Horst Lichters Sendung „Bares für Rares“ ist nicht nur beim Publikum beliebt. Das Landesmuseum Württemberg hat kürzlich aus besonderen Gründen eingeschaltet.
Stuttgart - Überraschungen gab es schon häufig bei „Bares für Rares“. Mancher Gast der beliebten ZDF-Sendung konnte sich freuen, wenn die Experten eine Antiquität oder ein Gemälde, das er auf dem Dachboden gefunden hatte, als wertvoll einschätzten. Freudige Gesichter gab es auch in der Sendung Anfang November, als der Kunsthändler Fabian Kahl aus Leipzig Privatleuten ein klassizistisches Gemälde abkaufte – ein Bild von Jakob Friedrich Weckherlin (1761 bis 1814). Es zeigt eine sehr leicht bekleidete Dame in antikem Gewand, die aufreizend zwischen Gold- und Silbergefäßen, Waffen und einer Eisenrüstung ihre blanke Brust zeigt.
Das Bild hing in der Hohen Karlsschule
Nun kann man das Gemälde im Landesmuseum Württemberg Stuttgart besichtigen – dank einer glücklichen Fügung. Denn der Maler Jakob Friedrich Weckherlin stammte aus Stuttgart, sodass die zuständige Gemälde-Expertin von „Bares für Rares“ auch am Landesmuseum Württemberg recherchierte, um Hintergründe zu dem Bild zu erfahren. Damit weckte sie das Interesse des Kurators Olaf Siart, der das Bild nach Stuttgart holen wollte. Denn die „Allegorie auf die Metallverarbeitung“, die etwa 1780 entstanden ist, hing ursprünglich in der ehemaligen Hohen Karlsschule in Stuttgart, die sich hinter dem Neuen Schloss befand. Das ovale Bild war dort über einer Tür angebracht – wie auch ein weiteres Werk von Weckherlin, das bereits im Besitz des Landesmuseums Württemberg ist.
Deshalb hat Olaf Siart Kontakt mit dem Leipziger Kunsthändler aufgenommen und versuchte ihn zu überzeugen, dass das Landesmuseum die beste Adresse für das Bild wäre. Obwohl es noch weitere Interessenten gab, die die Sendung verfolgt hatten, stimmte Kahl dem Verkauf zu, sodass das Bild vor wenigen Tagen nach Stuttgart zurückkehren konnte.
Der Kunsthändler konnte überzeugt werden
Jakob Friedrich Weckherlin besuchte übrigens selbst die Hohe Karlsschule, gemeinsam mit Friedrich Schiller. Nach dem Studium wurde er hier sogar Professor für Malerei. Das Landesmuseum besitzt von ihm noch zwei weitere Bilder, eines zeigt Herzog Carl Eugen und seine Gemahlin Franziska von Hohenheim bei einem Besuch der Karlsschule, wo sie umringt werden von Studenten, die selbstverständlich Uniform tragen mussten.
Die Gemälde, die über den Türen angebracht waren, symbolisierten die Fächer, die an der Hohen Karlsschule gelehrt wurden. Das Motiv, das das Landesmuseum bereits besitzt, zeigt die „Allegorie auf die Pflege der Geografie unter Herzog Carl Eugen“.