Krötenschutz an der L 1055 zwischen Böblingen und Stuttgart Vaihingen. Foto: Decksmann

„Du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern“, schrieb Bernhard von Clairvaux. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen Ihnen Besonderheiten aus den Wäldern rund um Stuttgart vor. Dieses Mal: Wenn Kröten sich auf Wanderschaft begeben.

Stuttgart - Aus der Kröten- und Molchperspektive betrachtet, erinnert das Metallband, das am Rande der Kreisstraße l055 aus dem Erdreich ragt, an die Berliner Mauer. Aber vermutlich fehlt Amphibien die menschliche Sicht der Dinge. Für sie ist das Band entlang der ehemaligen Bundesstraße zwischen Stuttgart-Vaihingen und Böblingen erst mal ein blödes Hindernis, das den Weg zu den Laichplätzen verbaut. Dass der Schutz ­ihnen womöglich das Leben rettet – woher sollen die Tiere das wissen?

Im Kriechgang durch den Tunnel

Also kriechen sie nach Krötenart so lang an der Wand entlang, bis irgendwann ein Tunnel auftaucht, durch den sie auf die ­andere Straßenseite ­gelangen. Oder bis sie in einen Eimer plumpsen, in dem sie mit anderen Artgenossen darauf warten, bis ein Zweibeiner kommt und die Sache mit der Straßenüberquerung erledigt.

In den kommenden Wochen, wenn die Nächte wärmer und feuchter werden, wandern sie wieder – und das heißt für die Helfer des Naturschutzbunds (Nabu) und andere engagierte Tierschützer, dass sie alle Hände voll zu tun haben. Allein für den Nabu sind im Stadtgebiet Stuttgart um die 45 Leute im Einsatz.

Aus der Sicht des Autofahrers ein irres Laichverhalten

Eingefahrene Automobilisten mögen sich wundern, warum sie auf einer gut ausgebauten Waldstrecke nur noch Tempo 30 fahren sollen – schließlich ist es doch egal, ob man eine Kröte im Schneckentempo oder mit 70 Sachen überrollt. Stimmt wohl, aber sie sollten der Helfer wegen den Fuß vom Gas nehmen, die hin und wieder die Straße queren.

Aus Sicht einer automobilen Gesellschaft ist das Laichverhalten der Amphibien eigentlich ein K.-o.-Kriterium. Aber die ­Sache ist genetisch so tief in den Tieren verankert, das sie nicht anders können. Fünf bis sechs Kilometer würden mache Kröten auf sich nehmen, um an ihre angestammten Laichplätze zu gelangen, sagt Isabel Koch, Amphibienexpertin der Stuttgarter Wilhelma. Und nach verbrachter Tat geht es wieder retour. Wer sich darüber wundert, sollte bedenken, dass er einer Spezies anhört, deren Vertreter mitunter tagein, tagaus zig Kilometer zurücklegen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Der Vergleich Kröte-Mensch hinkt

Aber gut, der Vergleich Kröte/Mensch hinkt, vor allem wenn man in Betracht zieht, wie der Transport zum Wasser vonstattengeht. Oft kommt es vor, dass die größeren Weibchen eines oder gar mehrere Männchen mitschleppen. Eine Eigenart, die man als menschliches Männchen durchaus mal in die Runde werfen darf, um zu unterstreichen, wie gut es das Weibchen bei ihm hat.  

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