Open-Air-Tour, Pop und US-Politik: Geigen-Star David Garrett plaudert aus dem Nähkästchen. Warum er noch lange nicht genug hat und dennoch vom spektakulären Abschied träumt.
Der Geigen-Virtuose David Garrett begeistert weltweit ein Millionenpublikum. Im Rahmen seiner „Millennium Symphony“-Open-Air-Tournee gastiert er auf einigen der schönsten Open Air-Bühnen in Deutschland und Österreich – und tritt auch am 2. August im Innenhof des Residenzschlosses in Ludwigsburg auf. Der 45-Jährige hat aber auch schon sein nächstes Klassik-Album fertiggestellt. Im Interview spricht der Weltstar über seine unbändige Leidenschaft für die Musik, ungewöhnliche Tourorte und verrät, wie er sich sein Karriere-Ende vorstellt.
Herr Garrett, gönnen Sie sich gerade mal eine Pause, bevor es auf große Open-Air-Tournee geht?
Ich mache nie wirklich Pause. Ich habe die Zeit genutzt, um ein neues Album für die deutsche Grammophon aufzunehmen, das Ende des Jahres kommt. Also wieder ein klassisches Programm.
Weil irgendwann auch mal gut ist mit Crossover?
Ich hatte zwar wieder große Lust auf klassische Musik. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich monatelange nur Crossover gemacht und überhaupt nichts mit Klassik zu tun hatte. Ich habe schließlich schon parallel zur „Millennium Symphony“-Tour an dem Album gearbeitet.
Schloss Salem, Schlossgarten Schwetzingen, Residenzschloss Ludwigsburg: Bei der Open-Air-Tour in diesem Jahr lieben Sie es prunkvoll.
Es fühlt sich ganz Besonders an, an solchen Orten aufzutreten, auch, weil ich normalerweise ja von einer Großstadt in die nächste reise. Draußen an solchen Orten wird die Musik noch einmal anders emotional aufgeladen. Auch abhängig vom Wetter. Das finde ich immer spannend.
Sie sind schon ziemlich lange mit dem „Millennium Symphony“-Programm unterwegs. Gibt es Stücke, denen Sie inzwischen ein bisschen überdrüssig bist?
Nein, auf keinen Fall! Was sich ändert, ist mein Umgang mit den Stücken. Ich werde souveräner in der Interpretation und kann besser damit umgehen, wenn mal ein Fehler passiert. Das merkt das Publikum dann auch. Es gibt aber kein Stück, dass ich inzwischen nicht mehr mag. Ich glaube, ich hatte da ein ganz gutes Händchen bei der Auswahl der Nummern. Pop ist ein schnelllebiges Geschäft. Heute kommen und gehen Hits ja viel schneller als noch in den 1980er oder 1990er Jahren. Bevor ich auf Tour gegangen bin, habe ich viel Zeit mit dem Repertoire verbracht, Arrangements geschrieben, das Album aufgenommen. Wenn da ein Song dabei gewesen wäre, hinter dem ich nicht hundertprozentig stehe, hätte ich ihn da schon längst rausgeschmissen.
Haben Sie in letzter Zeit einen neuen Song gehört, bei dem Sie gedacht haben, der könnte gut ins „Millennium Symphony“-Programm passen?
Das passiert mir schon immer wieder. Ich fand zum Beispiel die Nummer „Die With A Smile“, die Lady Gaga mit Bruno Mars gemacht hat, ziemlich gut. Ob das irgendwas ist, das ich mal tatsächlich anpacke, kann ich allerdings nicht sagen.
Gibt es auch in Ihrem Klassik-Repertoire ein Stück, das sich wie Rock’n’Roll anfühlt?
Es gibt da ein Stück, das ich in einem Berliner Club aufgenommen habe, weil das so einen besonderen Vibe hat, der ganz besonders in so eine Atmosphäre passt. Das Stück ist auf dem neuen Album, aber welches es ist, ist noch geheim. Es ist aber ein Stück, dass außer Geigenspezialisten wahrscheinlich gar nicht so viele kennen. Mir ist aber wichtig, dass es nicht immer um die Standards geht, sondern auch Menschen, die sonst nicht so viel mit Klassik anfangen können, zu vermitteln, wie besonders diese Musik ist.
Wann waren Sie selbst zuletzt als Zuhörer auf einem Konzert? Und war es Klassik oder Rock?
Tatsächlich gehe ich nicht so viel auf Konzerte. Gerade tauche ich aber wieder tiefer in die klassische Musik ein. Und das letzte Konzert, das ich besucht habe, war ein Rachmaninov-Konzert in der Berliner Philharmonie. Ich bin ein großer Fan von Rachmaninov.
Sie wohnen aber schon noch weiterhin in New York, oder?
Ja, ich würde mal sagen, dass ich 80 Prozent meiner freien Zeit dort verbringe.
Unter Donald Trump verwandeln sich die USA gerade radikal. Wie erleben Sie das in New York?
Tatsächlich ist New York ja wie eine Insel in den USA. Da ist alles ein bisschen anders. Tatsächlich hat sich hier das Leben in all den Jahren nicht wirklich verändert. Dass jetzt in den USA aber durchaus einiges anders ist, habe ich aber zum Beispiel daran gemerkt, dass bei der Tour die Einreise meiner Band komplizierter und auch teurer geworden ist. Aber im alltäglichen Leben in New York merkt man von diesen politischen Veränderungen wenig. Wir haben hier schließlich mit Zohran Mamdani auch einen Bürgermeister gewählt, den Donald Trump als „Kommunisten“ bezeichnet hat.
In der Tour-Ankündigung heißt es, dass sich Ihre Karriere schon seit über 30 Jahre erstreckt …
Was für eine Unverschämtheit! Wer hat das denn da reingeschrieben? (lacht)
Aber Sie haben schließlich auch als Wunderkind angefangen. Hat sich Ihre Einstellung zur Musik verändert in all den Jahren?
Das ist das Tolle: Es hat sich überhaupt nichts geändert. Ich habe immer noch diese unbändige Lust Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen.
Heißt das, dass David Garrett auch in 30 Jahren weiter auf Tour sein wird?
Das habe ich nicht gesagt! Ich orientiere mich da lieber an Kurt Cobains Neil-Young-Zitat: „It’s better to burn out than to fade away!“
Also besser ausbrennen als verblassen. Ich hoffe aber nicht, dass Sie ein ähnliches Karriere-Ende planen wie der Nirvana-Frontmann Kurt Cobain.
Nein, obwohl ich sowieso glaube, dass er sich nicht selbst erschossen hat. Da bin ich ganz bei den Verschwörungstheoretikern. (lacht) Aber was ich meine, ist, dass ich lieber dann aufhören möchte, wenn es am schönsten ist. Ich möchte einer von denen sein, die plötzlich nicht mehr da sind, die sich spektakulär verabschieden. End on a high note! Aber bis es so weit ist, kann es noch einige Zeit dauern.
David Garrett: Termine „Millennium Symphony“ Open-Air-Tour
- So 21.06.2026 Kassel Friedrichsplatz
- Fr 03.07.2026 Halle Westfalen OWL Arena
- Sa 04.07.2026 Sankt Goarshausen Loreley Freilichtbühne
- So 05.07.2026 Mönchengladbach SparkassenPark
- Sa 11.07.2026 Rostock IGA Park
- So 12.07.2026 Berlin Classic Open Air Gendarmenmarkt
- Di 14.07.2026 Regensburg Schloss St. Emmeram
- Do 16.07.2026 Bad Nauheim Konzertermuschel der Trinkkuranlage
- Fr 31.07.2026 Füssen Barockgarten am Festspielhaus
- Sa 01.08.2026 Salem Schloss
- So 02.08.2026 Ludwigsburg Residenzschloss
- Sa 08.08.2026 Schwetzingen Schloss
- Di 11.08.2026 Bremen Seebühne Bremen
- Mi 19.08.2026 Mörbisch am See Seebühne
- Fr 21.08.2026 München Königsplatz
David Garrett wird bei der Tour von einer Band und einem Orchester begleitet. Nur beim Auftritt in Bad Nauheim fehlt das Orchester. Tickets für die Open-Air-Tournee gibt es hier.