Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer blickt skeptisch in die finanzielle Zukunft der Gemeinde. Foto: Simon Granville

Berliner Gelder fließen auch in die Region. Doch helfen die Beträge in den einzelnen Kommunen auch wirklich? Spannende Einblicke in Städte und Gemeinden rund um Leonberg.

Für Michael Makurath ist es noch nicht einmal der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Dabei sieht der Anteil, den seine Stadt aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur erhält, auf den ersten Blick gar nicht schlecht aus: Ditzingen kann mit gut 12 Millionen Euro rechnen. Doch in der großen Kreisstadt mit 22 700 Einwohnern fehlt das Geld an allen Ecken und Enden, sodass sich der Oberbürgermeister über die Gabe aus Berlin nicht unbeschwert freuen kann.

 

Wie in den meisten Kommunen sind die Probleme struktureller Natur: hohe Personalkosten, ausufernde Sozialausgaben und immer wieder neue Aufgaben, die Städte und Gemeinden von Bund und Land auferlegt bekommen, ohne dafür die entsprechenden Mittel zu erhalten. Wenn dann noch, wie jetzt in Ditzingen, millionenschwere Steuernachzahlungen hinzukommen, hilft ein Bruchteil aus dem Sondervermögen, dessen insgesamt 500 Milliarden Euro letztlich Steuergelder sind, nicht wirklich weiter.

Insofern wird sich auch Tobias Degode, der neue Oberbürgermeister von Leonberg, erst einmal genau anschauen, ob und wie die rund 28 Millionen Euro, die in die Große Kreisstadt fließen, helfen können. Denn auch in Leonberg mit seinen beinahe 50 000 Einwohnern sind schwere Jahre in Sicht.

Zwar wurde der Schuldenstand in der Amtszeit des bisherigen Oberbürgermeisters Martin Georg Cohn deutlich heruntergefahren. Doch letztlich war das nur möglich, weil verschiedene Großprojekte nicht verwirklicht wurden, also keine Kosten entstanden sind. Eine größere finanzielle Schieflage will der neue OB Degode vor allem mit einer engen Partnerschaft zwischen Stadt und der Wirtschaft verhindern.

Alarmstimmung bei den Finanzen herrscht in Weil der Stadt

Regelrechte Alarmstimmung herrscht in Weil der Stadt. Der einstige Glanz der freien Reichsstadt ist längst abgebröckelt: Das Weil von heute mit knapp 20 000 Einwohnern ist notorisch verschuldet. Dennoch planen Bürgermeister Christian Walter und der Gemeinderat Investitionen in Millionenhöhe, die hauptsächlich auf Pump finanziert werden. Da kann der Zuschuss aus dem Sondervermögen von 11,5 Millionen Euro durchaus ein wenig helfen.

Im Moment allerdings ist an eine Haushaltsverabschiedung gar nicht zu denken: In der Kämmerei von Weil der Stadt geht es drunter und drüber, Abrechnungen und Abschlüsse sind jahrelang liegen geblieben. Die Stadt sucht nach einem neuen Chef für die Kämmerei, der Amtsinhaber ist krankgeschrieben.

Ein Minus von bis zu 12 Millionen Euro für das kommende Jahr erwartet auch der Bürgermeister im beschaulichen Hemmingen. Thomas Schäfer (CDU) folgt dem Beispiel seines Ditzinger Kollegen und hat eine Haushaltssperre verhängt: Bis kommenden März darf nur das Nötigste ausgegeben werden. „Es sieht echt düster aus“, sagt der Rathauschef, der sich am dritten Adventssonntag zur Wiederwahl stellt. Inwieweit die knapp 5,3 Millionen Euro vom Bund helfen, die die rund 8000 Einwohner große Gemeinde erhält, bleibt abzuwarten.

Bürgermeister Weissach, trotz Porsche-Defizit: „Wir sind nicht arm“

Schon immer ein wenig anders als in anderen Kommunen gehen die Uhren in Weissach: Das „Porsche-Dorf“ profitiert seit Langem in erheblichem Maße von dem auf eigener Markung liegenden Entwicklungszentrums des Sportwagenbauers. Umso heftiger war der Schlag, als Ende September Porsche seine Gewinnerwartung drastisch nach unten schraubte. Dramatischer Nebeneffekt für die Strudelbachgemeinde: Die für das kommende Jahr geplanten Gewerbesteuereinnahmen musste von satten 65 Millionen auf jetzt nur drei Millionen Euro reduziert werden.

Trotzdem sagt der Bürgermeister Jens Milow: „Wir sind nicht arm.“ In der Tat hat Weissach angesichts der in der Vergangenheit sprudelnden Steuermillionen aus dem Hause Porsche stolze 163 Millionen Euro angespart. Die knapp 4,8 Millionen Euro, mit denen jetzt aus dem Sondervermögen zu rechnen ist, wird der Verwaltungschef der etwa 8000 Einwohner großen Gemeinde dennoch gerne mitnehmen.

Das bekommen die Kommunen im Altkreis Leonberg

Leonberg
28,04 Mio.

Ditzingen
12,06 Mio.

Korntal-Münchingen
11,82 Mio.

Weil der Stadt
11,5 Mio.

Renningen
10,52 Mio.

Rutesheim
6,83 Mio.

Hemmingen
5,3 Mio.

Weissach
4,77 Mio.

Heimsheim
3,66 Mio.

Friolzheim
2,77 Mio.

Mönsheim
1,88 Mio.

Wimsheim
1,62 Mio.