Einer Allensbach-Umfrage zufolge würden es nur 15 Prozent der Bevölkerung gut finden, wenn der Staat Schüler für gute Noten bezahlen würde. 78 Prozent lehnen diese Art von geldorientiertem Lernen ab. Foto: Fotolia/grafikplusfoto

Zeugnisse zeigen Eltern, ob sich ihre Kinder schulisch auf dem richtigen Weg befinden. Doch wie schenkt man der Leistung der Kinder nun die richtige Anerkennung? Experten geben Tipps.

Nürnberg - Als Nele zu Schuljahresbeginn aufs Gymnasium kam, war es vorbei mit den guten Noten aus der Grundschulzeit: In Englisch stand eine schlechte Vier auf dem Halbjahreszeugnis, in Mathe gar eine Fünf. Im Januar versuchten Neles Eltern gegenzusteuern – mit Geld. Jede gute Zensur wird seitdem mit einem Taschengeld-Bonus belohnt: drei Euro für eine Eins, zwei Euro für eine Zwei, ein Euro für eine Drei. Seither legt Nele sich richtig ins Zeug: Bei jeder guten Klassenarbeit hält sie die Hand auf. Ihr Klassenkamerad Ben bekommt dagegen nie Geld für seine Noten, auch keine Geschenke. Seine Mutter lehnt Belohnungen für Noten grundsätzlich ab.

Nele und Ben stehen stellvertretend für einen Grundsatzstreit in der deutschen Elternschaft. Eine Lösung ist nicht so einfach, denn für beide Seiten gibt es nachvollziehbare Argumente. So sagen die Befürworter, dass im späteren Berufsleben normalerweise auch derjenige besser bezahlt wird, der sich anstrengt und erfolgreich ist. Warum also sollten gute Leistungen in der Schule nicht auch mit mehr Taschengeld belohnt werden? Andererseits wird argumentiert: Wenn das Kind grundsätzlich kein Geld bekommt, ist das weniger schlimm, als wenn eine ausgelobte Prämie ob schlechter Zensuren verpasst wird. Nicht nur Ärger, sondern auch kein Geld – manche Kinder erleben das als doppelte Bestrafung.

Experten raten, Geld nicht als Erziehungsmaßnahme zu verwenden

Einen wissenschaftlichen Beleg, ob eine Prämie tatsächlich auch den Notenerfolg bei Schülern steigert, gibt es nicht – trotz einiger Experimente: In den USA wurden die Schüler von der Schulbehörde New Yorks für ihre gute Noten bezahlt – bis zu 500 US-Dollar konnten sie einstreichen. Besonders in Problembezirken zeigte das Programm Wirkung: Lag etwa die Erfolgsquote beim Mathe-Abschlusstest der siebten Klasse zuvor bei mageren 56 Prozent, bestanden nun 94 Prozent der Schüler die Prüfung. In der Schweiz, wo ein ähnliches System getestet wurde, blieben messbare Erfolge dagegen aus. In einigen Fächern stieg der Notendurchschnitt zwar leicht an, in anderen hingegen sank er.

Nicht zuletzt wegen des mangelnden Nutzens werden in Deutschland bislang solche Versuche abgelehnt: Einer Allensbach-Umfrage zufolge würden es nur 15 Prozent der Bevölkerung gut finden, wenn der Staat Schüler für gute Noten bezahlen würde. 78 Prozent lehnen diese Art von geldorientiertem Lernen ab. Dieser Meinung sind auch Pädagogen wie Helmut Popp vom Jugendamt der Stadt Nürnberg: „Das Taschengeld sollte nicht pädagogisch eingesetzt werden“, rät er. „Kurzzeitige Erhöhungen als Belohnung oder gar Kürzungen als Bestrafung bei schlechten schulischen Leistungen verhindern den Lerneffekt des selbstverantwortlichen Umgangs mit Geld.“

Die Höhe des Taschengelds sollte mit dem Alter schrittweise steigen

Wichtiger als die Zeugnisgeld-Frage ist den meisten Experten ohnehin die Frage, wie der regelmäßige Umgang mit Geld gestaltet wird – etwa beim Taschengeld: „Taschengeld ist wichtig, damit Kinder früh lernen, mit Geld umzugehen“, so heißt es beim Bundesfamilienministerium. „So müssen sie selbst entscheiden, was sie sich leisten können und was nicht, und tragen dafür auch die Verantwortung.“

Das Taschengeld sollte mit dem Alter schrittweise steigen, empfehlen die deutschen Jugendämter. Kinder unter sechs Jahren sollten wöchentlich einen Euro Taschengeld bekommen. Die wöchentliche Auszahlung ist wichtig, weil Grundschulkinder noch nicht in der Lage sind, den Wert des Geldes einzuschätzen und es über einen längeren Zeitraum einzuteilen. Ab einem Alter von zehn Jahren sollten Eltern das Taschengeld monatlich zahlen – in bar oder per Überweisung auf ein Jugend-Girokonto. Wichtig aber ist: Wie das Geld verwendet wird, entscheidet der Nachwuchs alleine.

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