, erklärt Schmid.

Planungsbüro soll eine Machbarkeitsstudie erstellen

An beiden Standorten in der Gemeinde ist viel Spielraum für Ideen. Zwar ist das übergeordnete Thema die Schaffung von Wohnraum, doch wie genau soll dieser aussehen? Um diese Frage zu klären, werden die Bürger nach ihrer Meinung zum Bedarf der Gemeinde gefragt. „Es war eine sehr engagierte Diskussion. Das hat mir noch einmal gezeigt, dass Sie wirklich die Experten für Ihre Gemeinde sind“, sagte Verena Hudert vom Stadtberatungsbüro Fries.

Das Fazit der in Arbeitsgruppen geführten Diskussionen fällt in manchen Punkten klar aus. So ist es den meisten Beteiligten ein großes Anliegen, den Dorfcharakter beizubehalten und Nutzungsmöglichkeiten für Alt und Jung zu schaffen.

Für das Areal in Baltmannsweiler kam die Frage auf, ob überhaupt eine Bebauung notwendig sei oder ob nicht lieber ein Platz als Treffpunkt entstehen soll. In Hohengehren sehen viele einen Bedarf an altengerechtem Wohnen und der Gewährleistung der ärztlichen Versorgung. Auch Mehrgenerationenmodelle können sich die Bürger auf den Arealen vorstellen.

Die Ergebnisse werden nun zusammengefasst und an das Planungsbüro übergeben. Dieses wird eine Machbarkeitsstudie mit Testmodellen entwerfen, in der auf die Bedürfnisse der Einwohner eingegangen werden soll. Letztendlich solle darauf hingearbeitet werden, im Frühjahr 2025 ein Pflichtenheft für mögliche Investoren zu erstellen, erklärt Schmid.

Bürgerbeteiligung wird auf mehreren Ebenen fortgesetzt

Online-Umfrage
Neben der Auftaktveranstaltung hat die Gemeinde auch eine Dauer-Umfrage erstellt, bei der Bürger ihre Vorschläge einbringen können. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage der Gemeinde.

Weitere Veranstaltungen
Am Samstag, 13. Juli, wird es einen Informationsstand zu dem Projekt auf dem Feuerwehrfest geben. Im November sollen bei der Bürgerwerkstatt die Testmodelle bewertet werden.

Mehr Beteiligung
Auch beim künftigen „Masterplan Verkehr“, über den in der nächsten Zeit im Gemeinderat gesprochen wird, soll es in Baltmannsweiler Möglichkeiten für Bürgerbeteiligung geben.