Geislingen Strippenzieher und „Mädchen“ für alles

Von Sabine Riker 

Stets im Pferdedienst: Markus Sauter mit Söhnchen Max (rechts), seiner Frau Angela und den Töchtern Jana und Emma Foto: Ines Rudel
Stets im Pferdedienst: Markus Sauter mit Söhnchen Max (rechts), seiner Frau Angela und den Töchtern Jana und Emma Foto: Ines Rudel

Markus Sauter ist als Organisator beim Pferdemarkt für alles zuständig, was direkt mit den Tieren zu tun hat. er 43-Jährige hat aber nicht nur ehrenamtlich mit dem Reitsport zu tun. Er ist auch Mitglied der Stuttgarter Polizeireiterstaffel.

Geislingen - Bisher hat die langjährige Organisatorin Ingrid Malz ihn noch kräftig unterstützt, doch jetzt ist Markus Sauter zum ersten Mal allein für die Organisation des Geislinger Pferdemarkts zuständig, also für alles, was mit den Pferden direkt zu tun hat. Den ambitionierten Springreiter schreckt das nicht. Denn er hat nicht nur Spaß an Pferden, sondern auch am Strippenziehen – und am Telefonieren. In der Regel macht er letzteres nebenher, nicht selten vom Pferderücken aus. Für das ganze Drumherum ist die Stadt Geislingen zuständig, die den Pferdemarkt seit mehr als 300 Jahren veranstaltet.

„Die Stadt steht voll dahinter, die bereiten vor, helfen, arbeiten zu, so was hat man selten“, lobt Sauter. Dank des Einsatzes aller Beteiligten klappern auch an diesem Faschingsdienstag auf dem Mittleren Boden und Unter den Linden wieder die Hufe. 150 Tiere werden erwartet.

Eine Plattform für alle

Pferdefreunde scheinen eine Affinität zum Musical zu haben. Denn bei der New Stage Company im alten Sägewerk in Geislingen trifft sich offenbar auch die Reiterwelt. So ist Markus Sauter, der in Geislingen zuletzt im Musical Hair als Darsteller zu sehen war, von Ingrid Malz bei einer Probe gefragt worden, ob er nicht die Organisation des Pferdemarkts übernehmen wolle. Markus Sauter, der als Mitglied der Polizeireiterstaffel, vierfacher Pferdebesitzer und dreifacher Vater nicht über zu wenig Aufgaben klagen kann, guckte sich die Sache an und sagte zu – nicht nur, weil er und seine Familie ihre Pferde seit Jahren auf dem Pferdemarkt präsentieren. Auch dieses Mal werden seine Frau Angela und die Töchter Jana und Emma mit dabei sein. Vielmehr findet er, dass diese traditionsreiche Veranstaltung eine Zukunft haben sollte. „Mir gefällt, dass jeder kommen darf, auch die, die nicht sportlich reiten und kleinere Züchter“, sagt er. Außerdem gebe es in der näheren Umgebung keinen einzigen Pferdemarkt mehr. „Die nächsten sind in Ellwangen, Leonberg oder Bietigheim-Bissingen, für uns ist das schon eine Strecke.“ Für das Publikum aber sei es schön, Pferde der verschiedensten Rassen auf einem Fleck anschauen zu können.

Vorteile hat der Markt in Sauters Augen vor allem auch für die Pferdebesitzer. Sie hätten die Möglichkeit, ihre Tiere von Zucht- und Turnierrichtern beurteilen zu lassen. In Geislingen sind es acht an der Zahl, die schon seit Jahren dabei sind. Sei das Tier schön bemuskelt und gepflegt, dann gebe es als Lohn für die ganze Arbeit einen ersten Preis. Die Richter könnten gegebenenfalls aber auch als Korrektiv dienen. „Sollte etwas nicht in Ordnung sein, dann gibt es einen Hinweis, etwa wenn ein Pferd nicht klar geht“, erzählt Sauter. Richtig schlimme Sachen seien ihm aber in Geislingen noch nicht untergekommen. „In der Regel sind die Pferde alle in einem guten Zustand“, sagt er.

Sicherheit hat oberste Priorität

Anders als beim Musical gibt es beim Pferdemarkt keine Generalprobe. Wenn am Faschingsdienstag die Pferdeanhänger anrollen, dann muss alles klappen wie am Schnürchen. Bis dahin haben Markus Sauter und seine Mitstreiter noch viel zu tun. So müssen einen Tag vor der Veranstaltung die Pferde für die drei verschiedenen Ringe eingeteilt werden. Es gibt jeweils einen Ring für Warmblüter, Kaltblüter und Ponys. Pro Vorstellung eines Pferdes rechnet Markus Sauter mit drei Minuten, im Anschluss fahren die Kutschen vor. Sicherheit hat für ihn oberste Priorität. Weder Menschen noch Pferde sollen bei dem Gedränge, das gewöhnlich beim Pferdemarkt herrscht, zu Schaden kommen. „Wir wollen deshalb nicht, dass sich Pferde und Besucher mischen“, erläutert Markus Sauter, der im zarten Alter von zwölf Jahren über einen Kumpel zu den Pferden kam. „Mein Freund hatte sich in ein Mädchen verguckt, das voltigierte. Wir sind dann da hin, ich bin dabei geblieben“, erzählt er.

Damit alles klappt, stehen Markus Sauter 20 ehrenamtliche Helfer zur Seite. Sie führen Protokolle, versorgen die Richter mit warmen Getränken, managen die Meldestelle und weisen die Pferde ein. Wenn alles vorbei ist, dann beginnen schon bald wieder die Vorbereitungen für den nächsten Markt. Ausschreibungen müssen gemacht und Einladungen geschrieben werden. Doch vorher muss sich Markus Sauter erholen – bei Musicalproben.

Pferde, Ponys, Gespanne

Die Prämierung der Pferde auf dem Sportplatz des Turnvereins Altenstadt (TVA) am Mittleren Boden und Unter den Linden beginnt um 9 Uhr. Bis 13 Uhr sind in den drei Vorführringen die verschiedensten Warmblüter, Kaltblüter und Ponys zu bewundern. Die acht Richter beurteilen nicht nur das Gebäude und den Gesamtzustand der Tiere, sondern sie bewerten sie auch im Schritt und Trab. Um 11 Uhr fahren im großen Ring die sogenannten Traditionsgespanne vor. Mit entscheidend bei der Bewertung ist das Geschick der Fahrer, der Zustand der Gespanne und natürlich auch die Zusammenstellung der Pferde.

Kinder wollen nicht nur zusehen, sie wollen selbst etwas erleben. Deshalb steht das Ponyreiten bei den Nachwuchsreitern hoch im Kurs. Traditionell gibt es beim Pferdemarkt eine Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und verschiedene Verkaufsstände. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

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