Immer mehr Anlegern ist wichtig, dass ihr Geld in nachhaltige Finanzprodukte fließt. Foto: dpa/Klose

Bei der Geldanlage auf ökologische und soziale Kriterien zu achten wird populärer. Nachhaltige Fonds machen das möglich – doch stimmt auch die Rendite?

Stuttgart - Kein Geschäft mit Waffenherstellern, mit der Glücksspielindustrie und mit Unternehmen, die für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich sind – immer mehr Deutsche äußern derartige Wünsche, wenn es um ihre Geldanlage geht. Nach ethischen Standards zu investieren liegt im Trend: 4500 Euro ist die durchschnittliche Summe, die laut dem Deutschen Fondsverband (BVI) jeder Bürger in nachhaltige Investmentfonds investiert – entweder direkt oder indirekt über beispielsweise die Lebensversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge. Eine der grünen Investmentmöglichkeiten sind nachhaltige ETFs, die ihr Kapital ausschließlich in Unternehmen investieren, die soziale Aspekte, Umweltbelange oder eine gute Unternehmensführung berücksichtigen.

 

Das Kürzel ETF steht für Exchange Traded Fund (zu Deutsch: börsengehandelter Indexfonds). Der Vorteil für Anleger besteht darin, dass sie durch die automatisierte Nachbildung eines Index wesentlich kosteneffizienter sind als aktive Fonds, die von einem Fondsmanager verwaltet werden. Bei nachhaltigen Varianten kommt hinzu, dass – genau wie bei aktiven nachhaltigen Fonds – Unternehmen ausgeschlossen werden, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen. So bleiben beispielsweise umstrittene Branchen wie die Rüstungsindustrie oder Unternehmen mit einem hohen CO2-Verbrauch außen vor.

Einheitliche Standards im Prozess der Aussortierung einzelner Unternehmen gibt es aber bislang nicht. „Der Begriff Nachhaltigkeit ist immer noch nicht definiert“, sagt Christian Klein, Professor für nachhaltige Finanzen an der Universität Kassel. Dies sei auch gar nicht so einfach, da jeder beim Thema Nachhaltigkeit individuelle Werte habe, die er unterschiedlich gewichte. „Dem einen Investor ist der Klimawandel wichtig, dem anderen geht es vielmehr um Menschenrechte, und wieder andere können Glücksspiele nicht mit ihren Werten vereinbaren.“

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: : In fünf Schritten an die Börse – ETFs und Aktien für Anfänger

Als Anleger sollte man sich daher gut informieren, wie der jeweilige Index zusammengestellt wird und welche Kriterien angelegt werden, um diese Informationen dann mit den eigenen Präferenzen abgleichen zu können, rät Klein. Generell sollte man keine zu hohen Ansprüche haben und nur ethisch einwandfreie Unternehmen in einem ETF erwarten. Es sei schon ein riesiger Schritt, sich überhaupt über Nachhaltigkeit Gedanken zu machen und zunächst einmal „die schlimmsten auszuschließen“.

Nachhaltige Fonds schneiden bislang nicht schlechter ab

Viele Anleger fragen sich, ob nachhaltige ETFs bei der Rendite im Vergleich zu konventionellen mithalten können. „Nachhaltige Geldanlagen haben in der Vergangenheit mindestens genauso gut performt wie konventionelle – das gilt für gemanagte Fonds genauso wie für ETFs“, versichert Klein.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der Finanzberater Jonas Schweizer, der sich auf nachhaltige Portfolios spezialisiert hat. Er resümiert, dass in den vergangenen 15 Jahren nachhaltige ETFs im Vergleich zu konventionellen sogar leicht besser abschneiden. „Die Datenreihen sind aber zu kurz, um daraus etwas final für die Zukunft ableiten zu können“, so Schweizer. Der bisherige Unterschied sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die als nachhaltig geltende Technologiebranche bessere Renditen hatte als die Industriebranche.

EU treibt nachhaltiges Investieren voran

Schweizers genereller Tipp: „Für einen langfristigen Vermögensaufbau ist vor allem eine breit gestreute Geldanlage mit geringen Kosten geeignet. Dafür sind nachhaltige ETFs deutlich empfehlenswerter als aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds mit hohen laufenden Kosten.“ Wer allerdings sehr strenge Nachhaltigkeitskriterien bevorzuge, müsse sich immer bewusst sein, dass darunter die Diversifikation leide, das heißt, dass das Risiko einer Anlage weniger breit auf verschiedene Regionen und Unternehmen gestreut ist und damit zunimmt.

Damit Anleger künftig besser einschätzen können, wie nachhaltig Finanzprodukte sind, etabliert die EU gerade ein europaweit einheitliches Klassifikationssystem, die EU-Taxonomie. Dieses soll künftig verbindlich festlegen, inwiefern das Geschäftsmodell eines Unternehmens als ökologisch nachhaltig einzustufen ist. Das erklärte Ziel: den bisher unterschiedlichen Nachhaltigkeitsbewertungen von Ratingagenturen und dem sogenannten Green-Washing entgegenzuwirken. Darüber hinaus sollen vom August nächsten Jahres an Berater dazu verpflichtet sein, ihre Kunden zu Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. Experten rechnen damit, dass dies die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds nochmals weiter steigern wird.