Das Museum und die Galerie im Alten Bau werden auch in Zukunft eine Wirkungsstätte von Hartmut Gruber sein. Foto: Ines Rudel

Hartmut Gruber hat viele Jahre lang das Stadtarchiv, das Museum und die Galerie im Alten Bau geleitet. Jetzt ist er in den Ruhestand gegangen und bricht zu neuen historischen Ufern auf.

Geislingen - Geschichte hat ihn sein ganzes Berufsleben lang beschäftigt – und begeistert. Das werde auch jetzt nicht aufhören, kündigt Hartmut Gruber an. Allerdings kann er in Zukunft seine Zeit freier einteilen. Denn der 65-Jährige hat am Donnerstag zum letzten Mal als Geislinger Stadtarchivar und Leiter des Museums und der Galerie im Alten Bau die Tür seines Büros hinter sich zugezogen. Feste Arbeitszeiten sind damit für ihn Geschichte. Hartmut Gruber ist ab sofort Historiker im Unruhestand.

Die Sonne scheint, Wasser plätschert durch den Kanal in der Geislinger Stadtmitte, ein Erfrischungsgetränk steht auf dem Tisch. Hartmut Gruber genießt das, besser könnte der Ruhestand nicht beginnen. Doch ist der frischgebackene Ruheständler weit davon entfernt, sich aufs Altenteil zu setzen. An Schubart sei er noch dran, erzählt er. Der Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 – 1791) wirkte sechs Jahre lang in der Stadt. In Briefen beklagte er sich über die ungehobelten Burschen, denen er als Lehrer Bildung einbläuen sollte. Für eine Ausstellung im Frühjahr begab sich Gruber auf Spurensuche und fand so viel über das „geniale Multitalent“ Schubart heraus, dass er noch Stoff für weitere Forschungen hat.

Ursprünglich wollte er Lehrer werden

Und dann zählt der scheidende Stadtarchivar atemlos auf, wozu es ihn sonst noch drängt: Zunächst erwähnt er das 100-jährige Bestehen des örtlichen Kunst- und Geschichtsvereins, dem er angehört. Der Festakt findet in wenigen Wochen statt, er soll eine Rede halten. Außerdem muss die Website des Stadtarchivs auf den neuesten Stand gebracht werden, und dann wäre da noch sein Blog „Apud Giselingen“. Dem will er neues Leben einhauchen. Mit historischen Themen, versteht sich. Als erstes hat Hartmut Gruber Geschichten über die die Stadt umgebenden Steigen „und solche Sachen“ im Blick. Ja, und endlich hat er dann Zeit, sich intensiver mit dem Mittelalter zu beschäftigen. „Das interessiert mich sehr“, sagt er. Dazu will er künftig möglichst jeden Freitag der Landesbibliothek und dem Staatsarchiv in der Landeshauptstadt einen Besuch abstatten. Nicht zufällig hat er diesen Tag gewählt, denn nach vollbrachtem Studium historischer Quellen will er sich mit seiner Frau, die im nahen Schwaikheim arbeitet, in das Stuttgarter Kulturleben stürzen.

Hartmut Gruber ist ein waschechter Geislinger. Sein Wirken als Stadtarchivar hat die Liebe zu seiner Heimatstadt noch vertieft. Dabei hatte es ihn in jungen Jahren hinaus gezogen: Er studierte in Tübingen Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte, wechselte von dort nach Freiburg, wo er das Staatsexamen machte. Im Kreis Ludwigsburg absolvierte er sein Referendariat. Doch er gehörte zu der ersten Generation ausgebildeter Gymnasiallehrer, die nicht übernommen wurden. Also verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Volkshochschulkursen und Honorarjobs und träumte von einem Leben im Südbadischen.

Ausstellungen über lokalhistorische Themen

Als ihm jedoch in der Geislinger Stadtverwaltung eine Halbtagesstelle im Bereich Touristik angetragen wurde, griff er zu, vor allem, weil er auch den damaligen Leiter des Heimatmuseums unterstützen sollte. 1988 übernahm er dann die Leitung des Museums, und sieben Jahre später zitierte ihn der frühere Oberbürgermeister Martin Bauch in sein Büro und fragte ihn, ob Interesse an der die frei gewordenen Stelle des Stadtarchivars habe. Er hatte.

Von da an verfolgte Hartmut Gruber konsequent das Ziel, das Archiv und das Museum im Alten Bau enger miteinander zu verzahnen. Um die Bürger für die Geschichte ihrer Stadt zu interessieren, organisierte er jährlich zum Jahresende eine Ausstellung über ein stadtgeschichtliches Thema. Seine erste Schau über die Elfenbeinschnitzerei in Geislingen wird er nie vergessen. „Die Leute haben mir den Alten Bau eingerannt.“ Es folgten Ausstellungen zum Jubiläum der Geislinger Steige oder den WMF-Gründer Daniel Straub. Die Liste ließe sich fortsetzen. Außerdem stieß er die Veranstaltungsreihe „Geislinger Kulturherbst“ an, die in Zusammenarbeit mit den Kulturschaffenden der Stadt nun zum siebten Mal stattfindet. Klar, dass er auch in Zukunft bei dieser Veranstaltungsreihe mit von der Partie ist.

Die Historikerin Miriam Régerat-Kob übernimmt

Der scheidende Stadtarchivar Hartmut Gruber hat den Stab an die Historikerin Miriam Régerat-Kobitzsch übergeben. Wie ihr Vorgänger leitet sie nicht nur das Stadtarchiv, sondern auch das Museum und die Galerie im Alten Bau. Groß einarbeiten muss sich die 33-Jährige nicht mehr: Sie ist schon seit dem 1. März an ihrer neuen Wirkungsstätte tätig.

Biografie
Miriam Régerat-Kobitzsch ist in Châlons-en-Champagne (Frankreich) aufgewachsen. Nach den Stationen Straßburg und Bayreuth setzte sie ihr Geschichtsstudium in Tübingen fort, wo sie im Jahr 2017 auch promovierte. Während ihres wissenschaftlichen Volontariats im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart arbeitete sie unter anderem an der Großen Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ mit. Dort wirkte sich auch in den Jahren 2017 und 2018 als Projektkuratorin an der Großen Sonderausstellung „Faszination Schwert“ mit.

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