Die Ausstellung präsentiert Bob Dylan in allen Facetten. Foto: Brauchle

Die Radierungen von Ulrich Brauchle zeigen den populären Liedermacher in seiner ganzen Komplexität.

Geislingen - Er gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Bob Dylans Lieder haben eine ganze Generation bewegt. Bekannt ist der Amerikaner aber nicht allein wegen seiner Musik. Für seine poetischen Neuschöpfungen wurde ihm im Jahr 2016 – als erstem Musiker überhaupt – der Literaturnobelpreis verliehen. Der Ellwanger Künstler Ulrich Brauchle hat den Songwriter in zahlreichen Radierungen porträtiert. Zu sehen sind 38 dieser Arbeiten noch bis zum nächsten Sonntag, täglich von 14 bis 17 Uhr, in der Galerie im Alten Bau in Geislingen.

Dylan wollte Erwartungshaltungen nie entsprechen – Brauchle auch nicht

„Er hat mich seit meiner Jugend als Musiker begleitet“, sagt Brauchle, der 1971 geboren wurde. Zwei Mappen hat er inzwischen zu Bob Dylan gefertigt. Die Sammlerstücke, in Auflagen von jeweils 35 Exemplaren, sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Der Inhalt ist an den Wänden zu besichtigen. Auf der linken Seite werden Querformate aus der aktuellen Mappe gezeigt. Die Motive sind dem Dokumentarfilm „Don’t look back“ entnommen, der die Eindrücke des Regisseurs Don Allan Pennebaker schildert, der Dylan 1965 auf einer England-Tournee begleitet hat. Damals befand sich der 24-jährige Dylan auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere. Kenner des Films wissen sofort, aus welcher Szene das jeweilige Motiv stammt.

Die zweite Mappe enthält den Zyklus „Bob Dylan 15 lyrics“ mit Radierungen, die meist hochformatig sind. Die einzelnen Porträts werden von auf Büttenpapier gedruckten Songtexten ergänzt. Die Bilder vermitteln Offenheit, Verspieltheit, aber auch Konzentration. Immer wieder verdichtet Brauchle seine Radierungen innerhalb weniger Zentimeter. Bob Dylan habe sich immer wieder neu erfunden, sagt er. „Ich fand das spannend, dass jemand immer wieder Neuland betritt“, ergänzt er. Menschlich sei Dylan sicher ein schwieriger Charakter, schon weil er Erwartungshaltungen nicht entsprechen möchte. „Damit stimmt er allerdings mit meinem Kunstverständnis überein.“

Kulturherbst befasst sich mit der 68er Generation

Brauchle beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Arbeit Bob Dylans. Für seine erste Mappe habe er zwischen 2000 und 2014 zahlreiche Motive gesammelt, bevor eine nähere Auswahl getroffen wurde. Dass er Dylan überhaupt so oft portraitiert hat, hängt mit einer Anfrage des Verlages Schwarze Seite aus Sigmaringen zusammen. Dieser wollte mit Brauchle ein Künstlerbuch zu einem Dichter machen. Welcher Dichter es sein sollte, darüber hat der Künstler lange nachgedacht. „Ich wollte nicht das hundertste Buch zu Goethe oder Schiller machen“, sagt er. Über die Musik sei er auf die Idee gestoßen, Bob Dylan zu portraitieren. „Ich bin zwar ein großer Lyrik-Fan, aber kein aktiver Lyrik-Leser“, betont Brauchle.

Der Künstler hat dann einen Zyklus geschaffen, der mehr als hundert Radierungen umfasst. Dass ein Teil davon jetzt ausgerechnet in Geislingen ausgestellt wird, ist kein Zufall. Der Kulturherbst in der Stadt befasst sich heuer mit dem Jahr 1968, genauer gesagt, mit der Generation der 68-er. Gleichzeitig stellt der Kunstverein Werke unter der Überschrift „Darstellung des Menschen“ aus. Brauchles Radierungen passen in diesen Tagen also gleich in zweifacher Hinsicht nach Geislingen.

Bei Radierungen allein hat es Brauchle indes nicht belassen. Im Rahmen des Projekts tritt er mit zwei weiteren Musikern auch auf und spielt Dylans Lieder. Zumindest so lange, bis die letzte seiner Mappen verkauft sei, erklärt er lachend. Das kann unter Umständen schnell gehen. Die ältere Mappe ist bereits vergriffen, von der neuen gibt es nur noch zehn Exemplare.

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