Foto: Monica Lawrenz

Demente Menschen leben in ihrer ganz eigenen Welt. Vieles ist vergessen und verschwunden. Doch mit Musik kann man viele Erinnerungen zum Leben erwecken, sagt die Geigerin Liv Migdal – die genau das vorhat.

Ludwigsburg - Musik weckt bei vielen demenzkranken MenschenErinnerungen an vergangene Zeiten. Das soll auch am 1. Juli bei zwei Konzerten in Ludwigsburg so sein, hofft die Geigerin Liv Migdal.

Frau Migdal, wie kamen Sie auf die Idee, zwei große Konzerte für demenzkranke Menschen zu spielen?
Als Kind habe ich oft meinen demenzkranken Opa im Heim besucht. Immer hatte ich meine Geige dabei, und immer, wenn ich dort vor meinem Großvater und den anderen Heimbewohnern gespielt habe, habe ich gemerkt, wie viele Emotionen das bei den Menschen hervorruft.
Nämlich welche?
Je nachdem, was man spielt, erinnern sich die Menschen an das eine oder andere Musikstück, das sie früher einmal gehört haben. Sie werden dann meist ganz ruhig.
Können Sie sich an eine besondere Situation erinnern?
Einmal habe ich auf einer Station für Schwerstbehinderte gespielt. Als ich dort hinkam, waren die Menschen sehr unruhig und haben nur geschrien. Erst dachte ich, vielleicht sollte ich ein paar Minuten warten, ehe ich beginne. Nachdem ich aber etwa zwei Minuten gespielt hatte, war es absolut ruhig in dem Raum, die Menschen waren allesamt entspannt. Das fand ich sehr faszinierend.
Weshalb haben Sie nun Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ ausgesucht?
Weil der Schlossfestspiel-Intendant Thomas Wördehoff und ich der Meinung waren, dass es das bekannteste klassische Werk ist, das viele sicher noch aus Kindheitstagen kennen. Und mit einem Konzert in diesem Rahmen können wir auch Menschen erreichen, die sonst nicht mehr ins Konzert gehen können.
Was empfinden Sie als Musikerin bei einem solchen Auftritt?
Es ist mir eine absolute Herzensangelegenheit, und ich empfinde immer die größte Dankbarkeit, diesen Menschen dieses Erlebnis ermöglichen zu können.
Die Fragen stellte Claudia Bell.
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