Bezirksbeirat Timo Haug inspiziert mit Rauhaardackel Felix eins der maroden Häuser im Höhenpark Killesberg. Foto: Eva Funke

Trotz der Wohnungsnot stehen im Stuttgarter Höhenpark Killesberg seit Jahren zwei Häuser leer, die im Besitz der Stadt sind. Der Bezirksbeirat Timo Haug will das ändern – doch das ist gar nicht so einfach.

S-Nord - An der Klingel stehen noch die Namen der einstigen Bewohner. Alles Mitarbeiter des Garten-, Friedhof- und Forstamts. Doch beide Gebäude im Höhenpark sind trotz ihrer fantastischen Lage seit Jahren unbewohnt. Durchs Gemäuer haben sich bereits Sträucher gekämpft und wuchern im Gebäudeinneren. Türen und Fenster sind so marode, dass sie ersetzt werden müssten. Die Fallrohre sind zum Teil verrostet, die Holzverkleidungen morsch. Und wie es im Inneren aussieht, lässt sich nur ahnen.

Vor etwa zwei Jahren hat der CDU-Bezirksrat Timo Haug im Beirat den Antrag gestellt, die beiden Geisterhäuser, die im Besitz der Stadt sind, zu sanieren und wieder zu vermieten. „Der Antrag ist im Sande verlaufen. Ich habe nie wieder was davon gehört“, sagt Haug. Sauer aufgestoßen ist ihm das wieder kürzlich, als er mit Rauhaardackel Felix Gassi ging und an den Häusern vorbei kam. „OB Fritz Kuhn hat versprochen, den Wohnungsbau in Stuttgart anzukurbeln um pro Jahr rund 1800 neue Wohnungen zu schaffen. Bei den Häusern im Park könnte die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und sie instand setzen“, sagt er und nimmt die beiden Einfamilienhäuser genauer in Augenschein: „Der Zustand wird von Jahr zu Jahr schlechter. Gehen noch weitere Winter ins Land bevor etwas passiert, müssen die Häuser abgerissen werden“, prophezeit er. Sein Plan: Die Forderung, die Gebäude zu sanieren und neu zu beleben, in in die Liste der Wünsche des Bezirksbeirats für den kommenden Doppelhaushalt aufzunehmen. Über die Liste wurde zwar bereits abgestimmt. „Aber eventuell lässt sich das noch nachtragen“, hofft Haug. Falls das nicht klappt, soll ein interfraktioneller Antrag zur Rettung der Häuser gestellt werden. Haug hat keinen Zweifel, dass ihn seine Kollegen aus den anderen Fraktionen unterstützen.

Fantasie und Flexibilität sind gefragt

Der Plan ist ganz im Sinne von Gartenamtschef Volker Schirner. Er hat für den kommenden Doppelhaushalt ebenfalls Geld für die Gebäude beantragt – und zwar für vier Gebäude. Denn zwei Nachbargebäude der leer stehenden Häuser sind noch bewohnt. Die Frage, wie hoch er die Mittel für die Instandhaltung ansetzt, lässt er offen. Aber sie dürften im siebenstelligen Bereich liegen. Schirner. „Technik und Sanitär müssen erneuert werden Umbauten sind notwendig, und das Gelände muss auf Altlasten und Schadstoffe untersucht werden.“

Mit Antonie Fröhlich, Chefin des Theaters in der Badewanne im Höhenpark, gibt es bereits eine Mietinteressentin für eines der Häuser. Sie würde dort gern Gästezimmer für Gastpuppenspieler und eine kleine Werkstatt einrichten. Dafür würde sie sich an der Sanierung mit „einer größeren Summe“ beteiligen. Ebenfalls Interesse hat vor längerer Zeit Eliszi vom Jahrmarkttheater signalisiert.

Solchen Hoffnungen gibt Schirner allerdings keine Zukunft. Das lasse der Bebauungsplan gar nicht zu. „Die Häuser wurden 1939 auf Zeit für die Reichsgartenschau gebaut. Wir müssen froh sein, wenn wir die Nutzung wieder für unsere eigenen Mitarbeiter genehmigt bekommen. Betriebliche Nutzung kann auch Nutzung als Büro bedeuten“, stellt Schirner fest.

Bei der „betrieblichen“ Nutzung sind Fantasie und Flexibilität statt Schwerfälligkeit gefragt, meint Haug. In den Häusern Gästezimmer und eine Werkstatt unterzubringen, könne man durchaus als betriebliche Nutzung bezeichnen. Denkbar ist für Haug auch die Einrichtung einer Kita. „Die Kinder könnten prima im Park spielen. Das Tiergehege ist auch ganz in der Nähe“, sagt er und hofft, dass es mit der Sanierung bald einen Rucker macht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: