Rentner haben meist niedrigere regelmäßige Einnahmen als sie es zuvor im Arbeitsleben hatten. Foto: imago/Wolfgang Maria Weber

Im Alter verschieben sich die finanziellen Schwerpunkte und Bedürfnisse. Die Einnahmen schrumpfen, dafür hat man vielleicht aber auch schon Vermögen angespart. Mit einer vernünftigen Anlagestrategie lässt sich mehr aus dem Geld rausholen, ohne zu sehr ins Risiko zu gehen.

Bei der Geldanlage sollten auch Rentner auf die Rendite achten. Doch die Schwerpunkte und Bedürfnisse verschieben sich. Da muss etwa Geld für die Pflege zurückgelegt werden oder es fallen Kosten für die Renovierung des Eigenheims an. Dafür müssen Reserven vorhanden sein.

 

Eigene finanzielle Situation überprüfen

Am Anfang sollte eine Überprüfung der Situation stehen. Rentner brauchen nicht mehr all das, was Berufstätige brauchen. Sind eine Unfall-, Tierhaftpflicht- oder Rechtsschutzversicherung noch sinnvoll? Muss die Kfz-Versicherung angepasst werden, weil man weniger Auto fährt? Wer noch einen Kredit laufen hat, sollte die Möglichkeit prüfen, diesen durch Sondertilgungen schneller abzulösen.

Wichtig ist es, die laufenden Lebenshaltungskosten abdecken zu können und Geldreserven für unerwartete Ausgaben zu haben. In der Regel raten Experten, etwa des Verbraucherportals Bayern, „mindestens“ drei Monatseinkommen vorrätig zu halten.

Rentner haben meist niedrigere regelmäßige Einnahmen als vorher im Arbeitsleben. Es stehen deshalb weniger Mittel für regelmäßige Sparanlagen zur Verfügung. Dafür haben viele Ältere jedoch einen Vermögensstock aufgebaut, den sie anlegen können. Manchmal zahlt auch der Arbeitgeber eine Abfindung oder es wird etwa eine Lebensversicherung fällig.

„Dann ist in der gegenwärtigen Zinssituation ein Auszahlungsplan eine interessante Möglichkeit, sich ein sicheres Zusatzeinkommen zu sichern“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Dabei legen Sie einen Geldbetrag für eine bestimmte Laufzeit bei einem Kreditinstitut an.“ Anschließend erhält man den Anlagebetrag plus Zinsen in monatlichen Raten über die Laufzeit ausgezahlt. Direktbanken mit deutscher Einlagensicherung zahlen dafür derzeit bis zu drei Prozent Zinsen. „Bei 25 000 Euro über zehn Jahre ergibt das eine monatliche Auszahlung von rund 240 Euro. Davon sind anfangs 62,50 Euro Zinsen und 177,50 Euro Tilgung. Eine private Rentenversicherung würde für diese Summe zwar eine lebenslange Rente zahlen, die garantierte Rente würde aber kaum über 72 Euro monatlich liegen“, rechnet Nauhauser vor.

Ein solcher Auszahlplan kann Nauhauser zufolge auch mit Anlagen am Aktienmarkt kombiniert werden. Dabei deckt der Auszahlplan den regelmäßigen Liquiditätsbedarf für den gewünschten Zeitraum. Gleichzeitig profitieren die Anleger durch eine zusätzliche Anlage in Aktien-ETFs von den Renditen der Aktienmärkte. ETFs sind börsengehandelte Fonds, die einen Index nachbilden. Sie können börsentäglich verkauft werden. So ist das Geld bei Bedarf jederzeit verfügbar.

Zu berücksichtigen ist aber, dass Aktienkurse Schwankungen unterliegen und es kurzfristig Rückschläge geben kann. Historisch gesehen war aber der breit gestreute Industrieländer-Aktienindex MSCI World spätestens nach 13 Jahren immer im Plus. Anbieter solcher Auszahlpläne findet man im Internet auf Zinsvergleichsportalen oder bei der Stiftung Warentest.

Aktien nur mittelfristig anlegen

Generell sollten Rentner Gelder, die sie in Aktien anlegen, nicht kurzfristig brauchen, um nicht ausgerechnet bei einem Crash verkaufen zu müssen. Je höher das verfügbare Einkommen und Gesamtvermögen ist, desto größer ist der Betrag, der auch im Alter noch in Aktien investiert werden kann, meint das Verbraucherportal Verivox.

Aktienfonds oder ETFs bieten die Chance, an der Kursentwicklung zu partizipieren. Kosten für den Kauf, aber auch laufende Kosten, lassen sich durch den Erwerb über Online-Banken reduzieren. Nauhauser rät, auch hier auf eine deutsche Einlagensicherung zu achten.

Bei der Anlage empfiehlt sich eine Streuung. Tagesgeld auf Girokonten ist jederzeit verfügbar, wirft aber keine hohen Zinsen ab. Höhere Zinsen zahlen Online-Banken. Dabei ist das Geld oft kurzfristig abrufbar.

Festgeld und Sparbriefe stehen erst bei Fälligkeit zur Verfügung. Durch eine geschickte Staffelung der Laufzeiten lässt sich sicherstellen, dass regelmäßig Gelder fällig werden. Frei werdende Summen können für einen altersgerechten Umbau oder eine energetische Sanierung im eigenen Haus eingesetzt werden.

Vorsicht beim Kauf von Immobilien

Beim Erwerb von Immobilien raten Experten zur Vorsicht. Grundsätzlich sollten sie so weit wie möglich aus Eigenmitteln finanziert werden. Der Kauf vermieteter Immobilien als Kapitalanlage ist riskant. Die Kaufpreise sind hoch und es fallen hohe Erwerbsnebenkosten etwa für Makler, Notar oder ähnliches an. Dauerhaft sind Kosten für die Vermietung und Verwaltung. Darüber hinaus stehen regelmäßige Aufwendungen für die Instandhaltung und Investitionen an.

Finanzvermögen wecken auch das Interesse von Finanzberatern. Doch viele Finanzberater verkaufen jene Produkte, die ihnen eine hohe Provision bescheren. Wer Interessenkonflikte vermeiden möchte, sollte besser auf kostenpflichtige Angebote von unabhängigen Honorarberatern oder Verbraucherzentralen setzen.

Planung beginnt vor der Rente

Zusatzzahlungen
Schon im Vorfeld des Renteneintritts gibt es die Option, die gesetzlichen Rentenzahlungen aufzubessern: Durch zusätzliche Einzahlungen vor dem 45. Lebensjahr oder Sonderzahlungen ab dem 50. Lebensjahr. Damit können sich zukünftige Rentner zusätzliche Rentenzahlungen unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung sichern.

Rentabilität
Solche Einzahlungen sind laut Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, in der Regel rentabler als eine private Rentenversicherung gegen einen Einmalbetrag. Denn dabei entstehen hohe Kosten, denen kaum nennenswerte Erträge gegenüberstehen. (bl)