Das Haus in der Berliner Straße wird noch mindestens einige Monate leer stehen. Foto: Ines Rudel

Die Stadt Esslingen will dem Land Baden-Württemberg gerne die denkmalgeschützte Villa an der Berliner Straße 17 verkaufen. Doch dem Land liegt gar kein Angebot vor.

Esslingen - Die historische Villa an der exponierten Ecke Berliner Straße/Martinstraße in Esslingen zieht die Blicke aufmerksamer Passanten auf sich. Sicherlich ist es der schöne Anblick des in die Jahre gekommenen, architektonisch kunstvollen Gebäudes. Doch auch der bereits mehrere Jahre andauernde Leerstand ist ein Grund für die Auffälligkeit des Gebäudes. Und der wirft Fragen auf.

Wie vor kurzem berichtet, will die derzeitige Besitzerin des Gebäudes, die Stadt Esslingen, das denkmalgeschützte Haus verkaufen. Am liebsten an das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen, das seinen Sitz schräg gegenüber der Villa, im alten Schelztor-Gymnasium hat. Das Amt untersteht dem Land Baden-Württemberg und in Sachen Immobilien dem Finanzministerium. Was sagt man dort zu einem möglichen Ankauf der Villa? Die Behörde bestätigt, dass sie einen zusätzlichen Flächenbedarf bei dem für die Behördenunterbringung zuständigen Landesbetrieb Vermögen und Bau angemeldet hat. „Zur Deckung dieses Bedarfs kommt möglicherweise eine Teilunterbringung in dem leer stehenden Gebäude Berliner Straße 17 in Betracht“, so John-Nicolas Heinemann vom Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg.

Mühlen der Bürokratie zögern eine Entscheidung hinaus

Es werde geprüft, ob eine behördliche Nutzung des Gebäudes – durch das Landesdenkmalamt oder andere Landesbehörden – grundsätzlich möglich und wirtschaftlich sei – „dies insbesondere im Hinblick auf die für eine Behördennutzung notwendigen umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.“

Doch eine Entscheidung über den möglichen Ankauf der Villa Schmückle könnte sich noch hinziehen, denn: „Ein konkretes Angebot liegt uns nicht vor. Eine abschließende Beurteilung, ob das Gebäude Berliner Straße 17 für eine Nutzung durch das Land – und damit für einen Erwerb – infrage kommt, ist damit derzeit nicht möglich“, so John-Niclas Heinemann. Warum dem Landesdenkmalamt noch kein konkretes Angebot vorliege, begründet Rainer Thumm vom Eigenbetrieb Städtische Gebäude Esslingen, der die Villa betreut, mit den langsamen Mühlen der Bürokratie: „Der Prozess wird von beiden Seiten angestrebt. Es dauert manchmal länger, bis alles geprüft wurde. Wir erwarten im zweiten Quartal des Jahres eine Entscheidung.“

Gutachten für behördliche Nutzung nötig

Warum erst Ende 2018 und nicht schon viel früher ein Gutachten für die Villa seitens der Stadt in Auftrag gegeben wurde, begründet der zuständige Finanzbürgermeister Ingo Rust ebenfalls mit den langen Prüfzeiten auf Landesebene. „Es hat seine Zeit gedauert, bis wir vom Land das OK für ein konkretes Angebot bekommen haben. Erst muss dort der Bedarf geprüft werden, bis es dann weitergeht, und jeder Prozess beim Amt muss durch verschiedene Stellen. Für uns hätte ein Gutachten vorher keinen Sinn gemacht, für den freien Markt brauchen wir das nicht“, so Rust. Die Stadt Esslingen sieht selbst keine Nutzungsmöglichkeit für die Villa. „Wir wünschen uns das Landesamt für Denkmalpflege als Mieter oder Käufer. Wir pflegen ein gutes Verhältnis. Und wo wäre das Landesamt für Denkmalpflege besser aufgehoben als in einem Denkmal?“, meint Rust.

Doch bis es eine finale Entscheidung um die Villa gibt, dürfte Passanten der bisherige Anblick des geisterhaften, verlassenen Hauses, das 1897 mitten in der Stadt erbaut wurde, noch eine Weile erhalten bleiben.

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