US-Notenbankchef Powell sorgt sich vor allem um die Wirtschaft in Europa und China. Foto: AFP

Die Fed wird ihren Leitzins voraussichtlich erst 2020 wieder erhöhen. Außerdem stellt sie im Herbst den Abbau ihrer aufgeblähten Bilanz ein. Die Bemühungen, die in der Krise in den Markt gepumpten Billionen wieder aufzusaugen, finden damit ein Ende.

Frankfurt - Nach einer Serie von Zinserhöhungen tritt die US-Notenbank Federal Reserve auf die Bremse: Sie will ihren Leitzins erst 2020 wieder anheben. Das geht aus dem Ausblick der Notenbanker um Fed-Chef Jerome Powell hervor. Noch im Dezember 2018 hatten sie für das laufende Jahr zwei Zinserhöhungen avisiert, damit rechnet jetzt nur noch eine Minderheit der Währungshüter. Die US-Notenbank reagiert damit auf die weltweite Konjunkturabkühlung.

Aktuell liegt die Zielvorgabe für den Zinssatz, zu dem große US-Banken einander kurzfristig Geld leihen, bei 2,25 bis 2,5 Prozent. Damit werde die Kreditvergabe weder stimuliert noch ausgebremst, sagte Fed-Chef Powell in seiner Pressekonferenz. „Die Inflationsrate liegt nahe unserem Ziel von zwei Prozent. Es ist eine sehr gute Zeit für uns, geduldig zu sein und abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.“

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Endgültig vom Tisch seien Zinserhöhungen in diesem Jahr damit nicht, meint Mickey Levy, US-Analyst bei der Hamburger Privatbank Berenberg. Angesichts der erhöhten Unsicherheit seien die Projektionen der Fed nicht in Stein gemeißelt. „In den nächsten Quartalen könnte sich noch eine Menge ändern – in beide Richtungen“, schrieb Levy.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hält sogar an ihrer Prognose einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr fest. Zur Begründung verwies die Landesbank auf das noch immer robuste Wirtschaftswachstum in den USA. Tatsächlich senkte die Fed ihre Konjunkturprognose für die heimische Volkswirtschaft lediglich von 2,3 auf 2,1 Prozent, besorgt zeigte sich Notenbankchef Powell vor allem über die Entwicklungen in China und Europa.

Allerdings geht auch die LBBW davon aus, dass nach einem weiteren Zinsschritt auf dann 2,5 bis 2,75 Prozent erst einmal Schluss ist. Denn es gebe noch „ein weiteres Signal, dass die Phase der geldpolitischen Straffung weitgehend abgeschlossen ist“, erklärte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Konkret: Die Fed will den Abbau ihrer in der Finanzkrise aufgeblähten Bilanzsumme stoppen.

Die Fed mottet ihren Geldsauger wieder ein

Ähnlich wie später die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die US-Notenbank in der Finanzkrise im großen Stil Wertpapiere gekauft, um Geld in den Wirtschaftkreislauf zu pumpen. Seit Oktober 2017 entzieht sie den Märkten wieder Liquidität: Wenn beispielsweise eine der in den Vorjahren erworbenen Staatsanleihen ausläuft, also vom Finanzministerium zurückgezahlt wird, behält die Fed dieses Geld ein.

Damit soll Ende September aber schon wieder Schluss sein. Die Fed wird dann die Mittel aus Rückzahlungen wieder in Staatsanleihen investieren und ihre Bilanzsumme konstant halten. Sie dürfte dann laut Powell etwas über 3,5 Billionen Dollar liegen. Das ist eine Billion weniger als im Herbst 2017, aber noch immer fünf Mal so viel wie vor Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007.

Börsen im Minus

Obwohl die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren von der lockeren Geldpolitik der großen Notenbanken profitiert haben, fiel die Börsenreaktion auf die jüngsten Beschlüsse verhalten aus. Die amerikanischen Leitindizes Dow Jones und S&P 500 unmittelbar nach dem Zinsentscheid kurz ins Plus, schlossen am Mittwochabend aber im Minus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte am Donnerstag ebenfalls ab, hauptsächlich wegen der Unsicherheit über den Brexit.

Auch die Renditen von US-Staatsanleihen gaben nach der Fed-Sitzung leicht nach. Sie liegen für Papiere mit zehn Jahren Laufzeit derzeit bei 2,5 Prozent, noch im Herbst waren Renditen über drei Prozent erreicht worden. Mit ihrem Rückgang schwindet die Hoffnung, dass die Verzinsung von US-Staatsanleihen auch die Zinsen auf Bundesanleihen und damit auf langfristige Spareinlagen in die Höhe treiben könnte. Bei Giro- und Tagesgeldkonten ist ohnehin keine Bewegung zu erwarten, weil ihr Niveau stark von den Leitzinsen der EZB abhängt. Diese hatte Zinserhöhungen für das laufende Jahr bereits zu Monatsbeginn ausgeschlossen, ebenfalls mit Blick auf die Konjunktur. Von Vorteil sind die Niedrigzinsen indes für Kreditnehmer.

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