Die Kreuzungen an der Stadtbahnhaltestellen Waldeck (Foto) und Engelboldstraße könnten zu Kreisverkehr umgestaltet werden. Technisch ist das möglich, die Umsetzung wird aber teuer. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Der Stadtteil steht auf der Prioritätenliste für künftige Sanierungsgebiete.

Kaltental - Es scheint, als hätten sich die Mühen gelohnt. Denn alles deutet daraufhin, dass Kaltental ein Sanierungsgebiet wird. Dann könnte der Stadtteil mit Fördermitteln vom Bund und vom Land aufgehübscht werden. Kaltental steht auf der Prioritätenliste der Verwaltung. „Für das Programmjahr 2018 ist ein Neuantrag für den Stadtteil vorgesehen, wie dies mit dem gemeinsamen Antrag der Gemeinderatsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD gefordert wurde“, heißt es in einer aktuellen Gemeinderatsvorlage. Die Verwaltung hat diese am Dienstag in nicht öffentlicher Sitzung im Umwelt- und Technikausschuss (UTA) eingebracht. Am Mittwoch hat der Verwaltungsausschuss zugestimmt. Der UTA entscheidet schlussendlich nach der Sommerpause, also Ende September.

Der Bezirksbeirat Süd wünscht sich zum Beispiel eine Aufwertung der Ortseingänge. So sollen die Kreuzungen an den Stadtbahnhaltestellen Waldeck und Engelbold­straße zu Kreisverkehren umgebaut werden. Außerdem fordern die Lokalpolitiker bessere Wegeverbindungen zwischen dem evangelischen und dem katholischen Berg. Denn der Stadtteil wird von der Böblinger Straße regelrecht zerschnitten. Und es gibt keine Möglichkeit, von dem einen Hügel auf den anderen zu kommen, ohne starke Steigungen und Stufen zu überwinden. Insbesondere für ältere Menschen, aber auch für Eltern mit Kinderwagen, ist das ein Problem.

Die Stadt muss Haushaltsmittel zuschießen

Die Sache hat allerdings einen Haken. Das betont die Verwaltung auch in der Vorlage für den Gemeinderat. Denn die Fördermittel sind auf 150 Euro pro Quadratmeter begrenzt. Ein Quadratmeter Kreisverkehr ist aber viel teurer. „Es ist davon auszugehen, dass dieser Betrag insbesondere für die Kreisverkehre bei Weitem nicht ausreicht und seitens der Stadt vermutlich ein Mehrfaches an Haushaltsmitteln zugeschossen werden muss“, heißt es daher in der Vorlage.

Auch die Verlegung der Stadtbahngleise auf der Böblinger Straße vor der Polizeisiedlung war immer wieder ein großes Thema. „Sofern diese tatsächlich realisiert werden soll, kann auch dieser im Stadtteil Südheim gelegene Bereich in den Neuantrag einbezogen werden“, ist dazu in der Vorlage zu lesen.

Ein „Riesenschritt“ für den Stadtbezirk

Dass der Verwaltungsausschuss am Mittwoch zugestimmt hat, ist für Raiko Grieb „ein Riesenschritt“. „Es ist uns gelungen, andere Stadtteile zu überrunden“, sagt der ehrenamtliche Bezirksvorsteher im Stuttgarter Süden. Als der Bezirksbeirat das Thema vor knapp zwei Jahren wieder aufnahm, waren viele noch skeptisch. Doch die Kaltentaler kämpften. Unter dem Dach der Zukunftswerkstatt sammelten sie Ideen, wo und wie man den Stadtteil schöner machen könnte. „Dass wir nun auf der Prioritätenliste stehen, ist eine unheimliche Errungenschaft für alle Beteiligten“, sagt Raiko Grieb und ergänzt: „So weit waren wir noch nie. Die Kaltentaler können sich auf die Zukunft freuen.“

So sieht das auch Marion Eisele. Die SPD-Bezirksbeirätin ist sozusagen der Kopf der Zukunftswerkstatt Kaltental. „Ich bin sehr glücklich, dass wir das geschafft haben.“ Für sie ist das auch ein Beweis dafür, dass man zumindest auf der kommunalen Ebene noch was bewegen kann, wenn man sich engagiert. Auch von den Bürgern habe sie viele positive Rückmeldungen bekommen, die sie in ihrer Arbeit bestätigen würden. Auch Grieb war vor Kurzem bei einem der Stammtische. Die Zukunftswerkstatt habe vor allem eines gebracht. Nämlich dass sich die Kaltentaler wieder besser kennengelernt haben. Das habe eines der Mitglieder zu ihm gesagt. „Und das hat mich am meisten gefreut“, sagt der ehrenamtliche Bezirksvorsteher. „Wir machen auf alle Fälle weiter“, ergänzt Eisele. Die Zukunftswerkstatt werde auch künftig Ideen sammeln und den Prozess begleiten.