Auch ein freundlicher Anstrich ziert nun den Geislinger Verwaltungssitz. Foto: Horst Rudel

Beim Tag der offenen Tür im Geislinger Rathaus werden viele Fragen gestellt, und der Oberbürgermeister wechselt für einen Tag lang den Job.

Geislingen - Von der grauen Maus zum properen Verwaltungssitz hat sich das Geislinger Neue Rathaus gemausert, dessen abgewetzter Zustand in den vergangenen Jahren durchaus Rückschlüsse auf die kommunale Haushaltslage nahelegte. Nun wird am Samstag, 22. Oktober die rund 2,9 Millionen Euro teure Sanierung mit einem Tag der offenen Tür gefeiert an dem sich der Oberbürgermeister Frank Dehmer als Lotse betätigt.

Zum Schluss der Rundumerneuerung ist es zeitlich noch einmal eng geworden, um den 100. Geburtstag des Gebäudes nicht verstreichen zu lassen. Immerhin hatte der Gemeinderat bereits im April 1916 in dem damals nagelneuen städtischen Kanzleigebäude getagt. Jetzt ist es halt Herbst geworden, bis alle Arbeiten an der Fassade und im Innern abgeschlossen werden konnten.

1916 herrschte Krieg, und die Einweihung fiel aus

100 Jahre nach der Inbetriebnahme soll das sogenannte Neue Rathaus, das die Nachfolge des Alten Rathauses aus dem Jahr 1422 antrat, endlich einmal richtig im Rampenlicht stehen, haben sich die Verantwortlichen gewünscht und dafür einen Tag der offenen Tür mit Führungen und einem Rathausquiz organisiert. Der runde Rathausgeburtstag wurde sogar mit dem am Wochenende zu Ende gehenden Programm des Geislinger Kulturherbstes verquickt, der diesmal die Jahre 1916 bis 1918 beleuchtete. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik ging auch in Geislingen mit Entbehrungen der Kriegswirtschaft einher, und viele männliche Familienmitglieder waren bereits gefallen. Wohl auch deshalb wurde bei der Rathauseinweihung 1916 auf eine festliche Schlüsselübergabe verzichtet, mutmaßt der Stadtarchivar Hartmut Gruber.

Ein elektronischer Wegweiser im Erdgeschoss

Nun, 100 Jahre später, können sich die Bürger auf einen modernisierten Verwaltungssitz freuen, hinter dessen frisch getünchten Wänden sich moderne Elektroinstallationen und die lang ersehnte neue Telefonanlage verbergen. Und im Erdgeschoss begrüßt die Besucher neben dem alten Brunnen ein elektronischer Wegweiser.

Strahlendes Weiß an Wänden und Decken rückt die schlichten Stuckarbeiten jetzt wieder ins rechte Licht. Großzügige Glasflächen schotten das offene Treppenhaus rauchdicht zu den dahinterliegenden Büros ab und zudem wurden mit Funk vernetzte Rauchmelder sowie eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage samt Brandschutztüren eingebaut. Und der alte Ratssaal hat sich dank moderner Technik wieder zum vorzeigbaren Prunkstück des Gebäudes gewandelt. Weil das Neue Rathaus unter Denkmalschutz steht, konnte es nicht von außen gedämmt werden, erklärte der Bauamtsleiter Karl Vogelmann. Behaglichkeit verspricht sich der Baufachmann immerhin von den hochwertigen modernen Sprossenfenstern.

Barrierefrei wird das Rathaus erst im neuen Jahr werden, kündigte Vogelmann außerdem an. Denn mit der Fertigstellung des Aufzugs zum Jubiläum habe man nicht mehr rechnen können, seit klar war, dass die Gründungsarbeiten aufwendiger ausfallen würden, als zunächst gedacht.

Der Oberbürgermeister führt durchs Haus

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