Wer Geld, Gold oder andere Wertgegenstände in einem Bankschließfach lagern will, muss derzeit mit Wartelisten rechnen. Start-ups reagieren darauf – und drängen mit vollautomatisierten Schließfächern auf den Markt.
Stuttgart - Ob Bargeld, Familienschmuck oder Goldbarren – der Wunsch vieler Bürger wächst, für die Aufbewahrung von Wertgegenständen auf Bankschließfächer zurückzugreifen. Viele Kunden befinden sich auf Wartelisten, insbesondere in Großstädten übersteigt die Nachfrage mittlerweile das Angebot, heißt es aus dem Banksektor. Die Gründe dafür sind vielfältig: Negativzinsen, die gestiegene Nachfrage nach Gold, aber auch alternative Wohnformen und Sicherheitserwägungen verstärken den Trend. Hinzu kommt das deutschlandweite Bankenfilialsterben, das die Zahl an Schließfächern zwangsläufig reduziert. „Derzeit sind alle Schließfächer in unseren Filialen belegt“, heißt es etwa auf der Internetseite der Sparda-Bank Baden-Württemberg.
34 000 Fächer an mehr als 80 Standorten
Obwohl der Trend zum Schließfach offensichtlich ist – konkrete Zahlen über die Anzahl und Belegung der Tresore werden in Deutschland nicht veröffentlicht. Zur tatsächlichen Höhe der Nachfrage wollen sich die meisten Banken aus Sicherheitsgründen nicht äußern. „Schließfächer sind nach wie vor gefragt und werden von unseren Kunden sehr geschätzt, so dass die Kunden durchaus auch eine weitere Entfernung zum Schließfachstandort akzeptieren“, erklärt die BW-Bank. Insgesamt bietet die BW-Bank ihren Kunden rund 34 000 Fächer an mehr als 80 Standorten an. Die Fächer kosten je nach Größe jährlich zwischen knapp 60 und fast 300 Euro.
Versicherungsschutz nicht immer inklusive
Die Deutsche Bank spricht von einer stabilen Nachfrage und betont, dass grundsätzlich ausreichend Schließfächer verfügbar seien. „Für den Fall, dass in einer Filiale die Kapazitäten ausgeschöpft sind, wird den Kunden üblicherweise ein Bankschließfach in nahe gelegenen Standorten angeboten“, sagt ein Sprecher. Bei der Deutschen Bank beginnt die Miete ab knapp 96 Euro für ein 9000 Kubikzentimeter großes Fach.
„Man sollte bei der Nutzung immer beachten, dass der Inhalt gegen einen möglichen Diebstahl versichert ist“, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Hierzu gilt es im Vorfeld zu prüfen, ob die jeweilige Schließfachmiete eine Versicherung bereits umfasst. Denn: Nicht immer seien Wertgegenstände im Schließfach mitversichert; auch könnten die im Preis enthaltenen Versicherungssummen unter Umständen zu niedrig ausfallen. Zudem sei es ratsam, genau zu dokumentieren, was sich im Schließfach befinde, damit die Versicherung im Schadenfall auch zahlt.
Automatisierte Schließfächer im Kommen
Den Trend zum Schließfach versuchen mittlerweile auch neue, bankenunabhängige Anbieter zu nutzen. Das Berliner Start-up Asservato beispielsweise stellt seit Mai dieses Jahres automatisierte Schließfächer in der Hauptstadt bereit. Das Unternehmen wirbt mit einem 24-Stunden-Zugang, kleine Fächer sind ab 20 Euro im Monat mietbar. Einen Mitarbeiter, der den Kunden zum Tresorraum führt, gibt es nicht – stattdessen genügt eine dreifache Authentifizierung aus Kundenkarte, PIN und Fingerabdruck. „Viele Kunden suchen neue und flexible Lösungen für die Aufbewahrung von Wertgegenständen. Insbesondere jüngere Kundengruppen sind zunehmend an einer Alternative wie private Wertschließfächer interessiert“, sagt Colin Solberg, Geschäftsführer von Asservato. Insgesamt sind die Motive aber sehr unterschiedlich. „Vom 18-Jährigen, der in der WG wohnt und einen sicheren Ort für seine Wertgegenstände benötigt, bis hin zum Vermögenden, der Negativzinsen auf der Bank verhindern will, ist unsere Zielgruppe sehr heterogen.“
Vermehrt Anrufe aus Stuttgart
In den nächsten Jahren plant das Start-up weitere Standorte, denn die Nachfrage ist nach Einschätzung Solbergs deutschlandweit groß. „Gerade auch aus Stuttgart und Umgebung erreichen uns immer wieder Anrufe, ob und wann wir kommen.“